Mehr Chi ins Leben bringen
Chi-Energie besteht aus der jedem Menschen zur Verfügung stehenden Lebenskraft. Wie viel davon vorhanden ist, hängt von den Genen ab, aber auch vom persönlichen Schicksal und von der eigenen Lebensführung. Wir können unser Leben so führen, dass wenig Verschleiß an Lebenskraft eintritt und unsere Chi-Energie sich weitgehend regeneriert.
Mehr Chi-Energie schafft günstigere Voraussetzungen für das Entstehen von mehr sozialer Energie. Mehr soziale Energie schafft günstigere Voraussetzungen für mehr individuelle und mehr kollektive Lebensqualität.
Ein größeres Vorrat an Chi-Energie kann insgesamt:
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die Glücksfähigkeit und die Lebensqualität jedes einzelnen Menschen erhöhen
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mehr psychische Stabilität und bessere körperliche Gesundheit schaffen
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die Phase aktiv gestaltenden Lebens jedes Einzelnen deutlich verlängern
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die Qualität des Zusammenlebens der Menschen in der Gemeinschaft verbessern
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die Voraussetzungen für ein konfliktfreieres, friedliches Zusammenleben schaffen1
Die kollektive Erschöpfung der westlichen Gesellschaft
Die westliche Industriegesellschaft ist zu ständigem Wachstum gezwungen. Sie kann sich nur durch Steigerung stabilisieren. Nach Auffassung des bekannten Jenaer Soziologie-Professors Hartmut Rosa muss sie daher „immer mehr Welt verfügbar ... machen.“ Das bedeutet vor allem: mehr Rohstoffe nutzbar zu gewinnen, Märkte zu erschließen, die technischen Möglichkeiten zu vergrößern, mehr Wissen zu erschließen, die Steuerungs- und Kontrollmöglichkeiten zu verbessern und die sozialen sowie die psychischen Potentiale zu aktivieren. Wenn wir nicht immer besser, schneller, kreativer und tatkräftiger werden, verlieren wir Arbeitsplätze. Es kommt zu Firmenschließungen. Die Steuereinnahmen sinken, während die Ausgaben steigen. Haushaltskrisen sind die Folge. Es ist nicht einmal so sehr die Gier nach immer mehr, die uns vorantreibt, sondern die Angst vor dem Immer weniger hält dieses wahnwitzige Spiel ständiger Steigerung aufrecht, aus dem es nur extrem schwer auszusteigen gelingt.2
Auf den einzelnen Menschen wirkt sich die fortgesetzte Wettbewerbssituation besonders verhängnisvoll aus, weil der Arbeitsprozess und die gesamte Lebensführung ihn immer mehr von sich selbst entfremden. In früheren Zeiten produzierten die Menschen ihre eigene Nahrung. Sie arbeiteten für ihre Familie und für die soziale Gemeinschaft, in der sie lebten. Was sie heute produzieren, gehört ihnen nicht. Sie können über die Ziele, Mittel und Formen der Produktion nicht bestimmen. Sie verstehen oftmals den Sinn des von ihnen hergestellten Produkts nicht mehr. Dieser Entfremdungsprozess führt zu Entwurzelung und zu einer Schwächung der eigenen psychischen und sozialen Energie. Er begünstigt nachteilige Folgen für die Gesundheit und Lebensqualität.
Die US-amerikanisch-jüdische Publizistin Hannah Arendt (1906-1975) hat diese Entfremdung als Beziehung der Beziehungslosigkeit bezeichnet.3 Das damit verbundene Lebensgefühl beschreibt Hartmut Rosa so: „Das sagt mir alles nichts, es bedeutet mir nichts, ich werde dadurch nicht erreicht und erreiche auch die Welt da draußen nicht mehr.“ Diese Erfahrung umschreibt ziemlich genau den Zustand der Depression. „Da draußen ist alles tot, grau, kalt und leer, und auch in mir ist alles stumm und taub.“4 Solche Worte benennen exakt die Befindlichkeit im Burnout, einer für unsere Zeit typischen, sehr häufig diagnostizierten Mode- und Massenerkrankung. Ihr Anstieg allein ist bedenklich, selbst wenn die Ursachen vielfältig und noch nicht hinreichend erforscht sind. Die entscheidende Frage, die sich hier stellt, ist doch: Was können wir gegen die um sich greifende Entfremdung tun, um dem individuell ebenso wie kollektiv auftretenden Burnout zu begegnen? Kann man überhaupt etwas tun? Oder ist der moderne Mensch das Opfer der von ihm selbst geschaffenen Lebensumstände?
Aufgeben ist keine Lösung. An unseren Lebensumständen lässt sich Grundsätzliches nicht von einem Tag auf den anderen verändern. Doch gibt es eine ganze Reihe von Stellschrauben. Mit ihrer Hilfe lässt sich das Potential an verfügbarer sozialer Grundenergie erhöhen. Genau diese Möglichkeiten stärker ins Blickfeld zu rücken, könnte sich für unsere Gesellschaft insgesamt ebenso lohnen wie für jeden einzelnen Menschen.
Das gemeinschaftliche Chi stärken
Wenn wir mehr darüber wissen wollen, unter welchen Lebensbedingungen bei Völkern soziale Energie besonders gut fließt, müssen wir uns die Lebensumstände der einzelnen Völker näher ansehen. Wir können uns dabei mit einem „Kunstgriff“ helfen, indem wir danach schauen, welches Land das glücklichste ist. Denn ein glückliches Land wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Land sein, dessen Bevölkerung über viel soziale Energie verfügt. Das ist zunächst nur eine Vermutung. Aber mit ihr kann man arbeiten, solange noch keine gesicherten Forschungsergebnisse zur Verfügung stehen.
Finnland ist zum siebten Mal in Folge als glücklichstes Land der Welt gekürt worden. Während die skandinavischen Länder das Glücks-Ranking anführen, rutscht Deutschland von Platz 16 auf Platz 24 ab. Ähnlich ergeht es anderen westlichen Ländern wie den USA.
Was ist das Glücksgeheimnis der Finnen? Wie schaffen es die Nordlichter, Jahr für Jahr glücklich zu sein - und zu bleiben? Was alle skandinavischen Länder gemeinsam haben: Sie sind dünn besiedelt, und ihre Bevölkerung ist sehr bodenständig, mit der Natur verbunden.
Dass der Mensch im Mittelpunkt steht, ist ein wichtiger Bestandteil der finnischen Kultur. Die eigene Zufriedenheit hängt in Finnland stark mit der Zufriedenheit anderer zusammen. Davon ist John Helliwell, Wirtschaftswissenschaftler aus Kanada, überzeugt. Er ist einer der Forscher, die am Weltglücksreport arbeiten. Die Finnen vertrauen einander. Sie kümmern sich umeinander. Und sie erreichen ein sehr hohes Maß an Chancengleichheit in Bildung, Gesundheit und sozialem Ansehen. Sie stehen nicht so stark im Wettbewerb miteinander wie die Menschen in anderen Ländern.
Keineswegs ist es so, dass in Finnland die meisten übermäßig glücklichen Menschen leben. Eher trifft es zu, dass es dort nur sehr wenige extrem unglückliche Menschen gibt, so der finnische Psychologe Frank Martela. Die Menschen dort vergleichen sich weniger mit anderen. Das macht den Unterschied aus.
Was die Finnen auszeichnet, ist ein hohes Maß an sozialer Unterstützung und an Vertrauen, sagt Jan-Emmanuel De Neve, einer der Autoren des Weltglücksberichts.5 Dabei geht es besonders um sozialen Zusammenhalt, um Freunde, auf die man sich verlassen kann, um den Staat, auf den man sich in Notzeiten verlassen kann. In Finnland vertrauen sie einander.
Glück hängt offenbar mit Kommunikation zusammen. Sie ist veränderbar. Allein schon deshalb lohnt es sich, diesen Gedanken weiter zu entwickeln.
1 Günter Harnisch: Dem Geheimnis von Chi auf der Spur. So laden Sie Ihre Batterien mit frischer Lebensenergie auf, Schiedlberg, erscheint voraussichtlich im September 2026
2 Hartmut Rosa: Unverfügbarkeit, 10. Auflage, Wien, Salzburg 2024, 15-18
3 Hannah Arendt: Vita Activa oder vom tätigen Leben (1960), München 1994
4 Hartmut Rosa: Unverfügbarkeit, a.a.O. 33
5 Sofie Donges, ARD-Studio Stockholm zum Weltglücksbericht 2024