Kinderheilkunde: Lymphatismus und Skrofulose in der Irisdiagnostik
Immer wieder wurde die Frage an die TEN / TEM-Autoren und Autorinnen herangetragen, an Fallbeispielen aus der Praxis zu zeigen, wie sich das Thema Skrofulose irisdiagnostisch darstellt. Das möchte ich in dieser Arbeit machen. Die für das tiefere Verständnis notwendigen theoretischen Hintergründe, die humoralmedizinische Pathophysiologie, die Manifestationen, sowie die therapeutische Vorgehensweise bei skrofulösen Menschen ist in den folgenden beiden Büchern aus dem Bacopa-Verlag ausführlich bearbeitet und kann dort nachgelesen werden. Deshalb wird in dieser Arbeit nur sehr rudimentär darauf eingegangen.
- Garvelmann / Raimann: "Humoralmedizinische Praxis", Band 1 (Kapitel 10)
- Susanne Alber-Jansohn: "Naturheilkunde für Kinder"
Fallbeispiele mit ihrem irisdiagnostischen Hintergrund
Obwohl das Thema "Skrofulose" in der täglichen therapeutischen Arbeit in allen Altersstufen allgegenwärtig ist, zeigen die folgenden zehn Beispiele von Patienten im Kindesalter deutlich, dass die einfache Differenzierung zwischen torpider und erethischer Skrofulose recht unspezifisch ist. Oft zu unspezifisch, um für die betroffenen Kinder wirklich effiziente Therapiekonzepte entwickeln zu können. Mittels Irisdiagnose lässt sich die Pathophysiologie der Skrofulose in ihrer individuellen Art der Manifestation deutlich präzisieren. Dies wird zur Grundlage einer sehr differenzierten Krankheitsanalyse, der individuellen Therapie, aber auch Prophylaxe und konstitutioneller Stabilisierung. Damit tritt der Skrofulose-Begriff zwar wieder in den Hintergrund, bzw. er weicht deutlich präziseren Informationen bzgl. der individuellen konstitutionellen Situation – und damit für die Therapie.
Bei der Beschreibung und Analyse der folgenden Augenbilder liegt der Fokus auf dem Thema Skrofulose in der Kinderheilkunde. Dem Autor ist bewusst, dass ein versierter Irisdiagnostiker in den Bildern weitere, hier nicht beschriebene Aspekte erkennen wird, die aber über die Thematik dieser Arbeit hinaus gehen. Auch in diesem Zusammenhang ist "weniger" in der Realität manchmal "mehr"....
Iris 1:

Rechte Iris eines 5-jährigen Mädchens, das wegen Heuschnupfen und anderen, unklaren allergischen Reaktionen in Behandlung kam.
Hier erkennbare konstitutionelle Merkmale:
- Neurogenzarte, gleichmäßige Irisfasern
- Katarrhalisch-rheumatisch Flocken vor dem Ziliarrand
- Plethorisch Erweiterte Krausenzone auf lymphatischer Basis
Die blaue Farbe gibt dem Irisdiagnostiker die grundsätzliche Information, dass bei diesem Menschen das Lymphsystem das dominante Reaktionssystem ist. Das bedeutet nicht, dass das Lymphsystem prinzipiell "schwach" ist, sondern – ganz im Gegenteil - bei Abwehrprozessen durch seine gesteigerte Aktivität mit entsprechenden Symptome auf sich "aufmerksam" macht. Dabei betrifft die Symptomatik nicht nur die typischen Lymphorgane (v.a. Mandeln und Lymphknoten), sondern vor Allem die Schleimhäute und die Haut (sog. "Oberflächenorgane"). Haut und Schleimhäute bilden bei jedem Menschen eine untrennbare funktionelle Einheit mit dem Lymphsystem.
Daher spielen die Krankheiten der Oberflächenorgane bei der Skrofulose eine zentrale Rolle in der Symptomatik, auch wenn das Kernproblem im Lymphsystem liegt. Damit das Lymphsystem seine optimale Dynamik und damit Leistungsfähigkeit entfalten kann, muss ausreichend physiologische Wärme zur Verfügung stehen. Die deutliche Abdunkelung der Krausenzone um die Pupille herum zeigt hier aber, dass bei diesem Mädchen das Wärmeprinzip nur eingeschränkt vorhanden ist. Abdunkelungen in der Krausenzone sind irisdiagnostisch stets ein sehr wichtiges, leicht erkennbares Zeichen dafür, dass ein konstitutionell geprägter Mangel an physiologischer Wärme besteht. Das führt einerseits dazu, dass die Nahrung im Verdauungsprozess nicht zu Nährsäften mit optimaler Qualität "gekocht" werden kann. In der humoralmedizinischen Sprache ausgedrückt: Es entsteht zu viel kaltes Phlegma – eine der Grundlagen der Skrofulose. Aber es kommt noch ein wichtiger Aspekt dazu: Ein Organismus, der mit Nährsäften suboptimaler Qualität "arbeiten" muss, produziert Schärfen im Übermaß – der zweite definierende Faktor der Skrofulose. (In der Kinderheilkunde sind die gelbgalligen (heiß-trockenen) Schärfen dominant. Schwarzgallige (kalt-trockene) Schärfen sind durch entsprechende Pigmente zwar in Kinderaugen auch gelegentlich zu sehen, sind dann aber eher als Informationen für die künftig zu erwartende konstitutionelle Entwicklung jenseits der Pubertät zu werten – auch als Grundlage prophylaktischer Maßnahmen.)
Daraus ergibt sich eine wichtige therapeutische Konsequenz: Die Wärmeprinzipien müssen durch Aktivierung der Magentätigkeit (mit bitter schmeckenden Heilpflanzen) gesteigert und stabilisiert werden. Eine wichtige Heilpflanze in diesem Zusammenhang ist die Eberraute (Artemisia abrotanum), die zwar geschmacklich nicht als "delikat" bezeichnet werden kann, aber dennoch auch von Kindern meist akzeptiert wird. Verwendet wird das Eberrauten-Kraut (Abrotani Hb.) als Tee-Aufguss, oder die Urtinktur (Abrotanum ø), jeweils in der für das entsprechende Alter passenden Dosierung.
Die bei diesem Auge teilweise zu weite Krausenzone (das ist die ringförmige Zone zwischen Pupille und der schnurförmigen Krause, die sich bei jedem Menschen um die Pupille herum zieht). Optimal wäre die Breite der Krausenzone mit etwa ¼ der Gesamtbreite der Iris). Bei diesem Mädchen nimmt die Krausenzone teilweise fast die Hälfte der Irisbreite ein. Das ist eines der Erkennungsmerkmale der Plethorischen Konstitution. Deren pathophysiologisches Thema ist die eingeschränkte Spannkraft der Venen, aber auch der Lymphgefäße, weshalb die in diesen Gefäßen fließenden Säfte nicht ausreichend bewegt werden (siehe Lehrsatz oben). Säftebewegung ist immer ein aktiver, energie- bzw. wärmeintensiver Prozess, der hier eingeschränkt ist.
Der lymphatische "Rückstau" in das Interstitium wird in dieser Iris auch durch die vielen flockenförmigen Tophi sichtbar. Flocken, Wolken und nebelartige Strukturen in der Iris zeigen grundsätzlich immer eine Vermehrung kalter Feuchtigkeit (Phlegma), die nicht entsprechend bewegt wird. Für übermäßige Feuchtigkeit hat der Mensch kein physiologisches Ausscheidungsorgan. Daher kommt in solchen Fällen Mechanismen in Gang, die man als Ersatzausscheidungen, oder kompensatorische Ausscheidungen bezeichnet. Sie manifestieren sich entweder als Ausschläge (Ekzeme) auf der Haut, oder als sogenannte Katarrhe auf den Schleimhäuten. Davon können ausnahmslos alle Schleimhautbereiche betroffen sein, auch mit wechselnder Lokalisation (Vikariation). Dies ist bei diesem Mädchen die konstitutionelle Grundlage für die allergischen Reaktionen. Die oft sichtbaren Blutgefäß-Zeichen einer allergischen Diathese (Gefäßdornenkrone) sucht man hier vergeblich. Ihr Vorhandensein zeigt sich aber unmissverständlich in der Symptomatik. Das zeigt (wie sehr oft übrigens...), dass die konstitutionellen Grundlagen der allergischen Diathese für die Behandlung dieses Menschen wichtigere Bedeutung haben, als die allergische Diathese selbst.
Das Auge zeigt zusätzlich mit den zarten, relativ gleichmäßig verlaufenden Irisfasern auch die Merkmale der neurogenen Konstitution. Menschen mit diesem konstitutionellen Merkmal haben ein sehr empfindsames, aber leider auch störanfälliges Nervensystem. Daraus resultieren positive Eigenschaften: Sie sind sehr sensibel gegenüber allen auf sie einwirkenden Einflüssen (emotional, seelisch-geistig und physisch). Aber es hat auch Nachteile: Diese Menschen sind von nervlichen Belastungen leicht überfordert, bzw. können sich nicht gut "abschirmen". Das gilt auch für die oben beschriebenen Schärfen, die bei skrofulösen Menschen schon definitionsbedingt eine große Rolle spielen. Diese Schärfen reizen dann das ohnehin überempfindliche Nervensystem, woraus sehr unterschiedliche Krankheitsbilder resultieren können: Unruhezustände ohne erkennbaren Grund, bis hin zum ADHS, aber auch nervliche Ausreifungsstörungen (Beispiel: Nächtliches Einnässen, Enuresis nocturna), oder auch sogenannte psychosomatische Beschwerden – um nur eine kleine Auswahl zu nennen. All diesen Zuständen gemeinsamer konstitutioneller Hintergrund ist die erethische Skrofulose, deren Pathophysiologie und Symptomatik durch hitzige, sogenannte "gelbgallige" Schärfen dominiert wird.
Die hier beschriebene kleine Patientin hatte zwar im Behandlungszeitraum keine typisch "neurogenen" Beschwerden, das Auge zeigt aber deutlich, dass bei unpassender Lebensweise und Ernährung, aber auch seelisch-geistiger bzw. emotionaler Überforderung durchaus "neurogene" Symptome auftreten können. Und das sind Informationen, die für eine konstitutionelle Stabilisierung und zur Vorbeugung neurogener Krankheitszustände sehr wertvoll sein können.
Konstitutionstherapeutische Ziele bei dem Kind mit Iris 1:
- Anregung der physiologischen Wärme durch Magentonisierung
- Antiplethorische Anregung des Gefäßtonus mit Schwerpunkt Lymphgefäße
- Stabilisierung der Lymphfunktionen
- Umstimmung der allergischen Diathese
- Stabilisierung der Symbiontenfloren der Schleimhäute
Vorschlag eines entsprechenden Therapiekonzeptes:
- Calc. phosph. D6 dil. Konstitutionsmittel bei erethisch Skrofulösen
- Apis D6aa 20 ml Wichtiges Basismittel bei allergischer Diathese
- Scrophularia ø Konstitutionelle Stabilisierung des Lymphsystems
- Abrotanum øaa 30 ml Stimulation der physiolog. Wärme / Lymphmittel Darm
- M. f. dil. DS: 3 x tgl. 5 Tr. vor dem Essen, verdünnt
- Symbioflor 1 Tr. 50 ml Aufbau und Stabilisierung der Schleimhautflora der oberen Atemwege DS: 3 x tgl. 5 Tr. nach dem Essen
- Eigenblutnosode C6 20 ml Universelle Umstimmung und Stabilisierung bei Skrofulose Morgens 5 Tr.
Iris 2:

Das Bild zeigt das Auge eines 6-jährigen Mädchens, das wegen mehrfach wiederkehrender spastischer Bronchitis und unklaren Bauchschmerzen um den Nabel, auch mit Übelkeit in Behandlung war.
Hier erkennbare konstitutionelle Merkmale:
- Plethorisch erweiterte Krausenzone
- Endokrin-vegetativ (tendenziell) Viele Lakunen an der Krause auf sanguinogener (hämatogener) Basis
- Allergische Diathese Starke Gefäßzeichnung der Bindehaut
- Spasmophile Diathese (Krampfdiathese) Helle Zirkulärfurchen
Ein weiteres wichtiges Zeichen ist die zwischen 7:00 und 9:00 deutlich erkennbare Schnurkrause. Es gibt in der TEN/TEM einen Leitspruch, der hier wichtig ist: Ein Kind reagiert immer "lymphatisch". Daher spielt die hier unübersehbar braune Iris noch eine untergeordnete Rolle. Die Dominanz des Blutsystems (für das die braune Augenfarbe steht), wird sich erst mit und nach der Pubertät entwickeln.
Warum das so sein muss, lässt sich leicht erklären: Da nach humoralmedizinischem Verständnis die Feuchtigkeit die Voraussetzung für jede Bildung von Körperstrukturen ist, muss ein Kind in der Wachstumsphase ein höheres Potenzial an Feuchtigkeit haben, denn sonst könnte es nicht wachsen. Diese Feuchtigkeit muss aber ein hohes Maß an Wärmqualitäten haben, um sowohl organische Strukturen aufbauen zu können, als auch als "Speicherform der Energie" (Energiereserven) dienen zu können. Aber genau bei der physiologischen Wärmeenergie "hapert" es bekanntlich bei der Skrofulose erheblich. Dieses Mädchen zeigt zum Zeitpunkt der Irisfotografie typische Symptome einer erethischen Skrofulose, muss also entsprechend behandelt werden.
Für den Irisdiagnostiker wird die braune Augenfarbe meist erst nach der Pubertät wirklich relevant. Das vereinfacht die Konstitutionsbehandlung von Kinder erheblich: Sie müssen prinzipiell als Lymphatiker behandelt werden. Die braune Augenfarbe dieses Mädchens eröffnet aber einen Blick in die Zukunft: Es wird in einigen Jahren eine Dominanz des Blutsystems entwickeln, was teilweise völlig andere therapeutische Ansätze erfordert. Aber das ist nicht Thema dieser Arbeit...
Die spasmophile und die allergische Diathese basieren auf der Wirkung hitziger (gelbgalliger) Schärfen. Bei der spasmophilen Diathese ist die Folge eine übersteigerte Grundspannung (Tonus) der Muskulatur, bis hin zu Krämpfen. Das kann prinzipiell in jeder Muskulatur geschehen, zeigt sich im Fall dieser kleinen Patientin aber an der Spastik der glatten Muskulatur der kleinen Bronchien (Bronchioli). Aber auch die rezidivierende akute Entzündung der Bronchialschleimhaut (Bronchitis) ist das Ergebnis gelbgalliger Schärfen. Die spasmophile Diathese lässt den Schluss zu, dass auch die Bauchschmerzen des Mädchens spastischer Natur sind, wobei hier die Ringmuskulatur des Darms hyperkinetisch reagiert. Zur Ergänzung: Bauchschmerzen bei Kindern liegen oft auch Schwellungen der Bauchlymphknoten zugrunde (Lymphadenitis mesenterials). Wie schon wiederholt gesagt: Die Skrofulose ist ein Problem, das immer den gesamten Organismus betrifft. Und deshalb reagieren bei skrofulösen Menschen eben nicht nur die Lymphknoten im Kieferwinkel mit Vergrößerung, sondern auch im Bauchraum und anderswo. Wenn dann, wie bei diesem Mädchen, eine spasmophile Diathese vorliegt, reagiert die Darmmuskulatur reflektorisch mit mal mehr, mal weniger heftigen Verspannungen. Das vegetative Nervensystem reagiert im gleichen Sinne mit, was die Übelkeit erklärt.
Bei der allergischen Diathese zeigt sich die Wirkung der hitzigen Schärfen als Hyperkinese bei Abwehrprozessen – das typische pathophysiologische Muster jeder akuten Allergie. Die in diesem Auge sehr deutliche allergische Diathese lässt den Schluss zu, dass die wiederkehrenden Katarrhe der Bronchialschleimhaut auf allergischen Mustern basieren, was sich in Kombination mit der spasmophilen Diathese als spastische, oder auch obstruktive Bronchitis manifestiert. Und die Skrofulose sorgt dafür, dass diese Krankheit immer wieder auftritt.
Dieses Fallbeispiel zeigt sehr deutlich eine sehr häufig zu beobachtende Regel, die jedem Therapeuten bewusst sein sollte (nicht nur bei Kindern...): Die Schärfen und die Diathesen prägen die Symptomatik des Patienten. Da Symptome aber wichtige Erkennungsmerkmale dafür sind, dass gesundheitlich "etwas nicht stimmt", richtet sich das diagnostische Augenmerk oft zu sehr auf die Diathesen und die Schärfen, obwohl die konstitutionelle Situation, die diesen Aspekten zugrunde liegt, für das Verständnis der Krankheitsmechanismen und damit für die therapeutische Zielsetzung deutlich wichtiger sind.
Die in diesem Auge sichtbare plethorische Konstitution zeigt Stagnationen im Säftefluß, was hier aktuell v. a. das Lymphsystem betrifft. Weiteres dazu wurde bereits bei Iris 1 beschrieben. Die partielle Schnurkrause ist einerseits ein (weiterer) Hinweis auf Labilität der vegetativen Regulationsmechanismen im Verdauungstrakt, zeigt aber auch, dass die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut (Permeabilität) unphysiologisch erhöht ist. Auf dieser Basis werden Stoffe aus dem Darminneren durch die Schleimhaut aufgenommen, die (noch) nicht resorbiert werden dürften. Das können großmolekulare, noch nicht vollständig assimilierte Nahrungsbestandteile, aber auch sonstige Schadstoffe sein, die nach Resorption durch die Schleimhaut vom Abwehrsystem des Darmes (Darmassoziiertes Lymphsystem, GALT) erkannt und ggf. bekämpft werden müssen. Wenn ein solcher Zustand über längere Zeit besteht, führt das zur Überforderung des Lymphsystems, was eine häufig auftretende Skrofulose-fördernde Situation darstellt – auch in diesem Fall.
Wissenschaftlich bekannt ist die Tatsache, dass die Bakterienbesiedelung der Darmschleimhaut (Mikrobiom) wesentlichen Einfluss auf die Permeabilität der betreffenden Schleimhaut hat. Etwas vereinfacht dargestellt, führen unphysiologische Veränderungen in der komplexen Zusammensetzung der Darmflora zu erhöhter Durchlässigkeit. Umgekehrt kann der Darm aber durch Aufbau bzw. Stabilisierung des Mikrobioms auch wieder "dichter" werden – womit das lymphatische Abwehrsystem entlastet wird – ein wichtiger Aspekt bei der Behandlung skrofulöser Zustände. Aus diesen Zusammenhängen lässt sich eine "Trias" erkennen, deren Elemente in ihrer Funktionalität untrennbar miteinander verknüpft sind: Schleimhaut, Lymphsystem und Mikrobiom. Die Bedeutung dieser Trias ist zwar im Darm besonders ausgeprägt, gilt aber grundsätzlich für alle Schleimhäute des Organismus. Sie stellt auch eine sehr praktikable Leitschiene für Behandlungskonzepte bei Schleimhauterkrankungen dar: Wenn alle drei Elemente bei der Therapie berücksichtigt werden, ist das Konzept "rund". Bei sehr vielen Allergikern liegt die "Wurzel" für die allergischen Reaktionsmuster in den beschriebenen Fehlfunktionen im Ökosystem des Darms, die zur Fehlprogrammierung bestimmter lymphatischer Abwehrzellen (Lymphozyten) führen, wobei die Symptomatik nicht unbedingt im Verdauungssystem auftreten muss, sondern häufig auch auf ganz anderen Schleimhautbereichen, wie bei dem beschriebenen Mädchen im Atmungssystem.
Die in diesem Auge durch die vielen kleinen Lakunen im Bereich der Krause erkennbare endokrin-vegetative Konstitution weist auf konstitutionelle Labilität der vegetativen Regulationssysteme hin. Das kann sowohl das vegetative Nervensystem betreffen, als auch die hormonelle Regulation. Dieser konstitutionelle Aspekt spiegelt sich in der aktuellen Symptomatik des Mädchens zwar nicht direkt wider. Dennoch findet sich in der folgenden Rezeptur der Mönchspfeffer (Agnus castus), der einerseits die Wechselbeziehungen aller Hormondrüsen mit der hormonellen "Regulationszentrale" (Hypophysär-hypothalamischer Regelkreis, HHR) stabilisiert, andererseits aber auch ein gutes Lymphmittel ist und hier als "Skrofulosemittel" eingesetzt wird. Zwei Fliegen mit einer Klappe...
Konstitutionstherapeutische Ziele bei dem Kind mit Iris 2:
- Stabilisierung des Darm-Ökosystems (o. g. Trias)
- Stimulation des Lymphflusses
- Stabilisierende Dämpfung des hyperkinetischen Tonus
- Antiallergische Therapie
- Stabilisierung des Vegetativums
Vorschlag eines entsprechenden Therapiekonzeptes:
- Agnus castus ø Hormonelle Stabilisierung, lymphatische Hyperplasie
- Magnesium sulf. D6 dil. Krampfneigung
- Acid. formicic. D6 Allgemeine Umstimmung, allerg. Diathese
- Scrophularia ø Konstitutionelle Stabilisierung des Lymphsystems
- Angelica øaa 20 ml Stimulation der physiologischen Wärme in den Thorax-Organen
- M. f. dil. DS: 3 x tgl. 6 Tr. vor dem Essen, verdünnt
- Symbioflor 1 Tr. DS: 3 x tgl. 5 Tr. nach dem Essen über 6 Wochen, danach: Symbiolact comp., tgl. 1 Beutel in Wasser über 8 Wochen
- Eigenblut-Nosode C6, Morgens 5 Tr.
Iris 3:

Das rechte Auge eines 6-jährigen Jungen, der wegen Hautausschlägen, Unruhe und Konzentrationsstörungen in Behandlung kam.
Hier erkennbare konstitutionelle Merkmale:
- Oxygenoid, hier tendenziell, aber sehr wichtig Schmale Krausenzone
- Katarrhalisch-rheumatisch Flockenring am Ziliarrand
- Gastrisch Grobe Faserstruktur in der Krausenzone auf der Basis einer chologenen (biliären) Mischiris
- Allergische Diathese
Ein weiteres wichtiges Zeichen ist die zwischen 5:00 und 11:00 deutlich erkennbare Schnurkrause, die zwischen ca. 8:00 und 9:00 vom Untergrund abgelöst ist (flottierende Krause).
Bei diesem Auge ist die Breite der Krausenzone zwar nicht überall schmäler als das "normale" Viertel der Gesamtbreite der Iris, aber doch in einigen Sektoren, etwa bei 4:00, 6:00 und 10:30. Damit erkennt man die Merkmale der oxygenoiden Konstitution, die bei jedem betroffenen Menschen eine herausragende Rolle spielt. Einer der 9 wichtigsten humoralmedizinischen Autoren des 20. Jahrhunderts (Joachim Broy) schreibt zu diesem Thema: "Energiemangel ist am Ende die Mutter aller Krankheiten". Menschen mit oxygenoider Konstitution haben die besondere Eigenschaft, dass der Organismus für jeden Lebensprozess übermäßig Energie verbraucht. Vereinfacht gesagt, sind die "Verbrennungsprozesse" zu heftig. Das führt dazu, dass diese Menschen zeitlebens das Problem haben, das Gleichgewicht zwischen Energiegewinnung und -verbrauch einigermaßen stabil zu halten. Solange diese Menschen im energetischen Gleichgewicht sind, haben sie viel Antrieb und sind sehr aktiv (was für alle Vitalprozesse gilt), können die Energiebilanz aber nur im Plus halten, wenn sie ihren Lebensrhythmus und auch die Ernährung (als "Quelle" der Energie) ihren konstitutionellen Gegebenheiten anpassen. Konkret heißt das: Es müssen ausreichende Schlaf- und Ruhephasen eingelegt werden. Gesunde oxygenoide Menschen spüren sehr genau, wann sie Ruhe zum "Wiederaufladen der Akkus" brauchen und verhalten sich entsprechend. Dann können sie mit ihrer oxygenoiden Konstitution gesund steinalt werden. Problematisch wird es aber, wenn der individuelle Lebensrhythmus aufgrund äußerer Bedingungen nicht gelebt werden kann und der betroffene Mensch in ein Energiedefizit gerät, aus dem er ohne therapeutische Hilfe kaum wieder heraus kommt. Bei Erwachsenen gibt es sehr viele Faktoren, die ins Energiedefizit führen, was Grundlage nahezu jeder beliebigen Krankheit sein kann.
Bei oxygenoiden Kindern sind es im Wesentlichen fünf Faktoren, die ins energetische Defizit führen: Zu wenig Schlaf- und Ruhephasen, zu wenig Liebe, Fürsorge und Unterstützung, Überforderung in der Schule, Fehlernährung und schwere Krankheitsverläufe. Die Krankheiten eines oxygenoiden Kindes zeigen die defizitäre Energiesituation am deutlichsten: Da jeder Abwehr-, Überwindungs- und Heilungsprozess viel Energie benötigt (die hier aber fehlt), können die Krankheiten nicht endgültig ausgeheilt werden. Folge: Es entwickeln sich langwierige, chronische Krankheitsverläufe, die auch immer wieder aufflackern können (rezidivierender Verlauf). Und auf diese Weise entwickelt sich ein sog. "Teufelskreis": Die ohnehin fehlenden Energiereserven verhindern die Ausheilung, aber die langwierigen, rezidivierenden Krankheitsprozesse reduzieren die Energiereserven des Gesamtorganismus immer weiter.
Das Energiedefizit der oxygenoiden Konstitution kann sich aber auch ganz offensichtlich durch körperliche, seelische oder geistige Schwäche, Müdigkeit, sowie Konzentrations- und Merkstörungen (Neurasthenie) zeigen. Die Besonderheit dabei: Diese Probleme lassen sich durch "Stärkungsmittel" nicht beheben, denn jede "Stärkung" (Tonisierung) fördert den Energieverbrauch, aber die notwendigen Reserven fehlen den betroffenen Kindern bekanntlich. Also wird eine tonisierende Therapie die Energiebilanz sogar weiter verschlechtern. Aber auch eine weitere Situation ist bei oxygenoiden Kindern nicht selten: Das Phänomen wird in der Naturheilkunde als "reizbare Schwäche" bezeichnet, die sich v. a. auf die Gehirnfunktionen auswirkt. Unruhezustände, Fahrigkeit, Genervtheit, Überaktivität (bis hin zum ADHS), Schlafstörungen, aggressives Verhalten und motorische Ungeschicklichkeit sind nur einige Beispiele für Symptome, die sich auf dieser Basis entwickeln können.
Dieser Krankheitsmechanismus ist Folge einer gesteigerten Bildung von hitzigen Schärfen, die das Nervensystem in Überaktivität (Hyperkinese) versetzen – was wiederum die Energiereserven schmälert. Therapeutisch sind das schwierige Situationen, die nur erfolgreich behandelt werden können, wenn man die oxygenoide Pathophysiologie erkannt hat – und dabei spielt die Irisdiagnose eine Schlüsselrolle, denn mit anderen Diagnosemethoden ist eine oxygenoide Konstitution kaum zu erkennen, wenn sie nicht die charakteristische Symptomatik zeigt.
Wichtige Arzneimittel zur sanften Dämpfung des Energieverbrauchs sind Jod-Salze in potenzierter Zubereitung:
- Kalium jodatum D6: Wenn die oxygenoide Symptomatik im Nervensystem (alle Bereiche) besteht
- Calcium jodatum D6: Wenn die oxygenoide Symptomatik in Erschöpfung des Abwehrsystems (Lymphsystem) besteht. Hauptmittel bei skrofulösen Kindern mit oxygenoider Konstitution
- Arsenum jodatum D6: Wenn bereits ausgeprägte Schwäche- bzw. Erschöpfungszustände bestehen. Auch bei Allergikern mit oxygenoider Konstitution
Der in diesem Auge sichtbare Ring von Tophi (Flocken) vor dem abgedunkelten Irisrand (Ziliarrand) ist das Erkennungsmerkmal der katarrhalisch-rheumatischen Konstitution, deren pathophysiologische Kernthemen bei Iris 1 bereits beschrieben wurden. Bei diesem Jungen ist diese Konstitution die Basis der Ekzeme, die als Ersatzausscheidungen zu interpretieren sind. Hinzu kommen die Gefäßzeichnungen der allergischen Diathese. Damit wird erkennbar, dass die Ersatzausscheidungen der Haut bei diesem Jungen durch allergische Reaktionen modifiziert bzw. "getriggert" werden. In der Sprache der konventionellen Medizin wird dieser Zustand als "Neurodermitis" bzw. "endogenes Ekzem" bezeichnet.
Das braune Pigment, das man besonders deutlich im Zentrum der Iris sieht, zeigt, das warme und trockene (cholerische) Säfte die Reaktionsmuster des Menschen prägen. Dies lässt die chologene Konstitution, die bei diesem Jungen mit der oxygenoiden Konstitution kombiniert ist. Die Wärme der Gelbgalle ist hier also durch die überschießende Verbrennung der oxygenoiden Konstitution ins krankhafte hinein gesteigert. Anders ausgedrückt handelt es sich um übermäßige gelbgallige Schärfen, die, erkennbar an der katarrhalisch-rheumatischen Konstitution, mit kaltem, stagnierendem Phlegma kombiniert ist, was definitionsgemäß einer erethischen Skrofulose entspricht – aufgrund der irisdiagnostischen Merkmale aber sehr viel differenzierter erklärbar.
Eines der pathophysiologischen Mechanismen der Skrofulose ist das Übermaß und die zu kalte Qualität des Phlegmas. In dem Zusammenhang stellt sich bei jedem betroffenen Menschen die Frage, warum das in diesem Fall so ist. Im Fall dieses Jungen bestehen nämlich Widersprüche: Auf der einen Seite erkennt man mit der chologenen und der oxygenoide Konstitution ein Übermaß an Wärme, auf der anderen Seite sieht man mit den Tophi der katarrhalisch-rheumatischen Konstitution ein Übermaß an kalter, stagnierender Feuchtigkeit als qualitative Grundlage des Phlegmas. Dieser Widerspruch ist charakteristisch für skrofulöse Zustände. Man kann sogar noch einen Schritt weiter gehen und sagen: Wenn man in der Symptomatik und/oder der konstitutionellen Situation eines Menschen solche Widersprüche erkennt, dann ist das ein starkes Indiz für das Vorhandensein einer Skrofulose.
Bei dem energetische Prinzip der Wärme muss man unterscheiden zwischen der physiologischen Wärme und potenziell krankmachender (pathogener) Hitze, die in der humoralmedizinischen Terminologie als cholerische (gelbgallige) Schärfen bezeichnet wird. So kommt es bei kranken Menschen sehr oft zu der Situation, dass zu wenig physiologische Wärme zur Verfügung steht, aber im Übermaß gelbgallige Schärfen, die dann die Symptomatik prägen (siehe oben).
In dem Zusammenhang gilt ein Lehrsatz der Humoralmedizin: Mangelnde physiologische Wärme kann nicht durch cholerische Schärfen kompensiert werden.
In der Iris dieses Jungen zeigt sich mit den gröberen Fasern in der Krausenzone (im Vergleich mit der Ziliarzone) ein Erkennungsmerkmal der gastrischen Konstitution, die in diesem Fall in Kombination mit der chologenen Konstitution besondere Bedeutung bekommt. Die Pathophysiologie der gastrischen Konstitution ist, sehr salopp gesagt, davon geprägt, dass sich gelbgallige Schärfen im Verdauungssystem "austoben" und hier überaktive (hyperkinetische) Assimilationsprozesse in Gang setzen und halten. Dabei gilt ein Grundprinzip: Beides, sowohl übersteigerte als auch zu wenig aktive Arbeitsprozesse, schränken die Effizienz der Funktionalität eines Organs ein. Für das Verdauungssystem heißt das: Die Umwandlung der Nahrung im Prozess der erste Coctio läuft "überstürzt" ab, die "Ausreifung" des Nahrungssaftes (Chymus) erreicht nicht die Qualität, die für die Resorption durch die Schleimhaut optimal wäre.
Jetzt kommt aber bei diesem Jungen die gut erkennbare Schnurkrause hinzu, die erkennt lässt, dass die Darmschleimhaut hyperpermeabel ist. Das führt zu der bei Iris 2 bereits beschriebenen Problematik für die Trias Schleimhaut / Lymphsystem / Mikrobiom) Die in der Iris durch die vielen kleinen Lakunen im Bereich der Krause erkennbare endokrin-vegetative Konstitution weist auf konstitutionelle Labilität der vegetativen Regulationssysteme hin. Das kann sowohl das vegetative Nervensystem betreffen, als auch die hormonelle Regulation. Dieser konstitutionelle Aspekt spiegelt sich in der aktuellen Symptomatik des Mädchens zwar nicht direkt wider. Dennoch findet sich in der folgenden Rezeptur der Mönchspfeffer (Agnus castus), der einerseits die Wechselbeziehungen aller Hormondrüsen mit der hormonellen "Regulationszentrale" (Hypophysär-hypothalamischer Regelkreis, HHR) stabilisiert, andererseits aber auch ein gutes Lymphmittel ist und hier als "Skrofulosemittel" eingesetzt wird. Zwei Fliegen mit einer Klappe...
Konstitutionstherapeutische Ziele bei dem Kind mit Iris 3:
- Stabilisierung der Energiebilanz
- Optimierung der Nahrungsassimilation
- Stabilisierung der Lymphfunktionen
- Anti-allergische Umstimmungsmaßnahmen
- Aufbau / Stabilisierung der Symbiontenfloren
Vorschlag eines entsprechenden Therapiekonzeptes:
- Calcium jodatum D6 dil. Oxygenoide Konstitution mit lymphatischen Manifestationen
- Asa foetida D6aa 20 ml Cholerische Reaktionen der Hohlorgane und Psyche
- Scrophularia ø Konstitutionelle Stabilisierung des Lymphsystems
- Millefolium øaa 30 ml Wärme- und Tonus-harmonisierend
- M. f. dil. DS: 3 x tgl. 6 Tr. vor dem Essen, verdünnt
- Symbioflor 1 Tr. DS: 3 x tgl. 5 Tr. nach dem Essen über 6 Wochen, danach: Symbiolact comp., tgl. 1 Beutel in Wasser über 8 Wochen
- Eigenblut-Nosode C6, Morgens 5 Tr.
Iris 4:

Das rechte Auge eines 5-jährigen Mädchens, das wegen der typischen Symptomatik der lymphatischen Hyperplasie (Vergrößerung der Gaumen- und Rachenmandel, Infektanfälligkeit (in diesem Fall: Chronischer Schnupfen mit wiederkehrenden Mittelohrentzündungen), Schwerhörigkeit, Schnarchen) in Behandlung kam. Darüber hinaus berichtete die Mutter über gelegentliche heftige Wutanfälle, aus denen sie nur schwer wieder beruhigt.
Hier erkennbare konstitutionelle Merkmale:
- Chologen (biliär)(Zentrale Braunfärbung der Iris)
- Hydrogenoid(Nebel in der mittleren Ziliarzone)
- Tendenziell gastrisch (grobe Faserstruktur in der Krausenzone mit dezenten Aufhellungen)
Das ist eine Form der chologenen Konstitution, die mit übersteigerter Dynamik (Hyperkinese) im Verdauungssystem abläuft. In diesem Fall ist es v. a. ein Hinweis, die Verdauungsfunktionen nicht noch weiter "anzuheizen". Konkret heißt das: Es dürfen (wenn überhaupt) nur sehr sanfte Bitterpflanzen eingesetzt werden. Ein weiteres wichtiges Merkmal ist der abgedunkelte Irisrand (Ziliarrand), der aber, wegen der noch in der Ausreifung befindlichen Iris, bei einem 5-jährigen Kind noch nicht so wichtige Bedeutung hat, wie der gleiche dunkle Ziliarrand bei einem Erwachsenen. Trotzdem ist es ein Hinweis für reduzierte Ausscheidung von Schärfen, hier mit gelbgalliger (hitziger und trockener) Qualität, die an der zentralen Braunfärbung der Iris erkennbar sind. Das ist ein wichtiges irisdiagnostisches Erkennungsmerkmal für die sogenannte chologene Konstitution, die sich aus dem cholerischen Temperament entwickelt und (im Gegensatz zum Temperament) auch krankhafte Entwicklungen beschreibt und erklärt. Charakteristisches Merkmal: Vor Allem übersteigerte Wärme prägt die Reaktionsmuster cholerischer Menschen. Die oben beschriebenen Wutanfälle sind typisches Zeichen für das cholerische Temperament. Dessen individuelle konstitutionelle Ausprägung wird sich erst in einigen Jahren vollständig entwickeln, aber die hitzigen Qualitäten sind im Verhalten dieser jungen Dame bereits jetzt erkennbar.
Um die Braunfärbung herum sieht man in dieser Iris eine kreisförmige Zone mit flächigem "Nebel", der stellenweise flockig verdichtet ist. Dazu gibt es in der Irisdiagnostik eine allgemeingültige Regel: Alle nebligen, wolkenartigen oder flockigen Zeichen zeigen eine Vermehrung von Feuchtigkeit bei diesem Menschen, die zusätzlich nicht optimal bewegt wird. Die kreisförmige neblige Zone ist ein Erkennungsmerkmal für die hydrogenoide Konstitution. Vereinfacht dargestellt, befindet sich bei dieser Konstitution zu viel kalte Feuchtigkeit in den Fließ-Systemen des Organismus (Lymph- und Venensystem). Wegen Fehlen der notwendigen physiologischen Wärme kann diese Feuchtigkeit nicht ausreichend bewegt werden. Es fehlt das "Spannungsgefälle", dass die Feuchtigkeit im Zwischenzellgewebe (Interstitium) in die Transportsysteme Lymph- und Venensystem "hinein saugt" und so abtransportiert. Der naturheilkundliche Sammelbegriff für alle Funktionen, die die ausscheidungspflichtigen Säfte mit den darin enthaltenen Stoffwechselendprodukten aus dem Zwischenzellgewebe abtransportieren ist "Klärstrom". Bei Kindern läuft der Klärstrom vorwiegend über das Lymphsystem. Bei der in diesem Auge sichtbaren hydrogenoiden Konstitution, ist der Klärstrom stark eingeschränkt. Folge ist ein "Rückstau" der Feuchtigkeit in die Körpergewebe, was sich grundsätzlich in jedem Organ abspielen kann, aber bei Kindern vor Allem die Schleimhäute, die Lymphgewebe der Mandeln (Gaumen- und Rachenmandel) und die Lymphknoten betrifft. Damit sehen wir im Auge dieses Mädchens durch die irisdiagnostischen Zeichen der hydrogenoiden Konstitution die Krankheits-Mechanismen, die für die Vergrößerung der Mandeln, die Schwellung der Schleimhäute in Nase, Ohrtube und Mittelohr und deren Abwehrschwäche verantwortlich sind. Typisch für Menschen mit hydrogenoider Konstitution ist große Empfindlichkeit und Krankheitsanfälligkeit bei kaltem und feuchtem Wetter, besonders bei Wechsel von warmen Temperaturen zu feucht-kalter Witterung.
Auf Basis dieser Informationen kann der Therapeut die Heilmittel einsetzen, die gezielt die hydrogenoide Pathophysiologie verbessern. Dazu gehören z. B. Thuja D6, Apis D6, Natrium sulfuricum D6, Ammonium carbonicum D6. Einige dieser Mittel finden sich in der weiter unten stehenden Beispiel-Rezeptur.
Verknüpfen wir jetzt die Informationen "vermehrte gelbgallige Schärfen" und "übermäßige, kalte und stagnierende Feuchtigkeit", besteht bei diesem Mädchen genau die humorale Situation, die man als Skrofulose bezeichnet – in ihrer ganz individuellen Form. Dabei können die gelbgalligen Schärfen akute Entzündungen und auch Fieberzustände erzeugen, die aufgrund der Dominanz des kalten & feuchten Phlegmas nicht zu erwarten wären.
Konstitutionstherapeutische Ziele bei dem Kind mit Iris 4:
- Sanfte Stabilisierung der physiologischen Wärme
- Antihydrogenoide Anregung des Klärstroms
- Unterstützung der Ausscheidung gelbgalliger Schärfen
Vorschlag eines entsprechenden Therapiekonzeptes:
- Thuja D6 dil. Alle Hyperplasien, hydrogenoides Konstitutionsmittel
- Agraphis nutans D4 Lymphatische Hyperplasie
- Natr. sulf. D6 Stimulation des Klärstroms
- Scrophularia ø Konstitutionelle Stabilisierung des Lymphsystems
- Abrotanum D2aa 20 ml Stimulation der physiolog. Wärme / Lymphmittel Darm
- M. f. dil. DS: 3 x tgl. 5 Tr. vor dem Essen, verdünnt
- Symbioflor 1 Tr. DS: 3 x tgl. 5 Tr. nach dem Essen (wie bei Fall 3)
- Eigenblut-Behandlung
Iris 5:

Wir sehen hier die rechte Iris eines 6-jährigen Jungen, der wegen häufig auftretenden fieberhaften Infekten und juckenden Hautausschlägen in Behandlung kam.
Hier erkennbare konstitutionelle Merkmale:
- Oxygenoid (schmale Krausenzone)
- Katarrhalisch-rheumatisch (wolkiger Ring (Tophi) vor dem Irisrand) auf lymphatischer Basis
- Azide Diathese
Neben den konstitutionellen Merkmalen sieht man in diesem Auge einen nebeligen Ring direkt außerhalb der Krause, der sich, mit Ausnahme des Bereichs zwischen etwa 2:30 und 4:00, um die gesamte Krause zieht. Dieses Zeichen ist nicht spezifisch für eine bestimmte Konstitution, zeigt aber, dass bei diesem Menschen sehr viel unvollständig assimilierte Nahrungssäfte aus dem Darm in das Lymph- und Venensystem des Darms resorbiert werden, was auf Dauer das lymphatische Abwehrsystem des Darm überlastet und "irritiert", wie es bereits bei Fall 2 beschrieben wurde. Das ist hier ein wichtiger Krankheitsmechanismus der skrofulösen Situation dieses Kindes.
Die sehr enge Krausenzone, die deutlich weniger als ¼ der Gesamtbreite der Iris einnimmt, ist das Erkennungsmerkmal der oxygenoiden Konstitution und sollte als eines der wichtigsten irisdiagnostischen Zeichen überhaupt gewertet werden. Um die Bedeutung zu verstehen, muss man sich bewusst machen, dass ausnahmslos jeder aktive Prozess, der irgendwo in einem lebendigen Organismus abläuft, Energie verbraucht. Das gilt auch für alle Immunprozesse, deren Schwäche bzw. Ineffizienz ein zentrales Thema der Skrofulose in der Kinderheilkunde ist. Die notwendige Energie stammt im Wesentlichen aus der Nahrung, die im Verdauungsprozess (Coctio) für den Organismus verfügbar gemacht werden muss – auch wieder ein Energie-verbrauchender Prozess. Die so entstandenen Nährsäfte (Speicherform der Energie) werden unter Sauerstoffverbrauch (aus der Atmung) in aktive Energie umgewandelt. Daher kommt auch der Name der oxygenoiden Konstitution (von Oxygen [auch Oxigen] = Sauerstoff). Oxygenoid bedeutet daher "sauerstoffähnlich". So wie ein Lagerfeuer hell und heiß auflodert, wenn man Luft hinein bläst, verstärkt der Sauerstoff in unserem Organismus auch die Aktivität der Lebensprozesse. Deshalb spricht man auch von "Verbrennungsprozessen". Je höher aber der Energieverbrauch ist, umso schneller sind die Energiereserven erschöpft. Und genau hier liegt das spezifische Problem von Menschen mit oxygenoider Konstitution: Bei ihnen verbrauchen alle Vitalprozesse mehr Energie, als eigentlich notwendig wäre. So lang sie die dafür notwendigen Energiereserven zur Verfügung haben, ist das kein Problem. Diese Menschen sind sogar sehr vital und aktiv, was in ganz unterschiedlichen Bereichen erkennbar werden kann. Sie brauchen aber immer wieder Erholungsphasen, viel Schlaf, gute, leicht assimilierbare Nahrung. Kurz: Sie müssen ein für sie individuelles Gleichgewicht zwischen Aktivitäts- und Ruhephasen finden, d. h. auch, sie müssen lernen wahrzunehmen, wann sie Pausen brauchen – und Diese dann auch nehmen.... Aber es gibt im Leben eines jeden Menschen Situationen, in denen das "Energie-Management" durch nicht direkt beeinflussbare Faktoren aus dem Gleichgewicht gerät. In solchen Situationen kommt ein Mensch mit oxygenoider Konstitution recht schnell in einen Energiemangelzustand, durch den alle Lebensprozesse eingeschränkt werden können. Folge sind schwere Krankheiten, die mit üblicher, auf die Symptomatik ausgerichteten Behandlung nicht erfolgreich therapierbar sind. Erstrangige Voraussetzung für den Therapieerfolg ist, die Energiebilanz des Betroffenen wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die Informationen, dies zu erkennen, bekommt der Therapeut ausschließlich durch die enge Krausenzone in der Iris.
Weitere Informationen, v. a. bzgl. der Pathophysiologie und der Vielfalt der Krankheitszustände, die auf der Basis einer oxygenoiden Konstitution entstehen, sind der entsprechenden Fachliteratur zu entnehmen. Deshalb hier nur die in der Kinderheilkunde wichtigen Informationen: In Phasen mit ausgeglichener Energiebilanz begünstigt die oxygenoide Konstitution heftige bis überschießende Dynamik v. a. des Immun- und des Nervensystems. Die bei diesem Jungen auftretenden häufigen fieberhaften Infekte und die allergischen Reaktionen der Haut sind typische oxygenoide Krankheiterscheinungen, weil sie überschießende (hyperkinetische) Verlaufsformen haben. Bei Kindern kommt es nur selten zum Abgleiten in die energetisch defizitäre Phase der oxygenoiden Konstitution. Mögliche Auslöser dafür wären schwere, mit dem vorhandenen Energiepotenzial nicht überwindbare Krankheiten, oder psychische sowie körperliche Traumata, was aber bei dem hier beschriebenen Jungen nicht der Fall war.
Dennoch bewährt es sich immer, die Aspekte der oxygenoiden Konstitution in jedem Fall in die Therapie einzubeziehen, wenn die entsprechenden Merkmale irisdiagnostisch vorhanden sind – sowohl bei Kindern, als auch Erwachsenen. Schließlich ist es auch aus dem prophylaktischen Blickwinkel sinnvoll, die Energiebilanz eines Menschen zu stabilisieren, damit Abwehr-, Überwindungs- und Heilungsprozesse mit optimaler Effizienz ablaufen können. Konkret heisst das: Die Lebensweise und die Ernährung sollte den konstitutionellen Gegebenheiten angepasst werden. Zusätzlich sollten Jod-Salze in potenzierter Zubereitungsform gegeben werden. In der Kinderheilkunde stehen dabei Kalium jodatum oder Calcium jodatum im Zentrum, wobei jeweils die D6 eine bewährte Potenzstufe ist.
Ein weiterer Aspekt der oxygenoiden Konstitution, der in dem hier beschriebenen Fall eine Rolle spielt, ist die gesteigerte Produktion von Schärfen aufgrund der übersteigerten Dynamik der Gewebe- und Organfunktionen. Näheres dazu wurde bereits im Fall mit Iris 1 beschrieben. Diese Schärfen sieht man in dem Augenbild in dem leuchtenden Weiß um die Krause herum und in den Flocken am Irisrand (besonders deutlich bei 10:00). Dieses leuchtende Weiß wird irisdiagnostisch auch als Erkennungsmerkmal der sogenannten "aziden Diathese" (auch "harnsaure Diathese") interpretiert, die eine Übersäuerung des Zwischenzellgewebes des betroffenen Menschen erkennen lässt. Säuren sind aber auch nur eine Form von Schärfen, in diesem Fall mit heißem & trockenem, gelbgalligem Charakter. Daher wird hier ganz bewusst der Begriff Schärfen verwendet, weil sich daraus deutlich gezieltere Behandlungsmaßnahmen ableiten lassen, als aus der "Übersäuerung".
Die hier erkennbaren cholerischen Schärfen heizen das oxygenoide Prinzip weiter an und verstärken die hyperkinetischen Reizzustände des Immunsystems zusätzlich und führen bei Kindern nicht selten auch zu nervlicher Überreizung, die sich etwa mit der Symptomatik eines ADHS zeigen kann, was in dem hier beschriebenen Fall aber nicht zutrifft.
Man erkennt hier aber das in der Konstitutionsmedizin sehr häufig zu beobachtende Wirkungsprinzip der wechselseitigen Beeinflussung: Die oxygenoide Konstitution verstärkt die Schärfenbildung, und die Schärfen verstärken das oxygenoide Prinzip. Ursache und Wirkung sind jetzt nicht mehr klar zu definieren...
Der nebelartige Ring direkt außerhalb der Krause und der Tophi-Ring vor dem Irisrand zeigen beides übermäßige und zu kalte Feuchtigkeit. Die ist das Ergebnis einer qualitativ eingeschränkten Verdauungstätigkeit (zu kalte Coctio), was durch die Abdunkelung der Krausenzone (v. a. zwischen 6:00 und 12:00) deutlich erkennbar ist. In Kombination mit den oben beschriebenen Schärfen erkennt man so die definierenden Merkmale der Skrofulose: Vermehrtes, mit Schärfen verunreinigtes Phlegma. Der Tophi-Ring vor dem Irisrand ist Erkennungsmerkmal der katarrhalisch-rheumatischen Konstitution. Ein Katarrh ist in der humoralmedizinischen Krankheitslehre eine meist entzündliche Reaktion einer Schleimhautfläche, die dem Zwecke dient, übermäßige Feuchtigkeit und die darin enthaltenen Schärfen ersatzweise auszuscheiden. Hintergrund dieses Prozesses ist quantitativ zu viel und qualitativ zu kalte Feuchtigkeit, die vom Organismus nicht als Energiequelle genutzt und verbraucht werden kann. Da für überschüssiges Phlegma kein natürliches Ausscheidungsorgan besteht, übernehmen die "Oberflächenorgane" Haut und Schleimhaut ersatzweise diese Aufgabe. Dies geschieht aber nicht unbemerkt, sondern mit der Symptomatik eines Hautausschlages (Ekzem) oder als Katarrh in einem oder mehreren Schleimhautarealen, wobei die Lokalisation auch variabel veränderlich ist. Ein solcher Wechsel des Krankheitsprozesses von einer Schleimhautfläche auf eine andere (also z. B. von der Nasenschleimhaut auf die Bronchial- oder Blasenschleimhaut), oder auch von einer Schleimhaut auf die Haut, oder umgekehrt, wird in der Naturheilkunde als Vikariation bezeichnet und ist besonders bei Kindern ausgesprochen häufig vor.
In diesen Vorgängen sind zwei Aspekte erkennbar, die sehr zentral für das naturheilkundliche Denken sind: 1. Eine Entzündung auf Haut oder Schleimhaut ist niemals nur ein lokales Geschehen, sondern betrifft immer den Gesamtorganismus – sowohl bei der Entstehung, als auch durch die Folgen. 2. Eine Krankheit ist weder an einen bestimmten Ort, noch auf einen beschränkten Zeitraum beschränkt.
Aus diesen Zusammenhängen erschließt eine weiteres Erkenntnis, die für die Therapie sehr wichtig sein kann: Der Organismus nimmt die - relativ harmlosen – entzündlichen Zustände auf Haut oder Oberflächen "in Kauf", um "Schlimmeres" zu verhindern, nämlich das Vordringen der Krankheit auf die inneren Organe. Ein Vorgang wäre u. a. die Vikariation auf die Gelenke (präzise: Gelenkkapseln, als eine Art "innere Schleimhäuten"), was im Begriff "rheumatisch" der katarrhalisch-rheumatischen Konstitution zum Ausdruck kommt. Das aber ist ein Thema, das in der Kinderheilkunde zum Glück nicht so häufig ist und deshalb wird hier nicht vertieft.
Die Merkmale der katarrhalisch-rheumatischen Konstitution in Iris 5 können aber als langfristige Information für danach gelten, dass rheumatische Probleme im späteren Erwachsenenalter bei diesem Jungen konstitutionell "vorprogrammiert" sind und frühzeitig entsprechende prophylaktische Maßnahmen sinnvoll sind. In der aktuell beschriebenen Situation zeigt die katarrhalisch-rheumatische Konstitution die Neigung zu akuten katarrhalischen Zuständen und auch die Ekzeme am Bein sind typisch dafür, wobei der Juckreiz typisches Symptom der Schärfenbelastung ist.
Die Erkenntnisse der oben beschriebenen Mechanismen der Ersatzausscheidung sind wichtig für die grundsätzliche Ausrichtung der Therapie, denn jede lokale Unterdrückung des Ausscheidungsprozesses kann logischerweise erhebliche und v. a. unvorhersehbare Probleme für den Gesamtorganismus nach sich ziehen – auch noch Jahre nach der Behandlung. Im einfachsten Fall verlagert sich die kompensatorische Ausscheidung auf einen anderen Haut- oder Schleimhautbereich, im ungünstigsten Fall sind langfristig schwere Organerkrankungen jeder Art möglich, wobei dann die Zusammenhänge nur schwer zu erkennen sind. Schnell wirkende, symptomunterdrückende Maßnahmen haben daher nicht nur zur Folge, dass die Entzündungsprozess wiederholt aufflackert, sobald die Behandlung beendet wird, sondern in ganz anderer Form und an anderem Ort aktiviert wird. Und da gilt nicht nur für die Behandlung mit Corticoid- oder Pimecrolimus-Salben (z. B. Elidel®), sondern auch für die Anwendung gerbstoffhaltiger Pflanzen oder Schwefel in nicht-potenzierter Form. Die naturheilkundliche Behandlungsstrategie besteht also nicht darin, die Symptome zu vertreiben, sondern darin, die Ersatzausscheidung "überflüssig" zu machen. Und das geht nur mittels Konstitutionstherapie.
Konstitutionstherapeutische Ziele bei dem Kind mit Iris 5:
- Stabilisierung der Energiebilanz
- Sanfte Optimierung der Coctio durch Magentonisierung (Achtung: Dies muss sehr dezent erfolgen, weil die Aktivierung der Coctio evtl. Energie benötigen könnte, die aufgrund der oxygenoiden Konstitution nicht zur Verfügung steht)
- Stabilisierung des Lymphsystems
Vorschlag eines entsprechenden Therapiekonzeptes:
- Wie oben bereits angesprochen, ist die Anpassung des Lebensrhythmus bei oxygenoiden Menschen an ihre konstitutionelle Situation extrem wichtig. Das Verhältnis von Aktivitäts- zu Ruhephasen sollte so ausgewogen sein, dass sie in keinen energetischen Defizit kommen. Als Faustregel kann gelten, dass acht Stunden Schlaf pro Nacht erforderlich sind. Tagsüber müssen gerade sehr aktive Kinder lernen, zu spüren, wann sie Erholungspausen brauchen – und diese auch nehmen.... Dabei gelten aber Computer-oder Handyspiele nicht als Erholung, denn sie verbrauchen viel Energie. Dabei müssen die Eltern ein bisschen helfen...
- Bezüglich der Ernährung gilt alles, was im Ernährungskapitel beschrieben ist.
- Tropfenmischung: Calc. jodat. D6 dil., Phytolacca D6, Scrophularia ø, Abrotanum øaa 20 ml, M. f. dil. DS: 3 x tgl. 6 Tr. vor dem Essen, verdünnt oder im Tee
- Stabilisierung der Symbiontenflora der Schleimhautfloren (wie bei Fall 2)
- Eigenblut-Behandlung
- Teemischung: Violae tricol. Hb., Galii veri Hb.aa ad 100.0, M. f. spec. DS: 2 Tassen tgl. als Aufguss
- Zusätzliche Empfehlung zur Hautpflege: VioLina Hautlotion (Amidor Naturkosmetik)
Iris 6:

Das ist die rechte Iris eines 7-jährigen Mädchens, das wegen häufig auftretenden Bauch- und Kopfschmerzen in die Behandlung kam. Ein Zusammenhang zwischen Nahrung und Bauchschmerzen war nur bei Konsum von ungewöhnlich großen Mengen von Milchprodukten zu erkennen. Die Kopfschmerzen wurden v. a. durch lang anhaltende Konzentration in den letzten Schulstunden ausgelöst und durch Aufregung, Ärger und Kummer verstärkt und verbessern sich durch Ruhe und Schlaf. Gelegentlich trat auch Übelkeit auf. Die Bauchschmerzen traten um den Nabel herum auf. Beim Abtasten (Palpation) des Bauches fiel eine gesteigerte Druckempfindlichkeit auf und es waren deutlich verhärtete Darmschlingen tastbar. Beim Abklopfen (Perkussion) zeigte sich keine ungewöhnliche Gasansammlung im Darm. Manchmal hörten die Bauchschmerzen nach durchfallartiger Entleerung auf. Infekte traten 3-4 Mal im Jahr auf, meist zu Beginn mit Fieber bis 39,5°C, die sich häufig zu spastischer Bronchitis entwickelten.
Hier erkennbare konstitutionelle Merkmale:
- oxygenoid schmale Krausenzone
- lymphatisch-hyperplastisch angedeutete Tophis vor dem Irisrand
- spasmophile Diathese helle kreisförmige Furchen auf sanguinogener (hämatogener) Basis braune Grundfarbe
Der Fall dieses Mädchens zeigt deutliche Parallelen zu dem Fall von Iris 2, unterscheidet sich aber bzgl. der konstitutionellen Grundlage, was ganz andere Therapieansätze verlangt. Auch hier ist die Symptomatik von der spasmophilen Diathese geprägt: Krampfzustände im Darm, Kopfschmerzen, die auf Tonuserhöhung der arteriellen Blutgefäße im Kopf (Kongestion), und/oder Verkrampfung der Hals- und Schulter-Nacken-Muskulatur basieren, auch die Bronchioli reagieren bei Entzündung spastisch. Der Auslöser von Hyperkinese – bis hin zum Spasmus – ist gemäß der humoralmedizinischen Krankheitslehre ein krankhaft übersteigertes Wärmeprinzip im Organismus. In diesem Fall zeigt bereits die braune Augenfarbe die Dominanz des Wärmeprinzips. Es besteht hier aber nicht nur eine dyskratische Vermehrung der Gelbgalle, sondern die dichtere braune Pigmentierung in und um die Krausenzone zeigt eine zusätzliche Verunreinigung mit cholerischen Schärfen (was in der Humoralmedizin als "Kakochymie" bezeichnet wird). Die so erkennbare grundsätzliche Dominanz des Wärmeprinzips wird durch die oxygenoide Konstitution weiter verstärkt. Erkennbar ist das an der Einengung der Krausenzone zwischen 5:00 und 7:00, sowie 11:00 bis 13:00. Damit besteht die grundsätzliche Tendenz zu übersteigertem Energieverbrauch mit permanenter Labilität der Energiebilanz (weitere Erklärungen siehe Iris 5). Rein irisdiagnostisch wären die partiellen Verschmälerungen der Krausenzone nicht besonders relevant, aber die Kombination mit der sanguinogenen (hämatogenen) Konstitution und der spasmophilen Diathese zeigt einen ohnehin gesteigerten Bedarf an physiologischer Wärme. Daher können die Folgen eines oxygenoid bedingten Energiedefizits gravierend sein und die therapeutische Stabilisierung des Energiehaushaltes sollte entsprechenden Stellenwert haben, zumal jede spasmophile Hyperkinese eines Organs (hier besonders der glatten Muskulatur des Darms und der Arterien) einen erhöhten Energieverbrauch verursacht. Auch in diesem Fall werden die Krankheitsmechanismen des Gesamtorganismus (Pathophysiologie) erst durch die Verknüpfung der verschiedenen irisdiagnostischen Informationen umfassend erklärbar. Jedes einzelne Element für sich gibt das nicht her...
Die lymphatisch-hyperplastische Konstitution, die in diesem Augenbild durch die unauffälligen Tophi vor dem Irisrand erkennbar wird, spielt bei der Symptomatik dieses Mädchens eine etwas untypische Rolle. Da die Tophi Stockungen im Lymphfluss zeigen, die zu Schwellungen von Schleimhäuten und Lymphknoten führen können, besteht ein Zusammenhang zu den Bauchschmerzen und die Lymphstauungen prägen darüber hinaus den Krankheitsverlauf der Bronchialkatarrhe. Bauchschmerzen bei Kindern haben ihren Hintergrund häufig in Schwellungen der Lymphknoten im Bauchraum (Mesenteriallymphknoten). Genau wie bei Vergrößerung der Lymphknoten im Kieferwinkel, ist dies als Zeichen einer gesteigerten, oder sogar überforderten Aktivität des Lymphsystems zu interpretieren. Die Lymphknoten im Bauchraum sind allerdings nicht zu tasten, der Rückschluss auf die Lymphknoten-Schwellung muss daher aus der Symptomatik in Kombination mit der Irisdiagnostik erfolgen. Die Besonderheit in diesem Fall: Menschen mit spasmophiler Diathese reagieren auf kleine Reize jeder Art mit Krämpfen. Wenn vergrößerte Lymphknoten einen solchen Reiz darstellen, reagiert dieses spasmophile Mädchen eben mit Bauchkrämpfen, bzw. diese werden dadurch verstärkt. Da das Lymphsystem im Kindesalter immer eine tragende Rolle spielt, sollte es bei der Konstitutionstherapie stets unterstützt werden. Damit ein solches Behandlungskonzept vollständig wird, ist auch auf gute Ernährung, körperliche Bewegung und kritischen Umgang mit sämtlichen Impfungen zu achten. Das ist mindestens so wichtig, wie die Arzneitherapie.
Konstitutionstherapeutische Ziele bei dem Kind mit Iris 6:
- Stabilisierung der Energiebilanz
- Sanfte "Kühlung" des gelbgalligen Prinzips. Bei Kindern ist hierbei die Reduzierung der Schärfen-Produktion wichtiger, als die direkte Ausleitung der Schärfen über das Leber-Galle-System
- Langfristige Reduzierung der Krampfneigung (Spasmophilie)
- Stabilisierung des Lymphsystems
Vorschlag eines entsprechenden Therapiekonzeptes:
- Für die Ernährung gelten die bekannten Hinweise zur Phlegmareduzierung. Hier sollte aber zusätzlich darauf geachtet werden, dass die Nahrung nicht die hitzigen Prinzipien zusätzlich steigert. Das gilt besonders für Zucker und natürlich auch für alle Süßigkeiten und zuckerhaltigen Getränke. Auch alles Frittierte und Gegrillte fördert die gelbgalligen Aspekte.
- Tropfenmischung: Kalium jodatum D6 dil., Magn. sulfur. D6, Scrophularia ø, Millefolium ø, M. f. dil.
- Teemischung: Berberidis Frct.aa ad 100.0, Anserinae Hb., Melissae Fol.aa ad 100.0, M. f. spec.
- Zusätzliche Stabilisierung der Symbionten der Schleimhaut-Floren
Iris 7:

Dies ist das Auge eines 4-jährigen Mädchens, das wegen Infektanfälligkeit der Atemwege in Behandlung kam. Auch die Blase war sehr empfindlich, es traten mehrere Blasenentzündungen auf, die besonders durch Schwimmbadbesuch ausgelöst bzw. verschlechtert wurden. Gelegentlich nässte sie nachts noch ein. Insgesamt reagierte das Mädchen sehr empfindlich auf Kälte. Es war leicht übergewichtig, wobei besonders das runde, volle Gesicht und der "Froschbauch" auffielen. Häufig gingen "Darmwinde" ab und der Stuhl war in vielen Fällen weich und breiig. Die Gaumenmandeln waren deutlich vergrößert, das Kind atmete vorwiegend durch den Mund. Die Mutter erzählte, dass die Tochter im Schlaf schnarcht. Sie schilderte ihre Tochter auch als etwas bewegungsfaul, aber sehr interessiert an Dingen, die ihr Spaß machen.
Hier erkennbare konstitutionelle Merkmale:
- plethorisch erweiterte Krausenzone
- endokrin-vegetativ Kranz von Lakunen im Krausenbereich
- katarrhalisch-rheumatisch deutliche Tophis vor dem Irisrand
Ergänzendes wichtiges Zeichen ist die Abdunkelung in der Krausenzone, direkt um die Pupille herum. Besonders deutlich sichtbar von ca. 6:00 bis 8:00.
Auffällig ist darüber hinaus die schmutzig-braune, ins Beige gehende Pigmentierung, schwerpunktmäßig zwischen 2:00 und 4:00 in der gesamten Irisbreite. Diese Pigmentfarbe ist als schwarzgallige (melancholische) Schärfenbelastung zu interpretieren, was bei Kindern in diesem Alter ziemlich ungewöhnlich ist und in der aktuellen Lebensphase keine große Bedeutung haben dürfte. Dieses Pigment eröffnet vielmehr einen Blick in die konstitutionelle Zukunft und sollte als Hinweis gewertet werden, dass dieser Mensch im Erwachsenenalter mit kalten und trockenen, also melancholischen Reaktionen rechnen muss. Diese können mit sehr unterschiedlichen Symptomen auftreten und sind leider schwer behandelbar. Für den aufmerksamen Therapeuten sollte dieses Pigment Anlass sein, prophylaktisch immer wieder kurweise die Milzfunktionen anzuregen und zu stabilisieren, denn die Milz ist für die Ausscheidung der melancholischen Säfte zuständig.
Aber zurück zur aktuellen Situation: Die wiederkehrenden Entzündungen verschiedener Schleimhäuten sind typische Manifestationen der katarrhalisch-rheumatischen Konstitution, deren Krankheitsmechanismen bereits in den Fällen mit Iris 1, 3 und 5 beschrieben wurden. Dabei sind in diesem Fall die Schleimhäute der Atemwege (Nase, Rachen, Kehlkopf, Luftröhre, Bronchien), die Darmschleimhaut und die Blasenschleimhaut beteiligt – entweder gleichzeitig, oder wechselweise. Dies zeigt, dass sämtliche Schleimhäuten unseres Körpers Teile eines gemeinsamen Systems sind, die funktionell miteinander verknüpft sind, vor Allem, was die Abwehr und die Fähigkeit zu Ersatzausscheidungen betrifft. Etwas vereinfacht ausgedrückt: Wenn eine Schleimhautfläche bei der Abwehr überfordert ist, kann ein weiteres Schleimhautareal mit einer katarrhalischen Entzündung den Abwehr- und Überwindungsprozess unterstützen. Die Tatsache, dass ein Infekt, der auf der Nasen- und Rachenschleimhaut beginnt (immer mit Beteiligung des lymphatischen Rachenrings), oft nach unten in Kehlkopf (Heiserkeit), Luftröhre und Bronchien (Husten) "absteigt", ist typisch für einen solchen Vikariationsprozess.
Bei diesem Mädchen ist aber auch die Blasenschleimhaut an dem "katarrhalischen Wechselspiel" beteiligt. Und die weiche, breiige Konsistenz des Stuhles lässt erkennen, dass die Darmschleimhaut katarrhalische Ersatzausscheidungen übernimmt, wobei übermäßige, qualitativ zu kalte Feuchtigkeit, die den skrofulösen Menschen prägt, ausgeschieden wird. Die übermäßige Gasbildung im Darm ist stets Zeichen eines gestörten Assimilationsprozesses der Nahrung (Coctio) aufgrund fehlender physiologischer Wärme, was zusätzlich durch die dezente Abdunkelung direkt um die Pupille erkennbar ist. Hier liegt die "humorale Wurzel" der Skrofulose, die sich bei diesem Mädchen v. a. als Manifestation der katarrhalisch-rheumatischen Konstitution zeigt.
Der zentrale pathophysiologische Mechanismus der plethorischen Konstitution, die in der deutlich erweiterten Krausenzone erkennbar wird, ist die mangelnde Grundspannung v. a. der Venen, aber auch die eingeschränkte Aktivität der Ringmuskulatur der Lymphgefäße, was durch das oben beschriebene Defizit an physiologischer Wärme negativ verstärkt wird. Direkte Folge ist die Einschränkung der Bewegung dieser beiden Körperflüssigkeiten, was zu Stauungen führt. In diesem Fall verstärkt der plethorische Tonusmangel der Lymphgefäße die bereits durch die katarrhalisch-rheumatisch bedingten Stauungen im Lymphsystem. Die Stauungen im Venensystem werden voraussichtlich erst im Erwachsenenalter als Krankheitsmechanismus wichtig werden.
Das dritte, im Auge erkennbare konstitutionelle Element ist die endokrin-vegetative Konstitution. Damit zeigt sich allgemein eine Labilität der eigenständig (autonom) arbeitenden Regulationssysteme des Organismus, die auf der organischen Ebene durch Hormon- und vegetatives Nervensystem repräsentiert sind. Die Krankheitszustände, die sich aus vegetativer Labilität ergeben können, sind sehr vielgestaltig, deshalb werden hier nur themenbezogen die Aspekte beschrieben, die in der Kinderheilkunde häufig sind. Das körperliche Wachstum und die Entwicklung eines Kindes werden hormonell u. a. vom Wachstumshormon (STH, Somatotropin, somatotropes Hormon) der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) gesteuert. Auch die gesunde Regulation der Schilddrüsenhormone (v. a. Thyroxin) spielt bei der kindlichen Entwicklung eine wichtige Rolle – noch ausgeprägter, als später im Erwachsenenalter. Aber auch die Regulation der Schilddrüse erfolgt über die übergeordnete Wechselwirkung durch die Hypophyse. Diese beiden Beispiele sind exemplarisch für die Wechselbeziehungen der Hypophyse (präziser: Hypophysär-hypothalamisches System) zu den meisten Hormondrüsen, die im gesamten Körper verteilt sind. Störungen in diesen Wechselbeziehungen sind das pathophysiologische Kernthema der endokrin-vegetativen Konstitution. Dabei lässt sich aber nicht sagen, wie sich die Störungen manifestieren. Hinweise darauf ergeben sich aus der Symptomatik, was dann mit anderen diagnostischen Verfahren weiter abgeklärt werden muss. Für die naturheilkundliche Behandlung ist es aber von großem Wert, zu wissen, dass eine allgemeine Stabilisierung der "funktionelle Achse Hypophyse – periphere Hormondrüsen" hilfreich ist – egal, welche Krankheit daraus resultiert. Es gibt nur wenige pflanzliche oder potenzierte Mittel, die diese Fähigkeit besitzen. Das trifft v. a. auf den Mönchspfeffer (Vitex agnus castus) zu. Dessen Wirkung auf die Frauenheilkunde leider meist auf die Wirkung auf die Eierstöcke bei Zyklusstörungen reduziert, der zentrale Wirkungsansatz dieser Pflanze ist aber die Stabilisierung sämtlicher Wechselbeziehungen zwischen Hypophyse und peripheren Hormondrüsen (wozu natürlich auch die Eierstöcke gehören...). Gerade in der Kinderheilkunde hat sich Agnus castus hervorragend bewährt, um allgemein die körperliche und geistige Entwicklung zu fördern. Hinzu kommt, dass Agnus castus ein hervorragendes Lymphmittel bei Vergrößerung von Gaumen- und Rachenmandeln (lymphatische Hyperplasie, "Polypen") ist. Dies sind Gründe dafür, dass die Pflanze im Rezeptvorschlag weiter unten als Urtinktur enthalten ist.
Bei dem hier beschriebenen Mädchen zeigt die endokrin-vegetative Konstitution wenig deutliche Symptome. Lediglich das dezente Übergewicht und die noch nicht ganz zuverlässige Blasenkontrolle in der Nacht können endokrin-vegetative Hintergründe haben, bzw. durch die endokrin-vegetative Pathophysiologie verstärkt werden. Die Bedeutung der endokrin-vegetativen Konstitution wird – wenn überhaupt – erst im Erwachsenenalter zum Tragen kommen.
Konstitutionstherapeutische Ziele bei dem Kind mit Iris 7:
- Stimulation der physiologischen Wärme zwecks Optimierung der Phlegma-Qualität in der Coctio und der allgemeinen Tonus-Situation (Plethora!)
- Stabilisierung sämtlicher Lymph-Funktionen (Trias Schleimhaut / Lymphsystem / Mikrobiom)
- Stabilisierung der vegetativen Systeme
Vorschlag eines entsprechenden Therapiekonzeptes:
- Mindestens so wichtig wie die Arzneitherapie ist hier die Anpassung der Nahrung, so wie im Ernährungskapitel beschrieben.
- Zur Anregung der physiologischen Wärmeprinzipien muss sich dieses Mädchen intensiv körperlich bewegen, vorzugsweise an der frischen Luft und sollte nicht übermäßig vor Kältereizen abgeschirmt werden. Denn: Auch das Wärmeprinzip muss aktiv trainiert werden.
- Tropfenmischung: Calc. carbonicum D6 dil., Agnus castus ø, Geranium robertianum ø, Scrophularia ø, Abrotanum øaa 20 ml, M. f. dil.
- Tee: Equiseti Hb. 100.0 DS: 1 Tasse täglich als Abkochung über 5 Minuten
Iris 8:

Dies ist das rechte Auge eines 9-jährigen Mädchens, das wegen Blasenentzündungen, die sich im Abstand von 5 – 6 Wochen wiederholen, sowie juckenden Ekzemen in Ellbeuge und Kniekehlen in Behandlung kam. Beides trat zeitlich gemeinsam auf. Auf die Frage, ob es ein auslösendes Ereignis gegeben habe, nannte die Mutter die zweite Masern-Mumps-Röteln-Impfung (MMR) im Alter von etwa vier Jahren. Die Hautsymptome waren bereits nach der ersten MMR-Impfung einmal aufgetreten, nach einigen Wochen aber wieder abgeklungen. Daher wurde "vorsichtshalber" die zweite Impfung später verabreicht, als im STIKO-Impfplan vorgesehen. Nach der Wiederholungsimpfung traten sofort die als "Neurodermitis" diagnostizierten Hautsymptome deutlich verstärkt wieder auf können seither nur mit einer Corticoid-haltigen Salbe in Schach gehalten werden. Kurz nach Beginn der Salbenbehandlung trat die erste Blasenentzündung auf, die vom Kinderarzt antibiotisch behandelt wurde. Dies ist als typische Vikariation auf eine innere Oberfläche zu interpretieren. Seither treten die Rezidive (Krankheitswiederholungen) in dem genannten Rhythmus auf, wobei regelmäßig Antibiotika zum Einsatz kamen.
Mit der von mir durchgeführten biologischen Funktionsdiagnostik (BFD) ließ sich die Masern-Komponente des Impfstoffes als der entscheidende (dominante) Störfaktor identifizieren. Er war der Auslöser für den Zusammenbruch der konstitutionellen Stabilität. Die Mumps- und Röteln-Komponenten wurden unauffällig getestet, d. h., sie spielen keine Rolle in der Krankheitsentstehung.
Um die im Folgenden beschriebenen Zusammenhänge verstehen zu können, dürfen weder die beiden Krankheiten "Zystitis" und "Neurodermitis" als voneinander unabhängige Ereignisse gesehen werden. Auch ist die Masern-Impfung nicht "die Ursache" für das Krankheitsgeschehen. Das gesamte Geschehen spielt sich auf der Basis der Konstitution dieses Mädchens ab, die man als "Leitschiene" der pathologischen Entwicklung sehen kann. Daher können therapeutische Maßnahmen, die nur auf die einzelnen Symptome, bzw. die einzelne Krankheit ausgerichtet sind, auch keinen nachhaltigen Erfolg bringen. Im Gegenteil: Die konstitutionelle Situation wird dadurch (hier durch Antibiotika und die Corticoid-Salbe) immer weiter destabilisiert. Auch ist regelmäßig zu beobachten, dass Menschen mit katarrhalisch-rheumatischer Konstitution besonders prädestiniert sind für unerwünschte Folgen von Impfungen aller Art. Das gilt sowohl für vorübergehende Symptome kurz nach der Impfung, als auch für eine dauerhafte konstitutionelle Destabilisierung, die sich in sehr vielfältiger Weise manifestiert. Das ist ein Grund dafür, dass der ursächliche Zusammenhang zwischen diversen Krankheiten und Impfungen so schwer zu erkennen ist. Die Erkenntnis "Impfungen aktivieren eine latent angelegte Skrofulose" fasst die Thematik ganz gut zusammen – und das gilt auch ganz explizit für die Masern-Impfung.
Eine verabreichte Impfung kann durch kein Mittel oder Behandlungsverfahren der Welt neutralisiert bzw. rückgängig gemacht werden. Der Begriff "Ausleitung", der in naturheilkundlichen Kreisen in diesem Zusammenhang häufig verwendet wird, weckt bezüglich falsche Hoffnungen. Die einzige realistische Chance besteht in solchen Fällen darin, die konstitutionelle Stabilität des betroffenen Menschen so zu stabilisieren, dass der Gesamtorganismus mit dem "Störfaktor Impfung" wieder symptomfrei (d. h., kompensiert) umgehen kann. Aber auch, wenn das gelingt, heißt das für die Zukunft: Nie wieder! – Auch keine anderen Impfungen oder gentherapeutische Injektionen (modRNA in Nanolipiden), die grob irreführend ebenfalls als "Impfung" bezeichnet werden...
Hier erkennbare konstitutionelle Merkmale:
- oxygenoid schmale Krausenzone
- katarrhalisch-rheumatisch Tophis vor dem Irisrand
- nephrogen zartgelbes Pigment und dunker Lockerungen zwischen 5:00 und 7:00 auf lymphatischer Basis (blaue Grundfarbe des Auges)
Ergänzendes wichtiges Zeichen ist die Abdunkelung in der Krausenzone, direkt um die Pupille herum, besonders gut sichtbar zwischen ca. 6:00 und 12:00.
Der Fall dieses Mädchens zeigt gut, wie stark sich die oben genannten konstitutionellen Merkmale gegenseitig beeinflussen und modifizieren. Damit wird die Pathophysiologie viel "breiter" und umfassender erkennbar, als wenn jedes konstitutionelle Element isoliert betrachtet würde. Auch hier ist die irisdiagnostisch deutlich ausgeprägte oxygenoide Konstitution (erkennbar an der zu schmalen Krausenzone) ein sehr wichtiger Aspekt im Krankheitsgeschehen und für die Behandlung. Die so erkennbaren begrenzten Energiereserven dieses Mädchens schränken hier die Dynamik und v. a. das "Durchhaltevermöden" der Abwehrprozesse (Bezug zur katarrhalisch-rheumatischen Konstitution) und die vielfältigen Nierenfunktionen (Bezug zur nephrogenen Konstitution) ein. Konkret heißt das: Die Optimierung des Energiehaushaltes ist Voraussetzung dafür, dass auch die weiteren Konstitutionselemente stabilisiert werden können. Im Zusammenhang mit der oxygenoiden Konstitution gilt hier natürlich auch alles, was für die Fallbeispiele 3, 5 und 6 bereits beschrieben wurde. Die katarrhalisch-rheumatische Konstitution ist der direkte pathophysiologische Hintergrund sowohl für die wiederkehrenden Blasenentzündungen, als auch die Hautausschläge. Sie ist der aktuell im Vordergrund stehende konstitutionelle Mechanismus. Die Katarrhe der Blasenschleimhaut stellt die Ersatzausscheidung von übermäßiger Feuchtigkeit dar, die mit gelbgalligen (hitzigen) Schärfen "verunreinigt" ist (erkennbar an dem gelben Pigment in der Iris). Die stark juckenden Ekzeme in Ellbeuge und Kniekehle sind typische Symptome für Ersatzausscheidungen über die Haut. Die gelbgalligen Schärfen prägen dabei die Symptomatik: Juckreiz der Haut und das Brennen und die krampfartigen Schmerzen der Blasenentzündung.
Die nephrogene Konstitution erklärt in diesem Fall nicht nur den organischen "Schwachpunkt" Blase, sondern zeigt weitere krankheitsfördernde Mechanismen. Dabei stehen im Fall dieses Mädchens zwei Aspekte im Vordergrund: 1. Die Fähigkeit der Nieren zur Ausscheidung von Schärfen ist reduziert. Damit werden die Ersatzausscheidungen über die Blasenschleimhaut und die Ekzeme der Haut gefördert. 2. Die Nieren speichern das Enzym, das Histamin inaktiviert (Diaminoxydase, DAO). Diese Speicherfähigkeit ist bei nephrogener Konstitution eingeschränkt. Histamin ist ein Gewebshormon und eine Neurotransmittersubstanz, die für die Übertragung von Nervenimpulsen zwischen verschiedenen Nervenzellen zuständig ist. Dieser Aspekt hat in diesem Fall aber untergeordnete Bedeutung. Hier steht die Bedeutung des Histamins als Gewebshormon im Vordergrund. Histamin bewirkt (u. a.) die Entstehung von Entzündungen und dies besonders bei bestimmten Formen der Allergie (Atopie), weil es hier im Übermaß freigesetzt wird. Die Wirkung des Histamins muss aber "nach getaner Arbeit" wieder aufhören, und dies erfolgt durch das o. g. DAO, das das Histamin deaktiviert. Und an diesem Punkt kommt die nephrogene Konstitution ins Spiel: Bei Menschen mit dieser Konstitution können die Nieren nicht genug DAO speichern und freisetzen, um Entzündungs- und Allergiereaktionen wieder abklingen zu lassen. Das zeigt sich bei diesem Mädchen in Form des allergischen Ekzems und der wiederkehrenden Blasenkatarrhe. Die nephrogene Konstitution verstärkt hier also die Krankheitsmechanismen der katarrhalisch-rheumatischen Konstitution. Auf der Basis dieses Wissens erweitern sich natürlich auch die Möglichkeiten für sinnvoll ergänzende Therapiemaßnahmen. Die wichtigste Heilpflanze zur Unterstützung und konstitutionellen Stabilisierung sämtlicher Nierenfunktionen ist die Echte Goldrute (Solidago virgaurea), die auch in dem unten stehenden Therapievorschlag verwendet wird. Wichtig dabei: Die in der Natur viel häufiger vorkommende Kanadische Goldrute (Solidago canandensis oder gigantea) hat diese konstitutionell bzw. energetisch stabilisierenden Fähigkeiten nur eingeschränkt. Daher sollten Sie beim Kauf der Goldrutenkrautes darauf achten, wirklich das Kraut der Echten Goldrute (Solidaginis virgaureae Hb.) zu bekommen, auch wenn der Apotheker bzw. Drogist das wahrscheinlich nicht auf Lager hat, sondern erst bestellen muss... Für die Herstellung von Solidago ø (Urtinktur) wird immer Echte Goldrute verwendet. Ein Tee aus Goldrutenkraut ist aber vorzuziehen, weil sich damit "automatisch" die Trinkmenge erhöht, was die Nieren zusätzlich unterstützt.
Konstitutionstherapeutische Ziele bei dem Kind mit Iris 8:
- Stabilisierung der Energiebilanz
- Sanfte Stimulation des physiologischen Wärmeprinzips durch Magentonisierung
- Stabilisierung sämtlicher Lymphfunktionen
- Stabilisierung der Nierenfunktionen
Vorschlag einer Tropfenmischung:
- Calcium phosphor. D6 dil. Überreizte (erethische) Formen der Skrofulose
- Kalium jodatum D6 Stabilisierung Energiebilanz, Ersatzausscheidungen
- Clematis D6 Katarrhe im Urogenitalsystem, gelbgallige Ekzeme
- Scrophularia ø Konstitutionelle Stabilisierung des Lymphsystems
- Abrotanum øaa 20 ml Stimulation der physiolog. Wärme / Lymphmittel Darm
- M. f. dil. DS: 3 x tgl. 9 Tr. vor dem Essen
- Nosode Eigenblut C6, morgens 5 Tropfen
Teemischung:
- Solidaginis virgauerea Hb. Konstitutionelle Stabilisierung Uro-Genitalsystem
- Violae tricoloris Hb.aa ad 100.0 Skrofulöse Manifestationen auf der Haut
- M. f. spec. DS: 1-2 Tassen tgl. als Aufguss
Iris 9:

Dies ist das rechte Auge eines 8-jährigen Jungen an der oberen Grenze des Normalgewichtes. Seine Mutter schilderte ihn als körperlich und geistig etwas inaktiv, was sich vor allem in schulischem Desinteresse mit Lern- und Konzentrationsstörungen zeigte. Die Lehrerin äußerte den Verdacht auf ein Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS). Die aus dieser "Diagnose" üblicherweise resultierende Behandlung mit Metylphenidat (Ritalin, Concerta, Medikinet u.a.) war für die Eltern des Jungen keine Option. Hinzu kam regelmäßiges nächtliches Einnässen des Bettes (Enuresis nocturna). Die Kontrolle des Stuhlgangs war kein Problem und tagsüber klappte auch die Harnkontrolle. Die Mutter wunderte sich besonders darüber, dass das morgens nasse Bett ihren Sohn überhaupt nicht störte. Es schien für ihn völlig normal zu sein. Der organische Zustand der ableitenden Harnwege war vom Kinderarzt mit unauffälligem Ergebnis abgeklärt worden. Auch hatte der Junge bisher keine Blasenentzündung oder andere Erkrankungen des Harnsystems gehabt. Die Mutter berichtete, dass der Vater des Kindes auch spät trocken geworden sei, etwa mit 6 Jahren. Darin erkennt man eine vererbte Komponente des Geschehens.
Diese Situation beschreibt den Zustand einer torpiden ("trägen") Skrofulose, bei der Ausreifungsverzögerungen im Nervensystem die dynamische geistige Entwicklung erschweren und die kontrollierte nächtliche Steuerung der Blasenentleerung bisher verhindert haben. Diese (noch recht oberflächliche) Erkenntnis liefert bereits eine gute Basis für eine entsprechende Therapie. Der Blick ins Auge gibt aber noch deutlich differenziertere Informationen über die konstitutionellen Hintergründe dieser sehr "speziellen" Skrofulose. Das wiederum ermöglicht noch gezieltere therapeutische Ansätze, die in diesem Fall bereits nach ca. 4 Monaten zur vollen Blasenkontrolle beigetragen und die geistige Entwicklung deutlich gefördert haben.
Hier erkennbare konstitutionelle Merkmale:
- plethorisch erweitere Krausenzone
- hydrogenoid flächiger milchiger "Nebel" in der Ziliarzone
- endokrin-vegetativ Kranz von Lakunen im Krausenbereich auf sanguinogener Basis braune Grundfarbe des Auges
Als selten vorkommendes Zeichen sieht man hier ein "flottierendes Seil", das sich zwischen ca. 4:00 und 9:00 quer über die Pupille zieht. Das ist ein verbliebener Rest der embryonalen Pupillarmembran, die nicht vollständig abgebaut wurde. Hierfür gibt es – je nach verwendetem Denk- und Arbeitsmodell - verschiedene augendiagnostischen Interpretationen: Angelehnt an die Miasmenlehre der klassischen Homöopathie ist das flottierende Seil ein Erkennungsmerkmal des "Tuberkulinischen Miasmas", das aber in seinen Reaktionsmustern weitgehend dem entspricht, was wir in der TEN/TEM als Skrofulose bezeichnet. Damit ist dieses Zeichen ein direkter Hinweis auf die skrofulöse Veranlagung dieses Jungen. Es begründet aber auch, weshalb die weiter unten beschriebene Behandlung mit der Tuberkulose-Nosode (Tuberkulinum C30) sinnvoll war, und deutlich erkennbare Dynamik in den Therapieprozess bringen konnte.
Konstitutionelle Analyse:
Ein gemeinsames Muster der Krankheitsmechanismen sowohl bei der plethorischen, als auch hydrogenoiden Konstitution ist Stauung derjenigen Säfte, die überschüssige Feuchtigkeit und Schärfen aus den Körpergeweben abtransportieren (Klärstrom). Das betrifft bei Kindern vor Allem das Lymphsystem und ist der Hintergrund für den trägen Lymphfluss dieses Jungen und die skrofulöse Schärfen-Belastung. Die Mechanismen der hydrogenoiden Konstitution wurden bereits in Fall 4 beschrieben und gelten natürlich auch hier. Mit der plethorischen Konstitution liegt hier nicht nur ein Mangel an Grundspannung (Tonus) der Lymph- und Venengefäße vor, sondern ein allgemeines Defizit an Spannkraft, das nicht nur auf der körperlichen, sondern auch seelisch-geistigen Ebene wirksam ist und für die oben beschriebene Inaktivität, Motivationslosigkeit, Lern-Defizite und Ausreifungsverzögerungen verantwortlich ist. Auch wenn die Helligkeit in der Krausenzone keine nennenswerten Unterschiede zeigt, muss ein Mangel an physiologischer Wärme vorliegen, der die Einschränkung der Säftebewegung und den allgemeinen Tonusmangel bewirkt. Die unauffällige Helligkeits-Situation in der Krausenzone sollte aber auch Hinweis gedeutet werden, dass die physiologische Wärme therapeutisch gut anzuregen ist.
Die Bedeutung der endokrin-vegetativen Konstitution wurde bereits in den Fällen mit Iris 2 und v. a. 7 besprochen. Im Fall dieses Jungen zeigt sie, dass die Entwicklungsverzögerung und die nervlichen Ausreifungsstörungen bei der Blasenkontrolle auch auf Labilität verschiedener hormoneller Systeme beruhen. Das betrifft hier sicher das Wachstumshormon STH, das direkt aus der Hypophyse gebildet wird, und die wechselseitige Regulation zwischen Hypophyse und Schilddrüse. Deshalb ist Agnus castus als wichtige Heilpflanze zur Stabilisierung der hormonellen Regelsysteme Bestandteil der konstitutionstherapeutischen Rezeptur.
Konstitutionstherapeutische Ziele bei dem Kind mit Iris 9:
- Anregung der physiologischen Wärme durch Magen-Tonisierung
- Anregung des lymphatischen Klärstroms durch Tonisierung des Lymph- und Venentonus
- Stabilsierung der osmotischen Grundfunktionen
- Stabilisierung der vegetativen, v. a. hormonellen Regelsysteme
Vorschlag eines Therapiekonzeptes:
- Um die physiologische Wärme und den Säftefluss anzuregen, braucht dieser Junge körperliche Bewegung an der frischen Luft, die durchaus auch mal Schweißperlen produzieren darf.
- Ernährung: Feuchtigkeits-reduzierend, wie im Ernährungs-Kapitel beschrieben.
- Tropfenmischung: Barium carbonicum D6 dil., Agnus castus ø, Natr. muriat. D6, Scrophularia ø, Angelica øaa 20 ml, M. f. dil.
- Teemischung: Solidaginis virgaureae Hb., Hyperici Hb., Millefolii Hb., Melissae Fol.aa ad 100.0, M. f. spec.
Bei diesem Jungen habe ich therapeutisch etwas gemacht, was bei bettnässenden Kindern wiederholt erfolgreich war: Ich habe zu Beginn der Behandlung eine Einmalgabe der Nosode Tuberculinum C30 gegeben. Der Effekt war, dass die Mutter des Jungen mir nach ca. 4 Wochen mitteilte, dass ihn das nasse Bett jetzt stört.... Das ist meist, aber auch in diesem Fall, eine ganz entscheidende Entwicklung, denn jetzt war bei dem Jungen das Bewusstsein für die Notwendigkeit geweckt worden, die Therapie aktiv mitzumachen, d. h., die oben genannten Tropfen und den Tee einigermaßen regelmäßig zu nehmen.
Iris 10:

Das ist die rechte Iris eines 7-jährigen Jungen, der wegen Infektanfälligkeit in die Praxis kam. Seit der Einschulung haben die Infekt-Rezidive zugenommen, wobei im Krankheitsverlauf meist eine spastische Bronchitis mit belastender Kurzatmigkeit entwickelte. Seit mindestens zwei Jahren bestehen die folgenden Verdauungsprobleme: Verstopfung, Stuhlgang nur alle 3-4 Tage, dabei aber keine Bauchschmerzen, aber Druckgefühl im Unterbauch mit viel Blähungen, die schmerzfrei abgehen. Nach einer Verstopungsphase folgen meist einige Tage, an denen weicher, breiiger Stuhl ausgeschieden wird, auch mehrmals täglich.
Hier erkennbare konstitutionelle Merkmale:
- mesenchymal-hypoplastisch viele Lakunen und Lockerungen, Iris wirkt "zerrissen"
- plethorisch stark erweiterte Krausenzone
- lymphatisch-hypoplastisch Trabekel und andere radiäre Faserverdichtungen.
- Tendenziell nephrogen gelbe Pigmente kombiniert mit dem hellen Reizfaserbüschel bei 6:00 auf lymphatischer Basis mit deutlicher gelbgalliger Schärfenbelastung (gelb-braune Pigmente). Das ist als Übergang in eine chologene Konstitution zu interpretieren.
Konstitutionelle Analyse:
Eine mesenchymal-hypoplastischen Konstitution sieht man in dieser deutlichen Ausprägung bei Kindern nur selten. Nicht nur deshalb hat sie hier auch eine zentrale Bedeutung für die gesamte konstitutionellen Situation dieses Jungen und hat tiefgreifende Bedeutung bei allen bestehenden Krankheitsprozessen. Um die pathophysiologischen Mechanismen der mesenchymal-hypoplastische Konstitution verstehen zu können, muss man sich etwas intensiver mit der Lehre Prof. Alfred Pischingers über das "Interstitielle System der Grundregulation" zu beschäftigen – das gehört zum Standardprogramm einer naturheilkundlichen oder alternativmedizinischen Ausbildung gehört. Daher hier nur die wichtigsten Basisinformationen:
Jede Zelle unseres Körpers (unabhängig von ihrer Lokalisierung und Funktionalität) ist eingebettet in die Grundsubstanz des Bindegewebes. Sie "schwimmt" quasi darin und hat bestenfalls punktförmigen Kontakt zu den Nachbarzellen. Damit besteht zwischen den Zellen ein "Zwischenzellraum", den man als Interstitium bezeichnet. Und jetzt ist das Entscheidende: Keine Zelle unseres Körpers ist direkt an ver- und entsorgenden Gefäße (Blut- und Lymphkapillaren) angeschlossen. Die Blutkapillaren verlaufen im interstitiellen Raum und die Lymphkapillaren beginnen dort. Damit ist das interstitielle Bindegewebe der Entstehungsort des Lymphsystems und unverzichtbar für dessen "Reinigung". Alles, was die Zellen für ihre Tätigkeit brauchen und alle "Abfallprodukte" (Metaboliten, Schärfen), die jede Zelle produziert, müssen den Raum zwischen Gefäß und Zelle passieren, den man als "Transitstrecke" bezeichnet. Hier ist das Ziel des "Nährstroms", ein zusammenfassender Begriff für alle Bewegungen der Nährsäfte von der Resorption im Darm bis hin zu jeder einzelnen Zelle – wobei unterwegs natürlich jede Menge Umwandlungsprozesse ablaufen.
Die sozusagen andere Richtung ist der "Klärstrom", der analog dazu alle ableitenden Säftebewegungen zusammenfasst, die zelluläre Metaboliten, Schärfen und überschüssige Säfte von jeder einzelnen Zelle ableitet und die Ausscheidungsorganen zuführt, über die sie schlussendlich aus dem Körper ausgeschieden werden. Die zentralen Elemente des Klärstroms sind Lymph- und Venensystem. Dabei ist das Lymphsystem für das "Grobe", also großmolekulare Metaboliten, Gewebstrümmer, Mikroben uvam. zuständig, während das Venensystem die einmolekularen und gelösten Metaboliten abtransportiert. Damit wird auch verständlich, dass das Lymphsystem eines gesunden Menschen das deutlich belastbarere Transportsystem ist. Und damit wird auch deutlich, wieso die Leistungsminderung des Lymphsystems beim Skrofulösen so weitreichende Folgen für den Gesamtorganismus hat.
Über den interstitiellen Nährstrom via Transitstrecke werden aber nicht nur Nährstoffe (z. B. Traubenzucker (Glukose), die vom arteriellen Schenkel der Blutkapillaren herbei transportiert wurden, den Zellen zugeführt, sondern auch Hormone (z. B. Insulin), die Zellfunktionen steuern. Und dann sind da noch die Nervenfasern, die ebenfalls nirgendwo im Organismus direkt an eine Zelle enden, sondern stets im Interstitium. Die übermittelten elektrischen Impulse lösen in den Nervenfasern die Freisetzung von Neurotransmittersubstanzen aus, die durch die Transitstrecke müssen, um die entsprechende Reaktion der Effektorzelle auszulösen.
Darüber hinaus sind im Interstitium verschiedene Fraktionen von Immunzellen lokalisiert, die bei Bedarf in Zusammenarbeit mit dem Immunsystem des Blutes wirksame Abwehrreaktionen in Gang setzen, wobei an erster Stelle die akute Entzündung steht. Und zu guter Letzt ist das Interstitium mittels различных Fasern, die von spezialisierten Bindegewebszellen gebildet werden, auch noch für die mechanische Stabilität und auch die Elastizität der verschiedenen Gewebe verantwortlich. Kollagenfasern geben einem Gewebe hohe Festigkeit, wie sie z. B. bei Sehen und Knorpel notwendig ist. Elastinfasern ermöglichen hohe Elastizität, die lebenswichtig ist, z. B. für die Lungengewebe und die Blutgefäße sind. Entscheidend für Stabilität bzw. Elastizität eines Gewebes ist das "Mischungsverhältnis" zwischen Kollagen- und Elastinfasern. Dieses Prinzip hat die Textilindustrie für die Herstellung einer elastischen Jeanshose der Natur abgeschaut...
Wenn vom "Bindegewebe" die Rede ist, stehen oft nur diese mechanischen Aspekte im Vordergrund, z. B. bei Schwangerschaftsstreifen, Beckenbodensenkung und Krampfadern. Sie werden hier bewusst an letzter Stelle erwähnt, weil die anderen Funktionen des Interstitiums für das Thema dieses Buches weitaus wichtigere Bedeutung haben. Zusammenfassend kann man sagen, dass das Interstitium der Dreh- und Angelpunkt ist, in dem die folgenden Funktionen realisiert werden:
- Übermittlung der nährenden Säfte (Nährstrom)
- Elimination von Abfallprodukten (Klärstrom)
- Hormonelle Regulation
- Nervale Regulation
- Abwehrfunktionen des Gewebes
- Mechanische Grundfunktionen (Stabilität / Elastizität)
Eine zentrale Bedeutung für die meisten Bindegeweebsfunktionen hat die oben beschriebene Transitstrecke, was aber meist erst bei chronischen Erkrankungen zum Problem wird. Das, was im Volksmund als "Verschlackung" oder auch "Übersäuerung" bezeichnet, ist die Blockade der interstitiellen Transitstrecke mit Stoffwechselprodukten (Schärfen) der angrenzenden Zellen. Hintergrund dafür ist entweder eine Überproduktion von Metaboliten, oder der Abtransport, v. a. über das Lymphsystem klappt nicht. Bei skrofulösen Menschen v. a. das Letztere. Diesen Mechanismus bezeichne ich gerne etwas ironisch als das "Neapel-Syndrom": Wenn die Müllabfuhr mal wieder streikt, verstopfen die vollen Müllsäcke sehr bald die engen Straßen so, dass auch die versorgenden LKWs nicht mehr durchkommen... Auf das Interstitium übertragen heißt das: Wenn die Transitstrecke von Stoffwechselendprodukten blockiert wird, ist dadurch auch der Nährstrom zu den Gewebezellen eingeschränkt. Die einzige richtige Konsequenz daraus heißt: Anregung des lymphatischen Abtransports. Die Ernährung und Regulation der Gewebe klappt dann fast wieder "automatisch". Dies ist die wissenschaftliche Erklärung für die Wirksamkeit von "Entgiftungstherapien", die seit Jahrhunderten unverzichtbare Elemente der Naturheilkunde waren und sind.
Jetzt aber zurück zur Augendiagnose und die konstitutionelle Situation des hier beschriebenen Jungen: Im Prinzip kann aus Fehlfunktionen im Bindegewebe jede nur erdenkliche Krankheit entstehen, von Arthritis bis Zyste. Das hängt davon ab, welcher Aspekt der interstitiellen Grundfunktionen in seiner Leistungsfähigkeit besonders eingeschränkt (insuffizient) ist. Glücklicherweise sind meist nicht alle Funktionen insuffizient. Es ist also sinnlos, aus den irisdiagnostischen Zeichen einer mesenchymal-hypoplastischen Konstitution Hinweise auf aktuelle Krankheiten zu erwarten. Der Weg geht anders herum: Wenn ein Mensch eine (oder mehrere) Krankheiten hat, und irisdiagnostisch ist eine mesenchymal-hypoplastische Konstitution erkennbar, dann sind die Fehlfunktionen im System der Grundregulation für die Krankheiten mitverantwortlich. Konkret heißt das: Das gesamte interstitielle System muss konstitutionell unterstützt und stabilisiert werden. Hierbei spielt die Kieselerde (Silicea) in potenzierter Zubereitungsform eine zentrale Rolle, oder mineralische Verbindungen mit Silicea, z. B. Calcium silicicum, das weiter unten in der Tropfenrezeptur enthalten ist. Alternativ oder ergänzend können auch Zubereitungen aus Heilpflanzen, die einen hohen Silicea-Gehalt haben, z. B. Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense), verwendet werden.
Bei diesem Jungen basiert v. a. die zunehmende Infektanfälligkeit auf interstitieller Insuffizienz. Die in dieser Iris erkennbare Kombination zwischen mesenchymal-hypoplastischer und plethorischer Konstitution kommt sehr häufig vor. Die grundsätzliche Pathophysiologie der plethorischen Konstitution wurde bereits in dem Fall mit Iris 1 besprochen, in Fall 2, 7 und 9 finden sich weitere Informationen dazu. In Verbindung mit der mesenchymal-hypoplastischen Konstitution wird so erkennbar, dass bei diesem Jungen die lymphatische Entsorgung des Interstitiums aufgrund der Atonie der Lymphgefäße besonders eingeschränkt und störanfällig ist. Das heißt konkret: Mit der Anregung des lymphatischen Klärstroms wird auch das Interstitium entlastet und so funktionell stabilisiert. Erkennbar an der braunen Farbe der Pigmente sind es bei diesem Jungen Schärfen mit gelbgalliger (heißer & trockener) Qualität, die die Transitstrecke blockieren und im gesamten Organismus die Feuchtigkeit "verunreinigen". Damit besteht gemäß Definition eine Skrofulose.
Die Darmträgheit ist eine weitere Manifestation der plethorischen Konstitution. Der Wechsel zu zeitweise dünnem, breiigem Stuhl lässt erkennen, dass der Organismus in der Lage ist, nicht nur die Darm-Ausscheidung immer wieder deutlich zu aktivieren, sondern auch auf diesem Wege sogar eine katarrhalische Ersatzausscheidung von übermäßiger, gelbgallig verunreinigter Feuchtigkeit über die Darmschleimhaut in Gang zu bringen. Daher der "wasserreiche" Stuhl. Diese Stuhlsymptomatik ist zwar nicht "normal", zeigt aber, dass der Organismus dieses Jungen im Sinne eines Selbstheilungsprozesses versucht, das Feuchtigkeits- und Schärfenproblem selbstständig zu reduzieren. Es ist daher nicht notwendig, und auch nicht sinnvoll, hier zu intensiv "regulierend" einzugreifen. Diese Stuhlsymptomatik hat sich durch die Konstitutionstherapie recht schnell normalisiert.
Mit den radiär verlaufenden Trabekeln und Faserverdichtungen wird die lymphatisch-hypoplastische Konstitution erkennbar, als weiteren Hinweis auf eine lymphatische Insuffizienz, die sowohl die Immunfunktionen, als auch den lymphatischen Klärstrom betrifft. An dem hellen Reizfaser-Büschel genau bei 6:00 ist erkennbar, dass die Nieren bei diesem Jungen mit erhöhtem Energieaufwand arbeiten. Die Nieren sind bei skrofulösen Zuständen immer übermäßig gefordert, um das Leber-Galle-System darin zu unterstützen, die cholerischen Schärfen auszuscheiden. In solchen Situationen besteht auf Dauer die Gefahr einer Nierenüberlastung, weshalb sie besonders unterstützt werden sollte – besonders durch ausreichende Wasserzufuhr.
Konstitutionstherapeutische Ziele bei dem Kind mit Iris 10:
- Stimulation der physiologischen Wärme
- Antiplethorische Stimulation des Klärstroms
- Allgemeine Stabilisierung der interstitiellen Grundfunktionen
- Allgemeine Stabilisierung der Lymphfunktionen
- Stabilisierung der Nierenfunktionen
Vorschlag eines Therapiekonzeptes:
- Um die physiologische Wärme und den Säftefluss anzuregen, braucht dieser Junge körperliche Bewegung an der frischen Luft. Überlastung des Bewegungsapparates sollte aber vermieden werden.
- Ernährung: Erwärmende und Feuchtigkeits-reduzierend, wie im Ernährungskapitel beschrieben.
- Tropfenmischung: Calc. silicicum* D6, Natrium sulf. D6, Scrophularia ø, Abrotanum ø, M. f. dil.
- Aufbau / Stabilisierung der Symbiontenflora in den Atemwegen mit Symbioflor 1, 2 x täglich 5 Tr. nach dem Essen
- Eigenblutnosode C6: Morgens 5 Tropfen
- Teemischung: Solidaginis virg. Hb., Polygoni avicul. Hb., Foeniculi Frct.aa ad 100.0, M. f. spec.
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Autor:
Friedemann Garvelmann - Heilpraktiker, Lehrer in TEN/TEM, Fachbuchautor
humores@posteo.com
www.humores.org
www.owlseye.eu
Koautor des Buches "Grundlagen der Traditionellen Europäischen Naturheilkunde TEN" (ISBN 978-3-902735-21-8)
Koautor des Buches "Humoralmedizinische Praxis": Band 1: Arbeitsgrundlagen der TEN; Band 2: Praktische Arzneitherapie, Bacopa-Verlag (ISBN 9392735768)
Autor des augendiagnostischen Fachbuchs "Konstitutionsmedizin", Bacopa-Verlag 2018 (ISBN 9783903071469)
Koautor des Fachbuchs "Ab- und Ausleitung in der TEN/TEM", Bacopa-Verlag 2022 (ISBN 9783991140153)
Wichtige Buchempfehlung für alle Menschen, die privat und beruflich mit Kindern arbeiten und Zusammenhänge verstehen wollen:
Susanne Alber-Jansohn: "Naturheilkunde für Kinder", Bacopa-Verlag