Grundzüge eines therapeutischen Shiatsu

Von Wilfried Rappenecker (Autor/in)., Christiana König (Layout und Satz). | 400 Seiten | Erscheint voraussichtlich: 15. 02. 2027 | ISBN: 9783991141297 | 1.Auflage

In diesem sehr persönlichen Buch beschreibe ich meine Erfahrungen in über 40 Jahren Shiatsu-Praxis und die Schlüsse, die ich daraus gezogen habe.

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Einleitung zu „Grundzüge eines therapeutischen Shiatsu“

In diesem sehr persönlichen Buch beschreibe ich meine Erfahrungen in über 40 Jahren Shiatsu-Praxis und die Schlüsse, die ich daraus gezogen habe. Auf dieser Entdeckungsreise sind im Laufe der Jahre viele schriftliche Beiträge entstanden. Dabei war ich nie daran interessiert, gefällige Texte über die esoterische Schönheit und tolle Wirkungen von Shiatsu zu schreiben. Ich wollte vielmehr Shiatsu erforschen, tiefer verstehen und mein Verständnis so genau wie möglich formulieren. Das war mir beim Schreiben immer eine Leitlinie.

Da meine eigene Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten beständig weiter gegangen ist, war es nun an der Zeit, die bis zu 30 Jahre alten Texte kritisch gegenzulesen und entsprechend meines aktuellen Verständnissen zu bearbeiten.

Mein Shiatsu-Weg startete 1981 in einem ersten Shiatsu-Kurs mit Wataru Ohashi. Entsprechend meiner Orientierung und meinen Vorstellungsmöglichkeiten als Krankenhausarzt hatte ich damals ein eher physischen Verständnis von Shiatsu. Was mich jedoch von Beginn an zum Shiatsu hinzog, war die Möglichkeit, dem Menschen als Ganzes zu begegnen, nicht nur wie auf einer Intensivstation vorherrschend als Ansammlung von Organen und Körpergeweben, die optimal verwaltet werden müssen. Und ich wollte mit meinen Händen berühren! All das wurde mir jedoch erst mit der Zeit klar; 1981 war ich mir dessen nur sehr eingeschränkt bewusst.

Von Anfang an hatte ich Hochachtung vor den Lehrern und Vertretern des Shiatsu in Japan. Auch war das Zen-Shiatsu Masunagas nach Gründung unserer eigenen Schule in Hamburg zunächst unsere erste Orientierung in Praxis und Unterricht. Unter dem Einfluss von Pauline Sasaki allerdings wurde bereits zu Beginn der 90er Jahre mein Blick auf Shiatsu deutlich weiter und ich begann etwas frech (so empfand ich das damals) meinen intuitiven Impulsen zu folgen und zu experimentieren. 

Als erstes tauchten auf diesem Weg die Inneren Techniken auf. Ich entdeckte, dass die mentale Ausrichtung der behandelnden Person sich fundamental auf die Wirkung der Berührung im Körper des Empfängers auswirkt. Die Praxis der Inneren Techniken hat meine eigene Shiatsu-Praxis von Grund auf verändert. Über die Jahre wurde es immer offensichtlicher, dass die Anwendung Innerer Techniken den Körperraum auch der behandelnden Person weiter und bewusster werden lässt.

Dann wurden Behandlungsfokus und Fokusbereich als Orientierung während einer Shiatsu-Sitzung wichtig, ebenso die Bedeutung des Zuhauses der energetischen Organe in den Drei Brennkammern als potentieller Anker einer Behandlung. Mit der Betrachtung der Organe in den Brennkammern verließ ich Mitte der 90er Jahre das reine Meridian-Shiatsu Masunagas. Ich begann vielmehr, mich meridianfrei im Körperraum zu orientieren und meine Vorgehensweise primär nach den dortigen Eindrücken sowie Situation und Anliegen der empfangenden Person auszurichten. Ich entwickelte ein meridianfreies Shiatsu. Meine heutige Shiatsu-Praxis ist also nicht durch das Zen-Shiatsu Masunagas bestimmt. Wohl aber setze ich zusätzlich zu meiner Arbeit bei Bedarf auch Meridiane ein, denn Meridiane sind andere phantastische Werkzeuge des Shiatsu.

Wichtig wurde mir ferner der Weg der Diagnose im Shiatsu, der so viel mehr umfasst als die Arbeit mit Meridianen entsprechend den Ergebnissen einer Hara- oder Rückenbefundung. Ich verstand wie wichtig es ist, völlig frei und unvorbelastet von Theorie und Konzepten dem anderen Menschen zu begegnen, Eindrücke zu sammeln und daraus eine sinnvolle und immer flexible Vorgehensweise in der Behandlung entstehen zu lassen.

Schließlich wurde mir immer klarer, dass für eine gute Berührung und für ein wirksames Arbeiten die innere Ausrichtung der behandelnden Person entscheidend ist. Das Mantra „Boden, Aufrichtung, Präsenz und Ausdehnung“ ist überall präsent in meinem Unterricht. Auch der Raum zwischen Behandlerin und Klienten ist von elementarer Bedeutung und sollte nicht eingeengt werden, beispielsweise durch ein stärkeres Vorneigen des Oberkörpers der behandelnden Person zum Empfänger hin wie es zu Beginn vieler Shiatsu-Ausbildungen vermittelt wird. Besser ist es, wenn mit dem Einsinken ihr Oberkörper sich ein klein wenig aufrichtet, sich leicht entfernt und so dem anderen Menschen mehr Leichtigkeit und Raum anbietet.

Hier wurde der Raum des Solar Plexus im oberen Hara wichtig, ein Raum, den viele Praktizierende nicht wirklich nutzen können, weil sie hier nicht offen und präsent sind. Ich selber halte die Präsenz in diesen Raum für die Behandlung wichtiger als die Präsenz im Unteren Tan Den, auch wenn beide eng miteinander verbunden sind. Gottseidank sind Shiatsu-Praxis und die Anwendung Innerer Techniken sehr gute Möglichkeiten, die Freiheit im Solar Plexus zu entdecken und zu kultivieren.

Die Natur der energetischen Wahrnehmung als Phänomen von Resonanz wurde mir klar. Ich verstand, dass sowohl eine gute Berührung als auch die Wahrnehmung des anderen Menschen über seine physischen Besonderheiten hinaus darauf beruht, dass die Resonanzräume zweiter Menschen miteinander zu kommunizieren beginnen. Der entspannte und offene Raum der behandelnden Person initiiert diese Kommunikation; ihre offene und freie innere Ausrichtung ist die Voraussetzung für die in der Praxis wichtige verstärkte Resonanzfähigkeit.

Und schließlich verstand ich die Natur eines senkrecht einsinkenden Tiefenkontakt wie es mir von meinen Lehrern vermittelt wurde. Nicht das Einsinken senkrecht zur Körperoberfläche ist hier entscheidend, sondern sich dem in der Tiefe jeweils vorgefundenen Körpergewebe wie ein Pfeil direkt zu nähern und direkt zu berühren. Der sich daraus ergebende Tiefenrhythmus ist sowohl in der Meridianarbeit wie auch in einem meridianfreien Shiatsu von großer Bedeutung. Ich erkannte, dass keineswegs das aufmerksame Einsinken in 7 Schichten entscheidend ist, sondern in erster Linie das bewusste entspannte Halten in der Tiefe einer Stelle, sobald diese erreicht wurde.

Für mich waren diese hier aufgeführten Punkte echte Meilensteine meiner Shiatsu-Entwicklung, die ich in diesem Buch ausführlich darstelle. Dabei haben sicherlich auch meine weiteren Ausbildungen in verschiedenen körpertherapeutischen Methoden wie in Craniosacraler Osteopathie oder Jin Shin Do Spuren hinterlassen, weil sie mein Verständnis von Berührung erweiterten. Auch das jahrelange Studium der TCM in den späten 80er Jahren hat meinen Blick auf das Leben und auf Shiatsu verändert.

Neben grundlegenden Überlegungen zur Natur von Energie, von Gesundheit, Schmerz, der Bedeutung des Subjektiven im Shiatsu oder von Resonanz machen die geschilderten Meilensteine den größten Teil dieses Buches aus. Etliche der Texte sind Skripte aus den beiden Shiatsu-Ausbildungen der Schule für Shiatsu Hamburg und der Internationale Shiatsu Schule Kiental, die ich lange geleitet habe und wo ich weiterhin unterrichten darf. Andere Texte sind aus Skripten für meine Weiterbildungskurse hervorgegangen oder Beiträge, die ich für unterschiedliche Magazine und Bücher schrieb.

Ich wünsche viel Freude und auch Erkenntnisse bei der Lektüre dieses Buches. Ein Buch wie dieses zu lesen erfordert sicherlich eine längere Aufmerksamkeitsspanne als ein Video in den sozialen Medien. Sollte es aber einmal schwierig werden, das Beschriebene zu verstehen, so wäre es völlig o.k., das Buch erst einmal beiseite zu legen und sich mit Freude der Shiatsu-Praxis zu widmen. Die Lektüre dieses Buches alleine vermag zwar zu einem tieferen Verständnis von Shiatsu zu führen. Richtig lernen aber kann man Shiatsu und auch die Inhalte dieses Buches nur in einem richtigen altmodischen Shiatsu-Seminar.

Wilfried Rappenecker
Seevetal, 9. Juli 2026


Bacopaverlag

Verlag[Firma Bacopa Verlag]
ISBN9783991141297
Auflage1
Sprache(n) Deutsch
Erschienen2027
Cover Hardcover
Seitenzahl400
Ausführung Gebunden
Autor/in Wilfried Rappenecker (Autor/in) , Christiana König (Layout und Satz)

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