In der Traditionellen Chinesischen Medizin ist die Leber der Freigeist unter den Organen. Sie braucht viel Raum, um sich entfalten zu können. Erhält sie diesen nicht, reagiert sie sensibel und explosiv. Der Fachbegriff dafür ist Leber-Qi-Stagnation – eine der gängigsten Ursachen für Probleme in unserem System. Was sind die Anzeichen dafür? Und was lässt sich dagegen tun?
DER FRÜHLING UND DAS HOLZELEMENT
Der Frühling wird in der Fünf Elemente Lehre der Traditionellen Chinesischen Medizin dem Element Holz zugeordnet. Es ist die Jahreszeit des Neuanfangs und des Wachstums. Nach der langen Winterruhe, nach der langen Phase des Rückzugs und der Regeneration drängt die Lebenskraft nach außen und nach oben. Pflanzen schießen aus dem Boden, Bäume treiben aus, alles gedeiht, mit viel Bewegung, einer pulsierenden Dynamik, einer überbordenden Aktivität. Die Natur erwacht. Das Leben erwacht. Auch in uns Menschen. Fenster auf, Türen auf, hinaus ins Freie, auf zu neuen Abenteuern. Das Holzelement ist das Element der Expansion und der Entfaltung. Und die Leber ist die treibende Kraft.
Das Holzelement nimmt in unserem Leben eine zentrale Rolle ein, da wir Erfüllung vor allem durch persönliches Wachstum und individuelle Verwirklichung suchen und finden. Kultivieren wir den Frühling ins uns, pflegen wir unsere Holzenergie, sorgen wir dafür, dass ein für unsere Entwicklung fruchtbares Klima herrscht, wird es immer wieder neue Blüten geben, an denen wir uns erfreuen können, ob im Beruf, in der Partnerschaft oder in der Freizeit. Der Fluss des Lebens, er will fließen, ungehindert und frei. Stehen ihm Hindernisse im Weg, staut er sich, Druck baut sich auf und auf Druck ist das Holzelement besonders sensibel. Denn Druck erzeugt Spannung, Druck erzeugt Enge. Das Holzelement benötigt jedoch Flexibilität und Raum. Weil Wachstum immer ein dynamischer Prozess ist, der Anpassung und Richtungswechsel erfordert. Ohne Flexibilität und Raum kein wirkliches Wachstum, so einfach ist das. Statt der kräftigen Baum, der wir sein könnten, verkümmern wir zu einem kümmerlichen Bonsai.
Druck, Spannung, Enge, das alles schränkt uns ein. Man denke an den/die Vorgesetzte/n, der/die immer mehr Leistung in immer weniger Zeit einfordert. Oder an Problemstellungen in der Partnerschaft, die uns „die Luft zum Atmen nehmen“, die uns auf „den Magen schlagen“, die uns nicht blühen, sondern verwelken lassen. Bestehen derartige Situationen über einen längeren Zeitraum, dann treten wir auf der Stelle, wir stagnieren. Und aus Stagnation wird schnell Frustration. Die Stimmungslage: Fatal. Gereiztheit, Aggression und das Gefühl von Hilflosigkeit geben sich die Hand. Die Laus des Lebens nimmt die Leber im Würgegriff. Wir sind sauer. Das Fass ist kurz vor dem Überlaufen, der Luftballon kurz vorm Platzen. Anspannung von Kopf bis Fuß, Anspannung drinnen und draußen. Herzlich willkommen bei der Leber-Qi-Stagnation.
URSACHEN & SYMPTOME
Freie Entfaltung in allen Lebensbereichen, das wäre der Idealzustand. Ein Glücksgefühl wie in der Kindheit. Die Kindheit wird übrigens auch als Holzphase bezeichnet. In keinem anderen Lebensabschnitt wachsen wir mehr. Sind wir erwachsen, werden wir aber meist nicht mehr liebevoll gefördert. Nicht von uns. Nicht von unserer Umgebung. Im Gegenteil. Die Leistungsgesellschaft (er)fordert mehr. Mehr. Immer mehr. Immer schneller. Immer häufiger. Nicht persönliches, sondern Wirtschafswachstum zählt. Kein Wunder, dass die Leber-Qi-Stagnation eines der am weitesten verbreiteten Organmuster in westlichen Ländern ist. Die Ursache(n)? Wie bereits dargestellt: Emotionaler Stress, emotionaler Stau, Druck, Überarbeitung, Überforderung, Unterforderung... sprich: Ich habe keinen Raum mehr für mich selbst, ich kann mich nicht entfalten. Ich drücke mich nicht aus, ich werde erdrückt. Alles geht hinein, nichts geht hinaus. Die Frühlingsenergie, begraben unter dem Baumstamm des eingeschränkten Lebens.
Aber nicht nur ein unangemessenes Maß an Belastung bringt den Fluss des Lebens zum Erliegen: Die Kombination aus wenig Bewegung und viel üppigem Essen kann zu einem ähnlichen Ergebnis führen. Weil ein zu viel an Energie zu wenig umgesetzt wird. Wie zu viel Treibholz in einem Bach, der zu langsam fließt. Es bilden sich Staustellen. Wasser, das nicht fließt, wird trübe, bis es kippt. Dasselbe passiert in unserem System.
Eine weitere Ursache ist im Fünf Elemente Zyklus zu finden. In der Traditionellen Chinesischen Medizin ist das Holzelement das „Kind“ des Wasserelements. Holz braucht Wasser zum Wachsen. Der Frühling braucht einen starken Winter, um sich besser entfalten zu können. Die Bauern wissen das. Das Holzelement ist von der Kraft des Wasserelements abhängig und die dem Wasserelement zugeordnete Emotion ist Angst. Angst bringt das Wasser zum „Frieren“, die sprichwörtliche Schockstarre. Und mit Eis kann man Pflanzen nicht gießen. Sprich: Auch Unsicherheit, traumatische Hintergründe oder Angstzustände können das Holzelement in seiner Entfaltung behindern.
Ursachen für eine Leber-Qi-Stagnation
Stress, Leistungsdruck, Überarbeitung, Überforderung, Unterforderung, mangelnder Entfaltungsspielraum
unterdrückte Emotionen, Angstzustände, Unsicherheit, Trauma
zu wenig / keine körperliche Bewegung
zu viel üppiges Essen (Fleisch, Fett, Zucker, Fertigprodukte...)
Alkohol
Medikamente, Nahrungsmitteln mit vielen Zusatzstoffen, Zigaretten / alles, was der Körper „entgiften“ muss (Die Leber ist eine der wichtigsten Entgiftungszentralen).
Es gibt also mehrere Ursachen. Die Auswirkungen in unserem System sind jedoch ähnlich. Man stelle sich einen Druckkochtopf vor, der kurz vor dem Explodieren ist. Von außen merkt man nicht viel. Innen herrscht jedoch massiver Druck. Und dieser Druck drückt sich auf mehreren Ebenen aus.
Auf körperlicher Ebene macht sich eine Leber-Qi-Stagnation vor allem durch Spannung bemerkbar. Die Muskulatur ist angespannt, der Brustkorb ist angespannt, der Bauch ist angespannt. Die Atmung tut sich schwer, gegen diesen Druck anzukämpfen, wie auch die Verdauung. Gefühle von Enge und Beklemmung können entstehen. Oder ein Völlegefühl, vor allem nach dem Essen. Auf jeden Fall leidet die Vitalität unter diesem Zustand. Müdigkeit macht sich breit, bis hin zur Depression, sprich Erschöpfung bei hoher innerer Anspannung. Besteht dieser Druckkochtopfzustand über längeren Zeitraum, kann die Energie nach oben steigen. Der berühmte Kloß im Hals. Häufiges Räuspern und Seufzen sind Zeichen des Wunsches nach Erleichterung. Tritt diese nicht ein, kann sich Druck im Kopfbereich aufbauen. Die Folge: Übelkeit, Kopfschmerzen, hoher Blutdruck, Tinnitus oder erhöhter Augeninnendruck. Und manchmal kann das Überdruckventil zum Pfeifen beginnen, in Form von plötzlichen wie heftigen Gefühlsausbrüchen. Unterversorgt bleibt hingegen die Peripherie, Hände und Füße werden nicht ausreichend mit Energie versorgt und sind oft kalt, trotz innerer Hitze oder Abneigungen gegen Wärme.
Ein ganz großer Klassiker unter den Symptomen einer Leber-Qi-Stagnation ist das prämenstruelle Syndrom (PMS). Weil die Leber auch den freien Fluss des Blutes kontrolliert. Und wenn schon Stagnation, dann richtig. Bereits im Vorfeld des Zyklus macht sich der Stau im Lebermeridian bemerkbar. Ein Ziehen entlang der Eierstöcke, Spannung im Brustbereich. Krämpfe im Unterbauch. Übelkeit. Launenhaftigkeit. Kopfschmerzen. Das volle Spektrum also. Die Entladung erfolgt unter Schmerzen, erfolgt heftig, mit dunklem, stagnierten Blut. Bei Männern kann es wiederum aufgrund des hohen Druck in allen Leitungen zu einer Unterversorgung des Unterleibes kommen, mit Erektions- oder Libidostörungen. Aber ob Mann, ob Frau, in Summe ist die Leber-Qi-Stagnation alles andere als ein angenehmer Zustand.
Symptome bei einer Leber-Qi-Stagnation
* Druck und Spannung, vor allem im Einflussbereich des Lebermeridians: Brustkorb, seitlicher Brustkorb, Bauch, Intercostalneuralgie
* Blähungen, Völlegefühl, Übelkeit, Verstopfung, aber auch unregelmäßige Verdauung und ein Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung
* Beschwerden vor oder während der Menstruation, Brustspannung, Stimmungsschwankungen, klumpiges Blut, unregelmäßiger Zyklus, Ausbleiben der Menstruation, Knoten in der Brust, Mastitis, Erektionsstörungen, Libidostörungen
* Kopfschmerzen, Tinnitus, Schwindel, erhöhter Augeninnendruck, Hypertonie
* Kloßgefühl im Hals, häufiges Seufzen oder Räuspern, Schluckauf
* Depression, Frustration, Reizbarkeit, Stimmungslabilität, Wutausbrüche, Erschöpfung mit innerer Anspannung
Kalten Hände und Füße bei innerer Hitze
Puls- und Zungendiagnose
In Puls und Zunge spiegeln sich der Zustand des Staus und der Spannung wieder.
Puls: Qi-Stagnation drückt sich vor allem durch einen gespannten Puls aus (Xian Mai). Führt die Qi-Stagnation auch zu Blut-Stagnation kann der Puls zusätzlich rau sein (Se Mai).
Zunge: Der Rand der Zunge wird dem Holzelement zugeordnet. Stau drückt sich gerne durch eine Schwellung aus, hier vor allem der Ränder.
Wichtig: In der Traditionellen Chinesischen Medizin gibt es noch weiter Ursachen für eine Leber-Qi-Stagnation, wie zum Beispiel Qi Mangel, Yang Mangel, Nässe, Blut Mangel etc... Je nachdem werden diese Ursachen in einer differenzierten Puls- und Zungendiagnose berücksichtigt und dementsprechend als Ursache mitbehandelt.
Ein Zeitgeistphänomen?
Ja. Leider. Die Leber gilt als das Organ der Vision. Wie eine im Frühjahr aus dem Boden schießende Pflanze bereits den fertigen Entwurf der Blüte in sich trägt. Die Leber enthält unsere Lebensvision, den großen Masterplan, der vor allem die Seele ernährt. Was ist dein Traum? Was würdest du tun, wenn du frei wärst, wirklich alles zu tun? Die Leber weiß die Antwort. Aber hören wir wirklich auf sie? Oder hören wir eher auf das, was Eltern, soziales Umfeld oder Gesellschaft vorgeben? Unsicherheit, andere Meinungen, innere und äußere Verbote, das alles hindert uns an der Entfaltung. Unsere Lebensenergie stagniert. Uns bleibt nichts anderes übrig, als sie immer wieder zu zerstreuen. Durch Ablenkung oder Exzess, ob in Form von Alkohol oder anderen Süchten. Wir müssen tun, sonst fühlen wir uns nicht rund. Das gilt auch für Sport, Reisen oder Workaholics.
Eine entspannte Leber muss gar nichts. Weil man im Einklang mit sich selber lebt. Man kann. Man darf. Man will. Aber man muss nicht. Die beste Behandlung für eine Leber-Qi-Stagnation ist die Umsetzung seiner Träume. Auf dem Weg dorthin gibt es jedoch viele Unterstützungsmöglichkeiten. Diese folgen im nächsten Blog...
Entsprechende westliche Diagnosen sind häufig: Schmerzen im Hypochondrium, Intercostalneuralgie, Gallensteine oder eine Entzündung der Gallenblase, Menstruationsstörungen, Knoten in der Brust, PMS, Laktationsstörungen, Mastitis, chronische Kopfschmerzen, Schwindel, Tinnitus und Schwerhörigkeit, gutartige Struma, Hyperthyreose, Globusgefühl, Verstopfung, Roemheld-Syndrom, Reizdarm-Syndrom, Depression, Wechseljahres-Beschwerden, Alkoholabusus, Hypertonie
Vorkommen:
Wir brauchen leichtes Gepäck, physisch wie psychisch, um uns frei entfalten zu können. Der Fluss des Lebens, er will fließen, stehen ihm Hindernisse im Weg, staut er sich, Druck baut sich auf und auf Druck ist das Holzelement besonders sensibel. Denn Druck erzeugt Spannung, Druck erzeugt Enge. Das Holzelement braucht aber Flexibilität und Raum. Weil Wachstum immer ein dynamischer Prozess ist, der Anpassung und Richtungswechsel erfordert. So wie die Natur im Frühjahr bestimmte klimatische Verhältnisse braucht, um sich voll entfalten zu können, können wir mit unserer Ernährung die Holzqualität in uns unterstützen, damit wir wie eine Pflanze bestmöglichst wachsen und zur Blüte gelangen.
Unsere Holzenergie braucht immer genügend Wasser, damit sie nicht austrocknet und geschmeidig bleibt. Anders ausgedrückt: Sind wir immer aktiv, sind wir immer in Bewegung, dann ist es wichtig, über eine entsprechende Ernährung das Holz genügend zu befeuchten, ansonsten werden wir spröde, wir verlieren unsere Beweglichkeit, wir verlieren den Spaß im Leben, wir verlieren die Frühlingsqualit.t in uns, wir verlieren die Leichtigkeit. Wir tun zwar viel, wachsen aber nicht mehr wirklich. Wir fühlen uns eingeengt und angespannt. Das Hamsterrad lässt grü.en. Sind wir Reibung und Druck über einen längeren Zeitraum ausgesetzt, dann entsteht Hitze, wir laufen heiß, wir sehen rot, wir sind gereizt und explosiv. In diesem Fall können wir mit der richtigen Ernährung das hitzige Temperatment abkühlen und entspannen. Jede Lebensphase, in der wir uns eingeschränkt oder überlastet fühlen und uns nicht entfalten können, ist eine Phase der stagnierenden Holzenergie. Jede Phase des Aufbruchs und des Neuanfangs ist eine Holzphase im Leben. In der Küche können wir den Frühling in uns zum Blühen bringen.
Nach dem langen Winter tut es richtig gut: Das erste Grün, das sich zu zeigen beginnt. Wachstum passiert von selbst, stimmen die Vorraussetzungen. Den Boden lockern, genügend Feuchtigkeit, Licht und Wärme, nicht überdüngen, nicht mit zuviel Erde bedecken, so wachsen Pflanzen leicht und schnell. Wollen wir die Frühlingsqualität in uns zur vollen Entfaltung bringen, können wir mit unserer Ernährung die notwendigen Vorraussetzungen schaffen. Entfaltung braucht Raum und Leichtigkeit. Die Zeit der üppigen Wintermahlzeiten ist vorbei. Wir müssen nicht mehr heizen, speichern, aufbauen. Wir wollen uns bewegen. Das Holzelement in uns freut sich, wird es nicht mit schwerer Kost belastet. Es freut sich, wenn es entlastet wird. Bewegung ins System kommt durch das große Angebot an saisonalen Lebensmitteln. Die Frische macht‘s. Frühlingskr.uter, Blattgemüse, Radischen, hervorragend geeignet, um den Stoffwechsel in Schwung zu bringen. Zudem kommt, dass vieles, was im Frühling wächst - ob Löwenzahn oder Spinat, ob Kresse oder Bärlauch - einen direkten Bezug zu Leber und Gallenblase hat, die dem Holzelement zugeordneten Organe. Vor allem Leber und Gallenblase sind besonders empfindlich auf Hitze und Überlastung. Das müssen wir auch im Kochstil berücksichtigen. Leichte, lebendige Nahrung ohne Extreme, das ist genau das, was dem Holzelement gut tut!
REDUKTION UND FASTEN: Zuviele Kalorien, zu viele Kohlenhydrate, zuwenig Bewegung: Das fördert die Einlagerung von Fett in der Leber, eine Ernährungweise, die weit verbreitet ist. Die dynamische Holzzeit erfordert aber leichtes Gepäck, es gilt Ballast loszuwerden. „Die Leber ist in der Traditionellen Chinesischen Medizin das Frühlingsorgan schlechthin. Frei von der Leber soll das Leben sein. Belastung und Stagnation verhindern diese Entfaltung.“ In vielen Kulturen ist die gesundheisfördernde Wirkung des Fastens verankert, vor allem im Frühling. 40 Tage dauert zum Beispiel die klassische Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostern. 40 Tage Reduktion. Körper und Geist werden dadurch leichter, erleichtert, physisch wie psychisch wird Raum geschaffen, damit sich die Kraft des Holzelements voll entfalten kann. Fastenmethoden gibt es viele. Was zählt, ist Extreme zu vermeiden. Jede vernüftige Reduktion für einen vernünftigen Zeitraum entlastet die Leber, der es nämlich schnell zu viel wird. Immerhin, die Leber ist das größte innere Organ und die größte Drüse im menschlichen Körper. Sie ist ein mächtiges Kraftwerk und hat so oder so schon alle Hände voll zu tun. An die 500 Aufgaben für Entgiftung, Stoffwechsel, Blut- und Blutbildung und Immunsystem hat sie zu erfüllen
WAS ZU VERMEIDEN IST: Drei Aspekte machen die Holzqualität in uns besonders mürbe und der Leber zu schaffen: Druck, Trockenheit, Hitze. Lebensmittel und Zubereitungsmethoden, die diese Zustände hervorrufen, sind daher auf jeden Fall zu vermeiden. Druck entsteht durch zuviel üppiges Essen. Vor allem aber durch zuviel Fett und Öl, durch zuviel Frittiertes, Paniertes oder Überbackenes. Die Leber ist wie ein Hochleistungsmotor, der bestes Schmiermittel braucht. Minderwertiges Fett oder Öl führt zu vermehrter Reibung und Ablagerungen. Die Folge: Erhöhter Cholesterinwert, Entzündungen, Gefäßverengung. Vor allem Transfette sind Gift für Leber und Galle. Das Problem: Sie verstecken sich. In Chips, Pommes, Blätterteig, Fertigsuppen, aber auch in Müsliriegeln oder Frühstücksflocken. Zudem kommt: Die Leber leidet als Entgiftungszentrale auch unter jeglicher Form von Zusatzstoffen in unserer Ernährung, ob Konservierungsmittel, Farbstoffe, Geschmacksverstärker oder Stabilistoren. Wer dem Holzelement gutes tun will, streicht Fertigprodukte und denaturierte Nahrung vom Speiseplan. Trockenheit und Hitze enstehen wiederum durch Zubereitungsmethode, Geschmacksrichtung und thermische Wirkung. Vor allem Scharfes belastet das Holzelement. Scharf macht uns heiß, scharf trocknet aus. Ein gut gemeintes Chili treibt den Schweiß aus den Poren. Ein stark gewürztes Lammfleisch macht durstig. Scharf ist gut, um einzuheizen. Aber zuviel Sonne und Hitze dörrt eine Pflanze aus. Sie wächst nicht mehr. Zuviele Lebensmittel mit scharfem Geschmack machen aus der saftig grünen Frühlingsenergie in uns eine Steppe.
Scharfe Lebensmitteln sind zum Beispiel Nelken, Curry, Ingwer, Knoblauch, Lauch oder Zwiebel, genauso wie die beliebten Gewürztees Aber auch alle Formen von scharfen alkoholischen Getränke. Schärfe, oder besser Hitze, entsteht auch durch bestimmte Zubereitungsmethoden wie Grillen oder scharfes Anbraten. Diese Kochformen sind hervorragend, um Kältezustände zu vertreiben. Unser Holzelement reagiert darauf allerdings wie in einer Sauna. Es trocknet. Austrocknend wirken auch Lebensmittel mit einem geringen Wassergehalt, wie Toastbrot, Knäckebrot oder salziges Knabbergebäck. Jetzt: Wie können wir das Holzelement feucht, flexibel und lebendig halten? > SAUER MACHT LUSTIG: Sauer ist der dem Holzelement zugeordnete Geschmack. Sauer entspannt die Leber. Weil sauer in der Traditionellen Chinesischen Medizin die Feuchtigkeit im Körper bewahrt. Sauer steht dabei in Oposition zum scharfen Geschmack. Scharf öffnet die Poren, scharf bewegt Energie. Essen sie eine Jalapeno, um sich davon zu überzeugen. Oder beißen sie in eine Zitrone. Sauer zieht zusammend, verschließt die Oberfläche des Körpers und leitet die Energie nach innen. Diese spezielle Wirkung schützt vor dem Austrocknen. Das Holzelement bleibt dadurch flexibel und geschmeidig, kann wachsen und sich entfalten. Das macht fröhlich und zufrieden. Wie immer gilt jedoch: Zuviel des Guten ist selten gut. Übertreibt man mit dem sauren Geschmack, kann diese zu Feuchtigkeitsproblemen und Stagnation führen. Wegen der bewahrenden Wirkung sollten saure Lebensmittel generell gemieden werden bei: Feuchtigkeitsproblemen wie Ödemen, Übergewicht mit Flüssigkeitsansammlungen, Verschleimung (häufiger Schnupfen mit viel Auswurf, Nebenhöhlenproblemen...), entzzündlichen Übersäuerungszuständen (Gastritis...), aber auch bei akuten wie chronischen Krankheiten. > DARF ES AUCH EIN BISSCHEN BITTER SEIN? Ja. Bitterstoffe haben einen sehr positiven Effekt auf Leber und Gallenblase. In der Traditionellen Chinesischen Medizin zählt neben der Geschmacksrichtung aber auch noch die thermische Wirkung. Bitter und kühl / kalt (z.B.: Chicoree, Endiviensalat, Rucola…) tut dem Holzelement gut. Bitter und warm / heiß (z.B.: Lorbeer, Kaffee, Kakao…) kann das Holz austrocknen, zumal der bittere Geschmack eine nach unten gerichtete ausleitende Wirkung hat. Aber gerade diese nach unten gerichtet Wirkung kann heiß gelaufenes oder brennendes Holz kühlen, sprich bei allen aufsteigenden Hitzesymptomen sind bitter kühlende Zutaten das Mittel der Wahl. Bitterstoffe können auch dazu beitragen, dass es gar nicht soweit kommt. Sie stimulieren die Verdauungsorgane. Gallenflüssigkeit, Magensäfte und Insulin werden freigesetzt, zusätzlich werden die Funktion von Leber und Stoffwechsel angeregt. Belastendes Fett wird besser aufgeschlüsselt, Nährstoffe werden besser assimiliert, Blutmenge und Blutqualität nehmen zu, das hält das Holz flexibel, feucht und geschmeidig. Zudem sorgen Bitterstoffe dafür dass ein Säureüberschuss im Körpers abgebaut und ausgeschieden werden kann. Die Bitterstoffe liefern dabei nicht nur Basen, sondern unterstützen auch deren Produktion. Aber wie beim sauren Geschmack gilt: Ein Zuviel vermeiden!
DÜNSTEN, BLANCHIEREN, FERMENTIEREN: Wie man das Holzelement am schnellsten aus dem Gleichgewicht bringt? Mit einem stark gewürzten, fetten Stück Fleisch vom Grill. Dazu eine große Menge Alkohol. Das Holzelement mag genau das Gegenteil: Sanfte Zubereitungsverfahren mit geringer Hitze bei Erhalt der Flüssigkeiten und Inhaltsstoffe. Dünsten, kochen, blanchieren. Die Frische bewahren. Den Frühling im Essen bewahren. Das ist wichtig. Besonders zu empfehlen: „Kaltes“ Kochen, wie die Fermentation mit Mikroorganismen genannt wird. Fermentierte Lebensmittel enthalten zahlreiche natürliche Enzyme und aktive Milchsäurebakterien. Daher auch der saure Geschmack. Wir erinnern uns: Sauer bewahrt. Das saure Milieu sorgt zudem für eine lange Haltbarkeit. Der positive Einfluss auf den Verdauungstrakt ist enorm. Daher spricht man gerne von probiotischen Produkten. Pro: Für. Biotisch: Lebendig. Milchsäurebakterien unterstützen die Darmflora. Der Darm verwertet, verarbeitet, scheidet aus. Je besser er seine Arbeit macht, desto weniger wird die Leber belastet, da sie sich um weniger „Abfall“ kümmern muss. Wer gerne Fleisch ist, sollte unbedingt mehr fermentierte Produkte zu sich nehmen. Nicht ohne Grund ist Sauerkraut eine beliebte Beilage zu deftigen Gerichten. Das Wissen um diese Balance ist auch in unserem Erfahrungsschatz enthalten. Fermentierte Produkte verlieren viel von ihrer wohltuenden Kraft, wenn sie pasteurisiert und gekocht werden. Das Selbermachen ist nicht schwer. Nur so wird auch der volle Umfang an Vitaminen erhalten. > VITAMINE: Das Holzelement liebt sie. Sie wirken wie organischer Dünger, der Pflanzen bei der Entfaltung hilft. Sie haben Anteil am Stoffwechsel, am Aufbau körpereigener Substanzen wie Enzymen, Hormonen oder Blutzellen. Nur: Die Vitamine sollen aus der Nahrung kommen. Und nicht aus Präparenten. Denn: Ein Zuviel tut der Leber nicht gut.
DIE LEBER IN DER TRADITIONELLEN CHINESISCHEN MEDIZIN
* Die Leber ist ein sehr aktives Organ und tendiert zu Hitze und Stagnation. Daher soll man die Leber kühl halten und entlasten.
* Die Leber neigt schnell zu Trockenheit. > Blut und Yin sind für die Leber besonders wichtig, um ihre Tendenz zu Trockenheit und Hitze auszugleichen.
* Ist Hitze bereits vorhanden, gehört diese dringend gekühlt.