Dass Vorstellungen heilen können, wird von der modernen Schulmedizin nicht gerne zugegeben. Die medizinische Forschung aber ist sich der Kraft von Überzeugungen und Vorstellungen sehr wohl bewusst. So müssen alle zukünftigen Medikamente entsprechenden Testverfahren unterzogen werden, in denen sie gegen sogenannte „Placebos“ geprüft werden. Es handelt sich bei einem Placebo bekanntermassen um Tabletten, Säfte, Kapseln, die wie ein echtes Medikament aussehen, aber die Wirksubstanz des echten Medikamentes nicht enthalten. Sie werden einer Kontrollgruppe von Patienten verabreicht.
In den meisten Fällen bessern sich Krankheiten oder Beschwerden sowohl bei Einnahme von „echten“ Medikamenten als auch bei der Einnahme eines Placebos. Die Vorstellung, etwas (möglicherweise) Wirksames erhalten zu haben, spielt beim Heilungsprozess eine wichtige Rolle. Placebowirkungen bilden somit auch einen Bestandteil in der vom Patienten verspürten normalen Wirkung aller Medikamente. Als wirksam in medizinischem Sinne gilt ein Medikament dann, wenn es statistisch nachweisbar mehr Wirkung erbringt als das Placebo, wenn also zusätzlich zur Placebowirkung noch eine Steigerung durch die Wirkung der im Medikament verabreichten Substanz messbar ist. Man geht heute davon aus, dass durchschnittlich 50 – 60 % der Wirkung eines zugelassenen Medikamentes auf die Kraft der Vorstellung zurückzuführen sind.
Die klassische Medizin bezeichnet den Placeboeffekt als etwas Unerwünschtes, da er die „reine“ Wirkung der Medikamente verfälscht (nämlich verbessert!). Doch zeigt er deutlich, dass durch äussere Einwirkungen (beispielsweise die Gabe eines Mittels) Vorstellungen beim Menschen in Gang gesetzt werden können, die offensichtlich geeignet sind, die körpereigenen Heilkräfte zu mobilisieren. Wenn schon Vorstellungen Heilprozesse in Gang setzen können, liegt es nahe, diese zu optimieren, den Umweg über die Gabe von Placebos wegzulassen und sich direkt den Vorstellungen des Menschen und ihrer Wirkung auf die Selbstheilungskräfte zuzuwenden – wie das die Menschen immer schon taten. Der Einsatz von Imagination, Visualisationen und inneren Gesprächen ist eine Form davon. 
Eigenverantwortung ist die Mitte des Lebens, des Erkennens und Begreifens, die Mitte, aus der neues Denken und Veränderungen entstehen können. Diese Sicht aufs Leben stellt die heute gängigen Denk- und Verhaltensmuster in Frage. Selbstheilung misstraut aller nur auf Vernunft basierenden Medizin, die mit Leib, Leben und gesellschaftlichen Bezügen nichts mehr zu tun hat. Sie vertraut der inneren Kraft und setzt auf Eigenverantwortung. Krankheit an sich erfordert hohe Aktivität und Energiekonzentration – ein äusserst kraftvolles Geschehen! Krankheit ist eine Ausdrucksmöglichkeit von Lebensenergie. Der Mensch „weiss“ dabei, was er tut. Und das heisst auch, dass er von den Möglichkeiten weiss, wie die Harmonie wieder hergestellt werden kann. Wir müssen ihn nur fragen und zuhören lernen. Es geht darum, die Botschaft zu entschlüsseln und achtsam auf die Quellen der Selbstheilungskräfte zuzugehen. 

Mit Mut und Intuition kann es gelingen, sich mit der Krankheit in Verbindung zu setzen und sie auf diese Weise anders zu erleben. Grundvertrauen in die Lebensprozesse und die eigene Intuition werden so gefördert. Die Selbstheilungskräfte öffnen den Zugang zu einer tieferen Lebensdimension, die dem Alltagsbewusstsein nicht zugänglich ist: eine Art energetisches Netz, gebildet aus Lebensgewohnheiten, Körperprozessen, psychisch-seelischen Mustern sowie historischen, gesellschaftspolitischen, kulturellen und ökologischen Lebensbedingungen und spirituellem Sein. All diese Lebensaspekte sind miteinander verbunden und verwoben. 
Der Körper meldet sich unser Leben lang mit den unterschiedlichsten Symptomen und Beschwerden zu Wort. Mein Ich ist meine ganz persönliche Welt. Und die Qualitäten dieser Welt ergeben sich aus dem Bewusstsein meiner Persönlichkeit. Das aktive Hören auf mein Inneres kann die Quelle von unkonventionellen Lösungen sein, weil eine Erkrankung ein gutes Mittel der Wahrnehmung, des Verstehens und des Umgangs mit diesen Problemen ist. 

Im Laufe unseres Lebens machen wir alle ganz unterschiedliche Erfahrungen. Alles, was wir dabei empfinden, wird im Unterbewusstsein gespeichert und findet im Individuum Ausdruck. Jede Verletzung, sei sie körperlicher oder seelischer Art, bringt eine Verunsicherung, die sich in der Persönlichkeit manifestiert und widerspiegelt. Jeder Mensch prägt sich dabei sein ganz persönliches Verhaltensmuster ein, um sich zu schützen und um diese Unsicherheit auszugleichen. Und gleichzeitig wärmt uns jeder beglückende Moment wie die ersten Sonnenstrahlen im Frühling und bringt eine heilende Komponente in unser Leben. 

Die bekannte Aussage „Gib acht auf deine Gedanken, denn sie werden dein Leben gestalten!“ (vollständiges Zitat siehe am Schluss dieses Textes) beschreibt die Kraft unseres Geistes und das Zusammenspiel von Gedanken und äusseren Gegebenheiten im Alltag. Die zerstörerische Wirkung von Voodoozauber ist bekannt. Es ist die Verantwortung jedes einzelnen Menschen, wie er seine innere Kraft verwendet. Was ich glaube, bestimmt mein Leben. Die Hummelgeschichte beschreibt das anschaulich:


Die Hummel hat ein Gewicht von 1.2 g.
Die Hummel hat eine Flügel-Fläche von 0.7 cm2.
Nach den Gesetzen der Aerodynamik kann die Hummel nicht fliegen.
Nur – die Hummel weiss das nicht!

Jeder Mensch hat einen inneren Heiler, der jederzeit ansprechbar ist. Dieser Berater kennt den Menschen seit seiner Geburt, vielleicht schon seit der Zeugung, er kennt alle Stärken und Schwächen, seine Begeisterung und Resignation, seinen Mut und alle Ängste, seine Fähigkeiten und die noch schlummernden Potentiale. Er kennt die ganze Geschichte des Menschen, aber auch die Geschichte der Welt und alle Gesetzmässigkeiten der Natur. Er weiss vom Wachstum und vom Sterben. Er gibt Trost und Halt. Und er ist weise. Dieser Heiler weiss von dem, was der Erkrankte braucht. Er ist da für reflektierende Gespräche, für Unterstützung und zeigt neue, vielleicht nie geahnte Möglichkeiten auf. 
Sich auf die Suche nach dem inneren Heiler zu begeben, ist ein individueller Prozess, um zu seiner innersten Kraft und Stärke zu gelangen. Durch das Sich-Einlassen auf die eigenen Selbstheilungskräfte erhält etwas anderes in uns eine Sprache, nicht objektiv und sachlich über den Kopf, sondern aus dem Inneren, aus der Tiefe, aus einer ureigenen Kreativität hinaus, aus Gedanken, Gefühlen, körperlichen Belangen und Sinnes-Empfindungen. 


Aus dem Talmud 
„Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Deine Worte.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Deine Taten.
Achte auf Deine Taten, denn sie werden Deine Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.“


Weiterführende Literatur siehe:

Grundlagen der Traditionellen Europäischen Naturheilkunde, Raimann et al., Bacopa 2012