Dieser Artikel ist ein Kapitel aus dem neuen Buch von Wilfried Rappenecker, welches Ende 2026 erscheinen soll.

Was ist der Solar Plexus

Der Solar Plexus ist im Shiatsu der Raum im Zentrum des oberen Haras. Er ist nach dem Namen des anatomischen Sonnengeflechts (Plexus Solaris) benannt, einem komplexen Geflecht aus vegetativen Nervenfasern und -Knoten, das sich in der Tiefe des Oberbauches in der Höhe des ersten Lendenwirbels bzw. der Mitte zwischen Brustbein und Bauchnabel befindet. Hinter Magen und Bauchspeicheldrüse liegt es auf der Vorderseite der Bauchaorta. In diesem Nervengeflecht vereinen sich wichtige Nervenknoten mit sympathischen und parasympathischen Anteilen, welche Informationen und Steuerungsimpulse zwischen Hirnstamm und Bauchorganen austauschen. Das Sonnengeflecht wird als Teil des „Bauchgehirns“ angesehen.

Aus der Sicht des Shiatsu vereinen sich im Raum des Solar Plexus die im Mittleren Wärmers gelegenen Energien des Holzes und der Erde mit denen von Herz und Perikard aus dem Brustkorb. Die von Holz getragene Fähigkeit zu Selbstvertrauen, innerer Stärke und Mut, seinen Weg zu gehen, verbinden sich mit dem Gefühl von Sicherheit in dieser Welt, welche die Erde garantiert, damit verbunden der Fähigkeit, die Welt in sich aufzunehmen und ihre Impulse zu verarbeiten einschließlich eines gut funktionierenden Verdauungstraktes. Das dritte zentrale Ingredienz ist die Stärke des energetischen Herzens, die Fähigkeit zu lieben, und auch seine grundlegende Verletzlichkeit.

Bereits seit Jahrtausenden sieht die indischen Kultur im oberen Hara das dritte Chakra ‚Manipura‘ gelegen. In dieser Vorstellung wird hier die Fähigkeit zu Selbstvertrauen, innerer Stärke und Mut lokalisiert, ebenso Willenskraft und die Fähigkeit, Grenzen zu setzen. Entsprechend wird auch im Yoga dieses Chakra als wichtig angesehen; im Internet finden sich vielfältige Darstellungen hierzu.


Bedeutung des Solar Plexus in unserem Alltag

In unserem Alltag spielt der Raum des Solar Plexus eine zentrale Rolle. Hier zeigt sich zum einen die Fähigkeit des Holzes, dem Leben mit seinen Herausforderungen positiv zu begegnen. Ebenso zeigt sich hier die Erde, wie wir uns in der Welt sicher und zuhause fühlen und diese Unterstützung auch anderen Menschen anbieten können. Und wir können in auch unserem eigenen Solar Plexus ablesen, wie offen wir uns der Welt öffnen können, wie wir mit den unvermeidlichen Verletzungen unseres Herzens umgehen, und wie sehr wir glauben, unser Herz beschützen zu müssen.

Gerade die gefühlte Verletzlichkeit des Herzens zeigt die enge Verbindung des Solar Plexus zu unserer Psyche. Dies erklärt, warum er teilweise sehr sensibel auf seelische Belastungen reagiert, uns andererseits – wenn stabil – aber auch die Möglichkeit bietet, mit solchen Belastungen gut umzugehen. „Schmetterlinge im Bauch“ als Zeichen einer emotionalen Hochstimmung zeigen beispielsweise diese Verbindung. Auch das sogenannte Bauchgefühl, welches uns sagt, was jetzt richtig ist, wird zumindest zu einem Teil von hier aus genährt. 

Ist der Solar Plexus offen und kraftvoll, so fällt es leicht, der Welt offen zu begegnen, Willenskraft zu entwickeln, Herausforderungen anzunehmen und offen und mitfühlend auf andere Menschen zuzugehen. Dann darf das eigene Wachstum stattfinden, wir sind in der Lage, unseren Weg zu gehen und in einer Konfrontation zu uns zu stehen - selbst wenn wir uns unsicher fühlen.

Verletzungen oder Traumata aus der Kindheit sowie übernommene familiäre Muster des Umgangs damit können andererseits zu einer chronischen Anspannung in diesem Bereich geführt haben, die man nicht einfach willentlich ablegen kann. Solche alten Muster werden besonders durch Stress-Situationen und durch Angst getriggert und verstärkt. Man nimmt sich eher zurück und unterdrückt eigene Verhaltens-Impulse, im Besonderen solche der Ablehnung oder der Wut. Das Gefühl von dauerhafter Enge oder Druck im Oberbauch und unterem Brustkorb oder chronische Magenbeschwerden können die Folge sein.

Es fällt dann schwer, sich körperlich im Solar Plexus Raum aufzurichten: im Sitzen wie im Stehen besteht eine Tendenz, sich hier zurückzuziehen, einzuknicken. Menschen in solch einer Situation können leicht in ein Gefühl der Kraftlosigkeit, der Unsicherheit oder Ängstlichkeit gelangen. Es kann schwer fallen, Nein zu sagen oder Grenzen zu setzen, im Falle einer Konfrontation wird man eher mit Passivität oder Rückzug reagieren. Jedoch kann dieser Bereich auch quasi abgekapselt dem Alltagsleben teilweise entzogen sein. Dann ist dieser Zustand des oberen Haras nicht oder kaum bewusst und das Leben mit allen seinen Facetten kann scheinbar ungestört davon stattfinden. 

Hochsensitive Menschen, die immerhin etwa 30% aller Menschen ausmachen, sind hier besonders gefordert, den vielen auf sie einstürmenden Eindrücken aus der Umwelt entspannt und offen zu begegnen. Mitunter können sie es als größere Herausforderung empfinden, sich nicht in ihre private Welt zurückzuziehen, sondern gerade auch in ihrem Solar Plexus Raum den eigenen Weg positiv und kreativ nach außen zu vertreten.


Der Solar Plexus in der Arbeit mit unseren Klienten

In der Arbeit mit unseren Klientinnen und Klienten ist die Situation im Mittleren Wärmer und Solar Plexus häufig ein zentrales Thema. Im oberen Hara können wir die Kraft und Freiheit des Holzes direkt erfahren, ebenso die Sicherheit und Zufriedenheit des anderen Menschen in seiner Erd-Situation. Wir spüren, wie dieser offen auf die Welt zugehen kann bzw. in welcher Weise das eingeschränkt sein könnte.

Häufig finden wir das obere Hara durch eine angespannte Energie im Holz geprägt. Solches hat seinen Ursprung nicht selten in der Erde oder in der Energie des Herzens, die beide das Holz quasi damit beauftragen können, das freie Schwingen des Energiefeldes einzuschränken, um zu vermeiden, dass alte emotionale Verletzungen oder Unsicherheiten erneut berührt werden, was das Gleichgewicht des ganzen Menschen gefährden könnte. Ebenso kann sich aber auch der Bereich des Solar Plexus in einem tiefen Kyo-Zustand befinden, häufig mit deutlichen seelischen Themen und Bedürfnissen verbunden. Oder er kann passiv und spannungsarm wirken, beispielsweise weil der Mensch bisher nicht gelernt hat, hier Kraft aufzubauen.

Abhängig von der jeweiligen Situation haben wir in der Behandlung sehr unterschiedliche Möglichkeiten, auf den Solar Plexus zuzugehen. Vielleicht ist es v.a. hilfreich, erst einmal die wärmende Hand auf eine leer wirkende Hara-Zone von Herz und Perikard zu legen und abzuwarten, wie dieser Mensch auf schützende Berührung reagiert. Oft kann eine (größere) Hand auch auf beiden Rippenbögen liegen und diese leicht aufeinander zu ziehen, was auch ein Gefühl von Schutz vermitteln kann. All das sollte idealerweise verstärkt werden durch die entspannte und fokussierte Aufmerksamkeit in der Tiefe der Herz- oder Perikard-Zone (Innere Technik des Fokussierten Ki-Feldes).

Vielleicht fühlt es sich aber auch richtiger an, der Verletzlichkeit oder auch einer Spannung im oberen Hara durch ein klares tiefes Einsinken direkt zu begegnen. Treffen wir hier auf eine spürbaren Anspannung, so wird es wichtig, diese nur zu berühren. Wir geben ihr zu verstehen, dass wir sie respektieren, sie nicht durchbrechen wollen, sondern ihr nur begegnen und ihrer wahrscheinlich zunehmenden Entspannung zuschauen möchten.

Manchmal vermag ein rhythmisches Hin- und Herbewegen des Bereiches um die Rippenbögen und des oberen Haras deutlich festgefahrener Energie die Bereitschaft für eine Öffnung vorzuschlagen. Liegt eine spürbare chronische Anspannung im oberen Hara und Mittleren Wärmer vor, so kann die Technik des „Schmelzen Lassens“ die Spannung mindern sowie Öffnung und Durchlässigkeit erleichtern (siehe auch das Kapitel „Das Jitsu schmelzen lassen“).

Manchmal auch bietet sich die Tiefe des Solar Plexus an für einen indirekten Kontakt zur Energie des Herzens im Brustkorb. Die achtsame Arbeit mit der Tiefe hier kann einen direkten manuellen Kontakt mit der Herz-Energie vorbereiten oder einen solchen nicht selten sogar ersetzen. Innere Techniken können hier auf vielfältige Weise gewinnbringend eingesetzt werden.

Natürlich werden wir uns nicht auf die lokale Arbeit mit dem Solar Plexus beschränken, sondern - schon während wir dort arbeiten - Ausschau halten nach potentielle Resonanzbereichen (überwiegend solche im Kyo), mit denen wir die verletzliche Leere oder chronische Anspannung im Solar Plexus in Verbindung bringen können. Auf diese Weise erweitern wir den Resonanzraum und bieten dadurch mehr Freiheit für Veränderungen und für Öffnung an.


Aus dem Hara arbeiten - der Solar Plexus in der behandelnden Person

Von sehr großer Bedeutung ist der Solar Plexus für die Qualität und Wirkung von Berührung. Im Shiatsu wird immer davon gesprochen, aus dem Hara zu behandeln. Die für gute Berührung geforderte Präsenz im eigenen Körperraum und mein Mantra im Unterricht „Boden, Aufrichtung, Präsenz, Ausdehnung“ bezieht sich entsprechend auch auf alle drei Brennkammern und gleichermaßen auf die Räume von Herz, Solar Plexus und Unterem Tan Den.

Schon früh in meiner Unterrichtstätigkeit fiel mir jedoch auf, dass viele der Studierenden und Praktizierenden in ihrem Oberbauch quasi einknicken, und dass es ihnen schwer fällt, dem anderen Menschen von dort aus entspannt und offen zu begegnen. Einige können die Präsenz dort mit geringer Anleitung aufnehmen, anderen fällt das sehr schwer, nicht wenige können nicht einmal nach Aufforderung entspannt dort hinein atmen, ohne sich dafür anstrengen zu müssen. 

Das jedoch ist wichtig, denn in gewisser Weise kann man den Solar Plexus als den „Ort der Begegnung“ betrachten. Hier begegnet der Mensch der Welt und Shiatsu-Behandler auch ihren Klientinnen. Kann ich mit der Sicherheit des Mittleren Wärmers (Holz und Erde) und des Herzens entspannt und offen zu mir stehen in der Begegnung mit dem anderen Menschen, habe ich den Mut, mich dem anderen zu zeigen? Vielen Menschen und auch Shiatsu-Praktizierenden fällt das nicht leicht. Vielleicht sind sie sich dessen einfach nicht bewusst, haben sich bisher noch nicht damit auseinandergesetzt. Vielleicht aber haben auch die oben angesprochenen Mechanismen zur Bewältigung früher Krisen hier eine chronische Blockade erzeugt. 

Wenn sich Shiatsu-Praktizierende in solcher Weise den Klienten „nicht zeigen“, hat das zur Folge, dass das „System“ des Empfängers sie nicht richtig zur Kenntnis nimmt. Mir erscheint es so, dass es dann in dem gemeinsamen Resonanzfeld nicht wirklich vertrauen kann. Nimmt hingegen die behandelnde Person bewusst die Präsenz in ihrem Solar Plexus auf, so wird nahezu immer die behandelte Person einen tiefen Atemzug tun und tiefer entspannen. Diesen Effekt ist belastbar; man kann ihn meist beliebig erneut aufrufen.

„Aus dem Hara zu arbeiten“ ist aus meiner Sicht darum vor allem so zu verstehen, dass die Berührung aus Präsenz im Raum des Solar Plexus heraus kommt, unterstützt vom Herzen. Wenn Herz und Solar Plexus entspannt miteinander kommunizieren können, dann wird sich auch das Tan Den im Unteren Wärmer einklinken und zu einem starken Partner in diesem Dreierbündnis werden.

Die Präsenz im eigenen Solar Plexus ist neben der Präsenz in den anderen beiden Brennkammern auch eine der Voraussetzungen für eine verstärkte Resonanzfähigkeit der behandelnden Person, welche Klienten in das gemeinsame Resonanzfeld einlädt. Viele der Wirkungen von Shiatsu ereignen sich nach meinem Dafürhalten in diesem Feld. Darum ist es von Bedeutung, dass Klienten diesem Feld tief vertrauen und sich darin öffnen können. Siehe auch das Kapitel „Resonanz im Shiatsu“.

Beim Einsatz Innerer Techniken wird diese durch die Präsenz im eigenen Solar Plexus Raum ermöglichte verstärkte Resonanzfähigkeit wichtig. Sie nur ermöglicht es, eine Innere Technik nicht nur mental mit der Kraft des Geistes durchzuführen, sondern aus der Präsenz im eigenen Körperraum heraus. Eine Innere Technik nur mit dem Geist ausgeführt bleibt enttäuschend kraftlos; erst der eigene Resonanzraum gibt ihr die Kraft, welche sie wirksam werden lässt. 

 

Möglichkeiten, um den eigenen Solar Plexus zu entspannen und zu stärken

Gleichzeitig ist die Praxis Innerer Techniken auch ein erstklassiges Training, um Kontakt aufzunehmen zum eigenen Resonanzraum, ihn zu entdecken und zu kultivieren. Die Anwendung der Inneren Techniken macht es gerade erforderlich, sich der eigenen Position und der Präsenz im eigenen Körper bewusst zu werden und sie zu nutzen. Praktiziert man Shiatsu in diesem Sinne, so gilt das in gleicher Weise für die gesamte Shiatsu-Praxis.

Es ist möglich, die entspannte und offene Präsenz im eigenen Solar Plexus zu erlernen. Hier sind weitere Möglichkeiten neben regelmäßiger Shiatsu-Praxis aufgeführt, welche dabei helfen können:

Zum einen sollte man untersuchen, was einen im Alltag mit Stress- oder Angstgefühlen reagieren lässt, denn Stress und Angst verstärken Blockaden im Solar Plexus Raum. Ist dies eine zeitliche Enge, die Herausforderungen in der Familie oder im Beruf, schwierige Beziehungen, der Klimawandel, die politischen Entwicklungen oder anderes? Sind die Stress-auslösenden Faktoren im Leben erkannt, so kann man überlegen, wie man besser mit ihnen umgehen kann, vielleicht auch auslösende Bedingungen beeinflussen kann.

Dann kann es beispielsweise hilfreich sein, sich einmal am Tag 20 bis 30 Minuten Zeit dafür zu nehmen, sich einfach nur hinzulegen, auf den Rücken oder auf den Bauch, und nichts tun außer zuzuschauen wie die Impulse, gleich wieder aufzuspringen und zum Handy zu greifen, langsam nachlassen und wie man ruhiger wird und entspannter. In der Rückenlage legen Sie sich dabei ihre Hand auf den Oberbauch. Dies kann unterstützt werden durch eine tiefe und bewusste Atmung in den Bauch hinein, was natürlich auch im Stehen oder Sitzen hilfreich ist. Liegen Sie auf dem Bauch, so können Sie in den Raum des Oberbauches hinein spüren, ebenso in den Herzraum hinter dem Brustbein und schauen, ob dort eine Öffnung und ein Sich-Wohl-Fühlen möglich werden.

Selbst-Anpuku
Die japanische Tradition des Selbst-Anpuku hilft, mit dem eigenen Bauchraum vertraut zu werden und dort ein gutes Funktionieren aber auch anstehende Veränderungen anzuregen. 

Es gibt eine eher leichte und oberflächliche Version des Selbst-Anpuku, die Namikoshi gelehrt hat. Auf dem Rücken liegend legen Sie zu Beginn die Endglieder der Finger beider Hände flach und mit nur leichtem Druck auf den Solar Plexus und bleiben dort für 4 bis 6 ruhige Atemzüge. Dann wandern Ihre Hände zum linken Oberbauch und machen dort das gleiche, dann zum mittleren linken Bauch, dem linken Unterbauch, dem mittleren Unterbauch usw.usf. Den Atem lassen Sie entspannt fließen, wie er möchte. In dieser Weise folgen Sie einem größeren Kreis durch das ganze Hara um den Bauchnabel herum bis zurück zum Solar Plexus. Anschließend führen Sie das gleiche noch einmal in einem kleinere Kreis näher um den Bauchnabel herum durch. Sie werden beobachten, wie Sie langsam von Position zu Position der Hände immer mehr entspannen können und am Ende am liebsten gar nicht mehr aufstehen mögen.

Die tiefer reichende Version des Selbst-Anpuku geht etwas anders. Dazu setzen Sie sich idealerweise im Fersensitz auf den Boden (es geht aber auch leicht modifiziert auf einem Stuhl; jedoch nicht optimal im Liegen). Ihre Hände halten Sie so, dass die Handrücken zum Boden zeigen und die 4 Finger außer dem Daumen aufgestellt sind. Nun lassen Sie ihr Hara auf die drei mittleren aufgestellten Finger sinken, so dass diese die Tiefe Ihres Bauches erreichen. Am unteren Hara unterstützen Sie das Einsinken dadurch, dass Sie zusätzlich die Finger aktiv leicht tiefer drücken; am oberen Hara ist das nicht notwendig, hier genügt das Einsinken des Haras auf die aufgestellten Finger.

Achten Sie darauf, dass Sie tief einsinken, so weit wie es eben geht, und halten Sie diese Tiefe für 4 ruhige Atemzüge. Ist der Kontakt in einer Tiefe unangenehm oder schmerzhaft, so gehen Sie ein klein wenig aus der Tiefe heraus, verweilen dafür aber etwas länger. Auch an solchen Stellen, wo der Tiefenkontakt angenehm ist, dürfen Sie etwas länger bleiben. Beginnend im Solar Plexus Raum folgen Sie in dieser Weise einem größeren und dann einem kleineren Kreis  - wie für das oberflächliche Anpuku beschrieben. Vielleicht entwickeln Sie auch ein eigenes Muster von zu berührenden Orten, denen Sie im ihrem Hara gerne folgen möchten. Am Schluss sitzen Sie einfach noch für einen Augenblick, spüren in Ihr Hara hinein, registrieren und genießen die Veränderungen, welche diese Praxis in Ihrem Bauchraum ausgelöst hat.

Selbst-Anpuku hilft allerdings nur, wenn man es regelmäßig macht. Ich selber habe es für 20 Jahre nahezu täglich durchgeführt, heute mache ich es noch 2 bis 3 mal in der Woche. Nehmen Sie sich die Zeit, am besten immer etwa zur gleichen Tageszeit, das macht es leichter. Auch wenn zu Beginn einer solchen Praxis keine atemberaubenden Wirkungen zu verzeichnen sind, bleiben Sie dran - mittel- und langfristig lohnt es sich sehr!

Sehr zu empfehlen für die Entwicklung eines offenen Solar Plexus Raumes ist ferner die regelmäßige Praxis von Yoga, Qi Gong, Meditation oder anderen Methoden, die das Erleben von Raum im eigenen Körper unterstützen. Insbesondere im Yoga gibt es einige Asanas, welche richtig ausgeführt Kraft und die Freiheit zur Entspannung im Solar Plexus fördern, beispielsweise ‚der Krieger‘, ‚die Kobra‘, der „Drehsitz“ oder ‚das Boot‘.

Waldbaden oder Wandern in der Natur vermag die innere Anspannung und Stress-Enge zu lösen und Glücksgefühle entstehen zu lassen. Auch sportliche Aktivitäten schenken uns Wohlgefühl im Körper; zudem baut dabei der aktive Körper die innere Spannung des Holzes ab, so dass man ruhiger werden kann und in der Folge im oberen Hara entspannter.

Naturgemäß unterstützt eine gesunde und ausgeglichene Ernährung den Bauchraum und den Raum des Solar Plexus. Hastiges Essen unter Zeitdruck wirkt sich entschieden ungünstig aus. Alle Nahrung, die das Holz in Anspannung bringt und so dessen Tendenz zu Stagnation verstärkt, sollte zumindest deutlich reduziert werden wie beispielsweise scharf gebratenes rotes Fleisch oder hochverarbeitete Fleisch- oder auch andere Produkte. Nahrung, welche die Harmonie in der Erde erhöht, wird sich hingegen positiv auswirken. Hirse, gelbes Gemüse, Kurkuma, Ingwer oder Fenchel werden beispielsweise dem Erd-Element zugeschrieben. In dem lesenswerten Buch „Handbuch TCM-Ernährung“ von Franziska und Beatrice Trebuth finden sich viele wertvolle Hinweise auf eine Ernährung im Einklang mit den Wandlungsphasen.

Insgesamt sind chronische Verspannungsmuster im Raum des Solar Plexus meist tief eingegrabene Muster, die sich nicht einfach ablegen lassen. Häufig erfordern sie eine lebenslange und gleichzeitig freundlich-geduldige Auseinandersetzung mit dieser Seite des eigenen Selbst. Die oben genannten Übungen und Möglichkeiten unterstützen diesen Weg immer wieder aufs Neue. Die eigene Shiatsu-Praxis hilft dabei.


Wilfried Rappenecker 2026