Sport – eine beachtliche Sprunghürde für meinen inneren Schweinehund, sich einmal mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Warum Sport ? Warum überhaupt Bewegung, wo wir doch heute alles vom Schreibtisch aus erledigen können?
Natürlich sagen alle Medien auf der Welt, daß Bewegung gesund ist. Bei den Tibetern im Himalaya (von wo aus ich gerade schreibe) gibt es Übungen mit dem Lotos-Sitz unten, aber eher ungesund aussehend hochgezogenen Schultern, gepaart mit einer Pranayama-Übung, wobei die Arme abwechselnd ausgestreckt und dann im Wechsel auf jeden Nasenfügel gesetzt werden.
Das ist nicht unähnlich der Qi-Gong Übung „Im Reitersitz den Jagdbogen abschießen“, wie ich es auf Taiwan bei Meister Lee gelernt habe. Wenn man diese Bewgungen zum ersten Mal sieht, sehen es genauso unnatürlich aus, wie die Senioren, welche mit ihren Walkingstöcken durch den Wald staksen. Warum also sollte das gesund sein?
Eine im November 2023 1 veröffentlichte Studie aus Norwegen zeigt sogar, daß erhöhte körperliche Aktivität mit einem höheren Demenz-Risiko im Alter einhergeht. Dr. Kirsten Nabe-Nielsen, sagte dazu: „Der Leitfaden der WHO zur Prävention von Demenz und Krankheiten im Allgemeinen erwähnt körperliche Aktivität als einen wichtigen Faktor. Unsere Studie legt jedoch nahe, dass es eine „gute“ Form der körperlichen Aktivität sein muss, was harte körperliche Arbeit nicht ist.“
Viele der 7000 Teilnehmer arbeiteten im Beruf mit erheblichem Einsatz von Armen und Beinen und Bewegung des gesamten Körpers, wie zum Beispie Klettern, Heben, Balancieren, Gehen, Bücken und Umgang mit schweren Materialien.
Andere Studien 2 erklären, daß dauerhafte körperliche Aktivität eher zu cardiovaskulären Erkrankungen führen kann, und nennen es das „Körperliche Aktivitätspradox“. Einer der Studienleiter, Dr. Taylor Quinn erklärte dieses Phänomen so:
„Eine Person, die körperliche Aktivität bei der Arbeit macht und dabei gestresst ist, ist wahrscheinlich einem höheren Risiko ausgesetzt als jemand, der auch körperlich aktiv arbeitet, aber keinen damit verbundenen psychischen Stress hat.“
Demnach gibt es also gute und schlechte Aktivitäten – Bewegung alleine macht noch nicht gesund.
In der Schule gab es ebenfalls den Spruch „Sport ist Mord“, und die Sportverletzungen von Ermüdungsfrakturen bis zum in den letzten zwei Jahren oft beobachteten plötzlichen Herztod, scheinen dem recht zu geben. Auch gegen das Argument, Sport fördere die Durchblutung sprechen die Läuferanämien und Marschhämoglobinurien. Also besser kein Sport als Beruf ?
Laut neueren Studien erzeugt der Streß durch die Kompetition, gepaart mit Perfektionismus häufig ein Burn-out der Athleten 3 und somit ist es hier der Geist, der den Körper krank macht.
Unsere Patienten sind zwar selten Leistungssportler, leider aber auch unter Leistungsdruck, wie hier ein Patientenfall zeigen soll.
Kein Sport- und deshalb Burn-out ?
Ein 33-jähriger erfolgreicher mittelständiger Unternehmer kam mit den klassischen Symptomen Schlafstörungen, Bluthochdruck und Herzbeschwerden. Seine Eigenmedikation war viel Bier gegen die Durchschlafstörungen (mit Grübeln) und ignorieren (!) seiner Arrhythmien bei Stress, den er täglich hatte.
Trotz seiner 112 Kilo bei 1,87m fand der Kardiologe nur einen leichten Linksschenkelblock und verschrieb 8mg Candesartan (?). Als ich 6 Monaten mit einer Überdosis Hong Jing Tian seine Schlafstörungen und den Stress gebessert hatte (kein Herzstolpern mehr), und seine Reizbarkeit besser war, fühlte er sich wieder so wohl, daß er eine weitere Firma aufkaufte und beschloss zum nächsten Geburtstag den Kilimandscharo zu besteigen (!!).
Immerhin hatte er 12kg Gewicht verloren und die halbe Dosis des Sartans reichte, um den Blutdruck zu normalisieren.
Morgens:
Hong Jing Tian 75g (allmählich gesteigert!)
Ci Wu Jia 18g
San Qi 12g
Jiang Huang 12g
Chai Hu 9g
Ku Shen 12g
Bai Shao 6g
Chuan Xiong 18g
Xiang Fu 18g
Yin Yang Huo 30g
Xian Mao 12g
Zhi Gan Cao 6g
Abends:
Dan Shen 18g
Nü Zhen Zi 12g
Han Lian Cao 12g
Ku Shen 12g
Zhi Fu Zi 3g
He Huan Pi 12g
Suan Zao Ren 18g
Shi Chang Pu 6g
Mai Men Dong 30g
Da Zao 12g
Wie man hier sieht, waren die Arzneipflanzen nur sekundär gegen den Blutdruck (Yin Yang Huo, Xian Mao) oder die Arrythmien (Ku Shen, Nü Zhen Zi, Han Lian Cao) eingesetzt, wenngleich auch gegen Blutstase (Jiang Huang, Chuan Xiong, Dan Shen, San Qi) und Qi-Stagnation (Xiang Fu, Chai Hu, Bai Shao).
Der Schwerpunkt lag hier aber eindeutig auf die Psyche, das Shen beeinflussende Arzneien: Hong Jing Tian, Ci Wu Jia, He Huan Pi, Shi Chang Pu, Suan Zao Ren und Da Zao.
Bestimmt hätte obigem Patienten auch mehr Bewegung nicht geschadet.
Was ist mit den sportlich aktiven, jungen Patienten, die trotz ihrer sportlichen Ambitionen in den Coronajahren plötzlich aus dem Sattel geworfen wurden?
Viel Sport – und dennoch Herzerkrankung ?
Typisch zum Beispiel war ein junger (29), sportlicher Patient, der vor der Corona-Infektion nie auffällige Pulsdiagnosewerte hatte (vorher 15 Pulstastungen), daß er drei Wochen nach dem Verschwinden der Symptome (Fieber, Kopfschmerzen, Erkältungssymptome für eine Woche) eine Veränderung des Pulsbildes hatte.
Er selbst gab an, keinerlei Symptome hinsichtlich seines Herzens gehabt zu haben, sein Puls hatte sich aber in Richtung eines nicht verlangsamten Jie-Mai (knotiger Puls) verändert, d.h. in unregelmäßigen Abständen 8 ca. alle 3-6 Pulsschläge) kam es zu einer Verzögerung im Millisekundenbereich (keine respiratorische Arrythmie), die in diesem Patienten deutlicher hervor trat, als in anderen.
Dies deckt sich mit Erkenntnissen der Studie aus Frankfurt, bei welcher 78 von Hundert der COVID-Genesenen unter Herzbeteiligung und 60% der Untersuchten unter einer Myocarditis gelitten hatten. 4
Da der Jie-Mai (knotiger Puls) als langsamer Puls definiert ist, kann man hier entweder einen anderen Namen vorschlagen, oder wenn man es als Jie-Mai bezeichnet, die Verlangsamung im Vergleich zur eigenen Normfrequenz während einer Minute setzen, was aber nur schwer zu verifizieren ist, da die Frequenz sich von vielen Faktoren beeinflussen läßt (Stress, Coffein, Schlafmangel etc.). Außer dem manchmal noch etwas oberflächlichen Lungen-Puls (Fu-Mai) waren die Zungenveränderungen dagegen unauffällig bzw. entsprachen solchen von anderen Atemwegsinfektionen.
In 2021 begann ich gezielt, alle Corona-Genesenen auf Herzsymptomatik zu untersuchen und mußte feststellen, daß es doch häufig außer Müdigkeit auch vermehrtes Nachlassen der Leistung beim Sport oder Alltag zu erkennen gab. Ein weiterer Patient zum Beispiel verspürte beim Laufen etwas weniger „Puste“ als zuvor. Viele Patienten hielten das für eine Folge der mangelnden Bewegung durch die Quarantäne und den bewegenungsarmen Homeoffice.
Bei arrhythmischer Herzbeteiligung habe ich immer etwas Nü Zhen Zi plus Han Lian Cao plus Ku Shen in die Rezeptur hinzugegeben, was sich hier bewährt hat, da die blutdrucksenkende und antarrythmisch hochwirksame, blutbewegende Arznei Gan Song (Nardostachys) leider nicht mehr zu bekommen ist, wenngleich es zuhauf in indischen Räucherstäbchen verwendet wird, denn die CITES-Kommision hat es wieder mal nicht auf die Reihe bekommen hat 5 zu bestimmen, welche Pflanzen tatsächlich bedroht sind und welche nicht.
Außerdem ergänzte ich auch die individuellen Arzneizusammenstellungen für meine Patienten in der COVID-Infektsaison durch eine Abwandlung der Yang Xin Tang, 6 in welcher vor allem Mai Men Dong und Dang Shen eine herzschützende Wirkung haben oder die Qi Shen Yi Qi-Kombination, die vor allem Dan Shen und San Qi mit Jiang Xiang (Dalbergia) und Huang Qi enthält, und sich bei cardiovaskulären Erkrankungen bewährt hat.
Diese werden - wie normal üblich und korrekt in der chinesischen Medizin - nicht als ganze Formel zu einem Wust von Arzneien aufgetürmt, sondern individuell dem Patienten angepaßt.
Ist der beispielsweise Patient älter oder hat schon Blutstasezeichen, dann kommen anstatt Dan Shen aus der Qi Shen Yi Qi Tang oder aus aus der Yang Xin Tang Arzneien wie Sheng Di Huang und Dang Gui in Frage, bei Schlafstörungen Bo Zi Ren und Suan Zao Ren oder Mai Men Dong aus dieser Formel; bei Thrombosegefahr San Qi aus der Qi Shen Yi Qi-Formel, und bei Lungenbeteiligung Wu Wei Zi und Ren Shen.
So kann man die individuellen Formeln in dieser Jahreszeit durch das Verständnis der Wirkung einzelner Arzneien sinnvoll ergänzen.
Blutstase bei zuviel und zu wenig Bewegung
„Blutstase ist die Verlangsamung des Blutflusses bis hin zum Stillstand,“ habe ich in meinem Buch über Blutstase (Xue Yu, 1.Ton) definiert, und Verausgabung ist eine der Ursachen dafür, ebenso wie ein Mangel an Bewegung einen sogenannten Blut-Stau (Xue Yu, 4.Ton) verursachen kann.
Die einen Patienten bekommen also Blutstase durch unsere sedentäre Gesellschaft mit Homeoffice, die anderen durch das Leistungsstreben und Verausgabung. Hier zwei Fälle von Blutstase durch Mangel an und durch zuviel Bewegung:
1. Zhang Xi-Chun beschreibt in seinem »Yi Xue Zhong Zhong Can Xi Lu« (Essentielle Aufzeichnungen über Chinesische und Westliche Medizin) im Abschnitt »Über San Qi« den Fall eines Hirtenjungen aus dem Nachbardorf, dem durch einen ziemlich derben Streich seiner Hirten-kollegen alle drei Ursachen für Blut-Stau gleichzeitig widerfuhren:
Nachdem man ihn niedergehalten und die Hände auf den Rücken gefesselt hatte, bog man ihn weit nach vorn und steckte seinen Kopf in den Hosenlatz, der anschließend zugeschnürt wurde, so dass er stundenlang in dieser Position, die im Volksmund »die Gurke anschauen« heißt, in der Sonnenhitze auf der Weide verweilen musste. Als man ihn fand, war er bereits ohnmächtig, konnte aber wieder zu Bewusstsein gebracht werden. Danach litt er jedoch unter einem ständigen Druck im Brustraum und konnte nicht mehr tief einatmen. Gelegentlich wurde er auch wieder ohnmächtig.
Als Zhang ihn behandelte, folgerte er, dass die hilflosen Anstrengungen, sich aus der stickigen Hose zu befreien, zusammen mit der Wut und dem durch die Sonnenhitze bereits erhitzten Blut dazu führten, dass das Blut nach oben in den Brustraum stieg und dort stillstand, weil es nicht mehr zirkulieren konnte, so dass daraus ein Blut-Stau entstand.
2. Bei dem zweiten Fall von Zhang Xi-chun enstand eine Blutstase durch Verausgabung:
Liu S. L. aus einem Dorf bei Yanshan, 25 Jahre alt, Fliesenleger, litt unter Blutstase mit Kurz- atmigkeit.
Ätiologie: Beim Reparieren, während angestrengtem Heben schwerer Gegenstände, fühlte er plötzlich einen Schmerz unter dem Rippenbogen, der aber nach einigen Tagen besser wurde. Zurück blieb dort ein Gefühl, als stecke etwas unter den Rippen, das das Atmen behindern würde.
Allgemeinzustand: Der Körper des Patienten war ursprünglich stark und kräftig, doch wäh- rend des folgenden halben Jahres, nachdem er sich die Krankheit zugezogen hatte, wurde er immer schwächer und empfand oft das Gefühl, dass etwas unter dem rechten Rippenbogen stecke, das ihn beim Atmen behinderte. Wenn er mit den Leuten sprach, musste er oft nach einem halben Satz abbrechen und Luft schnappen, bevor er weitersprechen konnte. Dieser Zustand verschlimmerte sich, wenn er ärgerlich war. Sein Puls war normal, nur etwas schwach (Ruo-Mai).
Diagnose: Durch die überstarke Verausgabung entstand eine Blutstase durch nicht zurück- geflossenes Blut in den Meridianen und Luo-Gefäßen des Leber-Meridians, das den Durch- gang des beim Atmen auf- und absteigenden Qi behinderte. Aufgrund des positiven Hinweises, daß der Puls, obwohl geschwächt, dennoch weiter hin spürbar war, lässt sich San Qi (Radix Notoginseng) als Einzelmittel einsetzen, welches die Blutstase allmählich auflösen wird, so dass sich danach das Qi wieder von selbst regulieren kann.
Bewegung von Geist oder Körper – oder beides ?
„Bei körperlicher Aktivität legt die weiße und graue Substanz des Gehirns deutlich an Gewicht zu. Zwischen den Nervenzellen werden neue Verbindungen geknüpft. Trainierte Menschen sind deshalb ein Stück weit vor den Folgen einer Demenz gefeit.“ 9
Georg Duda vom Julius-Wolff-Institut der Charité in Berlin
Wie das obige Zitat zeigt, kann körperliche Aktivität auch deutlich postive Auswirkungen auf das Gehirn und somit den Geist haben, anstatt die Demenz zu fördern. Doch wie steht es mit dem Sprichwort „Mind over Matter“? Kann man aber mit dem Geist auch den Körper beeinflussen, wie es in vielen asiatischen Systemen behauptet wird?
In China und Taiwan wird am Morgen in jedem Park massenweise Qi-Gong, Taijiquan oder Tanzen geübt. Doch ist es nur die Bewegung, welche die Alten jung hält?
Meister Lee lehrte uns immer: „Wenn ihr stillsitzt zum Meditieren, muß der Geist in Bewegung sein, und- umgekehrt wenn ihr bewegendes Qi-Gong übt, muß euer Geist die Stille verweilen“. Auch alle meine anderen Taijiquan und Qi-Gong-Lehrer haben betont, daß die Bewegung alleine ohne Atemtechnik und Aufmerksamkeit bzw. Visualisierung 10 keine optimalen Auswirkungen hat.
Stattdessen sagt man: „Das Qi folgt dem Yi, also der Aufmerksamkeit“, und tatsächlich gibt es für fast alle professionellen Sportarten Mentaltraining 11, bei welchen der Fokus beispielsweise auf bestimmte Muskelgruppen gelenkt wird. Die Sportmediziner formulkieren es so: <Aufmerksamkeit ist der Schlüssel zur Höchstleistung>.
Aber welche wissenschaftlichen Beweise gibt es das die Aufmerksamkeit als eine psychische Eigenschaft beim physischen Körper Veränderung bewirken kann?
Es gibt einige dokumentierte Fälle, bei welchen Hypnotisierte bei der Vorstellung, ein in Wirklichkeit kühler Gegenstand auf seiner Haut, sei ein glühendes Moxastäbchen tatsächlich Brandblasen entwickelt haben. 12 Ohne Zweifel konzentrierte sich die Aufmerksamkeit hier auf einen Punkt, welcher somit stärker durchblutet wurde und sogar eine lokale Hautreaktion erzeugte.
Aber es kommt noch besser: Muskelaufbau durch imaginäre Muskelbewegung!
Hierzu gibt es bereits eine Anzahl an Studien, welche bestätigen, daß sich die „Mind-Muscle-Connection“ effektiv funktioniert: Muskelwachstum läßt sich gezielt durch Visualisierung von Übungen stimulieren.
Doch wenn wir nach Asien schauen, geht die Wirkung des Geistes, das Biofeedback noch viel weiter:
Subjektiv spürbar sind Visualisierungen beispielsweise bei der Hitze-Erzeugung der tibetischen Tummo-Übungen und der Wärme im Unterbauch beim daoistischen Nei-Dan schon nach kurzer Zeit subjektiv feststellen.
Ist das noch Wissenschaft oder schon Esoterik, wird sich der Skeptiker fragen.
Doch auch hierzu gibt es eine Anzahl an Studien 14 :
Schon in den ersten Experimenten im indischen Dharamsala 1982, 2002 und 2006 konnte infolge des Einsatzes der Tummo-Technik eine Erhöhung der Temperatur in den Fingern der Probanden um bis zu 8,3 °C gemessen werden.
Eine neuere Studie 15 aus dem Jahr 2013 zeigte einen Anstieg der Körperkerntemperatur sowohl bei erfahrenen Meditierenden aus Osttibet als auch bei westlichen Nicht-Meditierenden. Diese Studie untersuchte die Wirkung von Tummo in Kombination mit der Visualisierungspraxis, die die traditionelle Technik begleitet, im Vergleich zu Tummo-Yoga, bei dem nur die Atemtechnik beteiligt ist. Die erfahrenen Meditierenden, welche die Tummo-Visualisierung und -Atemübungen nutzten, konnten die Körpertemperatur am meisten erhöhen.
Die Teilnehmer der westlichen Gruppe erhielten eine ausführliche Unterweisung in den Techniken, die zur Ausführung der verschiedenen Atemformen bei der Tummo-Übung erforderlich sind. Anschließend übten alle Teilnehmer der westlichen Gruppe diese Tummo-Techniken etwa 45 bis 60 Minuten lang. Danach wurden ihre Temperaturen gemessen. Unter herkömmlichen Bedingungen wurden Temperaturanstiege zwischen 1,2 °C und 6,8 °C beobachtet. Wenn zusätzlich zu den Atemübungen Visualisierungsmethoden eingesetzt werden, konnte dieser Temperaturanstieg über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten werden.
Vergleichbar mit den tibetischen ähnlichen Techniken sind solche des indischen Bhastrikā-Yoga, welche beide die Kundalini-Energie im untersten Chakra erwecken sollen und zum Ziel haben, diese Energie über einen mittleren Kanal names Avadhuti – welcher beim chinesischen System dem Chong-Mai entsprechen würde – hinauf zum Kronenchakra zu senden.
Analog dazu liegt im daoistischen System der Ofen „Lu“ welcher über sein Feuer den Kessel „Ding“ mit dem Yang-Qi (allerdings langsamer) aus dem unteren Zinnoberfeld „Dan Tian“ nach oben senden soll, über den Du-Mai hinauf und den Ren-Mai wieder hinunter. Alle drei Systeme haben gemeinsam, daß sie mittels des Atems und der Aufmerksamkeit bzw. Visualisierung im Unterbauch ein Feuer schüren sollen, welches dann zum Aufsteigen gebracht wird. Außer zum tibetischen Tummo sind mir allerdings keine Studien bekannt, welche sich näher damit beschäftigen.
Anders in der im Westen bekannten Biofeedback-Forschung, wo es ebenfalls darum geht, wie der Geist auf den Körper wirken kann. Hierbei werden im Körper des Patienten Parameter wie Atemmuster, Blutdruck, Puls (Frequenz, Amplitude und Variabilität), Herzratenvariabilität, Sauerstoffgehalt des Blutes, Hauttemperatur, Hautwiderstand, Muskelpotentiale und Gehirnströme gemessen.
Zum Einsatz kommen die Biofeedback Therapien unter anderem bei Schmerzen aller Art, Streß und Herz-Kreislauferkrankungen, wodurch sich der Kreis schließt, da die asiatischen Methoden ebenfalls Formen von Feedback zwischen Körper und Geist einsetzen 16 .
Es läßt sich also festhalten, daß Sport oder Bewegung mit der richtigen Geisteshaltung gepaart sein müssen, um Schäden durch Streß oder Verausgabung zu verhindern. Die Bewegungen von Atem, Geist und Körper sind also wohl die optimale Form, seine Gesundheit zu verbessern, sei dies im professionellen Bereich des Sports oder im stressigen Alltag.
Akupunktur und Moxibustion in Sport und Training 17
Moxa-Feuer erzeugt natürlich Wärme, vorwiegend durch die Nah-Infrarotstrahlung (NIR) der Verbrennung. Die Wirkungen von Nah-IR und Fern-IR auf den Organismus sind unterschiedlich. Es wird allgemein angenommen, dass NIR eine wichtige Rolle bei der biologischen Strahlungswirkung der Moxibustion spielt. Wenn NIR den Körper bestrahlt, ist das von der Haut reflektierte Licht relativ gering, die Energie kann etwa 10 mm tief in die Haut übertragen werden, das Gewebe erreichen und von diesem absorbiert werden
Die Moleküle des menschlichen Körpers absorbieren Energie aus IR und wandeln sie in Wärme um. Dadurch fördern sie die Durchblutung und verbessern die Zell- und Enzymaktivitäten.
Die Strahlung aus dem Nahinfrarot-Bereich (NIR) sorgt für die Produktion von zellulärem Melatonin in unseren Mitochondrien. Dieses subzelluläre Melantonin macht 95% des gesamten Melantonins aus, während die 5% aus unserer Zirbeldrüse nur bei Dunkelheit produziert wird und als Zeitgeber für unsere innere Uhren und den Schlaf wirkt. 18 Stattdessen hilft es dem Immunsystem 19 und der Reparatur geschädigter Zellen, durch eine Tunnelbildung von gesunden zu kranken Mitochondien.
Auch andere Antioxidantien werden in den Zellen gebildet, wenn das Infrarotlicht auf sie trifft. Wahrscheinlich deshalb, weil Teile der Mitochondrien welche verschiedene Lichtrezeptoren haben. 20
Doch diese Wärme schützt nicht nur vor Schäden, sondern regt auch die Energieproduktion an:
Die Zellen werden zur Bildung von Adenosintriphosphat (ATP) angeregt. ATP ist die primäre „Währung“ des Körpers für die biochemische Energieübertragung.
Vereinfacht ausgedrückt werden ihre Zellen dazu angeregt, mehr Energie zu erzeugen.
Erhöhte Energie in Ihren Zellen löst die Produktion von Fibroblasten aus, spezifischen Bindegewebszellen, die Kollagen und Elastin bilden Fibroblasten sind entscheidend für körperliche Veränderungen und den Heilungsprozess, wie zum Beispiel bei Sportverletzungen.
Die Erkrankung der „Energiefabriken“, also den Mitochondrien in unseren Zellen ist selbst noch ein sehr neues, und mit vielen Fragezeichen behaftetes Forschungsgebiet, 21 welches im Zusammenhang mit Long-Covid 22 und anderen Fatique-Syndromen neuen Auftrieb bekommen hat.
Moxibustion und die Behandlung mit Nah-Infrarot Geräten bewegen aber auf jeden Fall nicht nur stagnierendes Blut, sondern erhöhen auch die für Sport und Bewegung zur Verfügung stehende Energie.
In einer Studie aus dem Jahr 2021 wurden zum Beispiel die Punkte Magen-36, Pericardium-6, Ren-Mai4 und Ren-Mai6 moxibustiert, um Erschöpfung, Entzündung zu verringern und die Trainingsfähigkeit zu erhöhen. 23
Die größte Anzahl an Forschungsergebnissen findet sich natürlich bei der Akupunktur:
Bereits seit Jahren ist bekannt, daß Akupunktur nicht nur bei Sportverletzungen effektiv wirkt, sondern auch den maximalen Sauerstoffgehalt verbessert, die maximale Herzfrequenz erhöht, Muskelkater verhindert, allerhand Schmerzen und Schwellungen reduziert und die Muskelstärke die Beweglichkeit der Gelenke erhöht. 24
Eine Untersuchung zu Sport und TCM zeigte, daß Akupunktur die Genesung nach Verletzungen beschleunigen konnte, Muskelermüdung verzögern, die Muskelerregbarkeit erhöhen und die gesamte Ausdauer verbessern.
Elektroakupunktur an den Triggerpunkten Lieque (Lu7) und Hegu (Le4) oder Jianzhi (Pc5) und Neiguan (Pc6) verbesserte die Blutdruckregulierung, die Spitzenleistung der Sportler und das Doppelprodukt 25 erheblich.
Das Trockennadeln in den Infraspinatus verbesserte die Muskelkraft und -Muskeldicke bei Muskeldysfunktionen von Schulterverletzungen. Nach der Akupunktur war die Erzeugung der Außenrotationskraft bei 90° Abduktion erhöht.
Darüber hinaus veränderte die Akupunktur auch funktionelle Bewegungsmuster. Das Trockennadeln in den Trizeps surae führte sowohl zu kurzfristigen als auch zu unmittelbaren Veränderungen in einem der funktionellen Bewegungsmuster für das Überkopfkniebeugen 26 .
Während viele Muskelverletzungen gut auf Wärme der Moxibustion reagieren, können ältere Sportverletzungen mit Blutstase und Entzündung auch zuviel Hitze hervorbringen. In diesem Falle könnten beispielsweise folgende Punkte zur Anwendung kommen: Di 11, Di 4, Bl 40, Mi 10, Bl 17, Ni 6, Lunge 7, Ma 37, Ma 36.
Erklärung: Di 11 und Di 4, um im inneren Yang Ming die Hitze zu kühlen. Bl 40 kühlt Hitze auf der Blut-Ebene. Mi 10 und Bl 17 aktivieren den Blut-Kreislauf und zerstreuen die Blutstase. Ni 6 nährt Wasser und bändigt Feuer im Körper. Lu 7, der Luo-Verbindungspunkt des Lungen- meridians, kann in den Dickdarmmeridian eindringen und so im Unteren Erwärmer die Hitze kühlen. Ma 37, der untere See-Punkt des Dickdarmmeridians, kann den Qi-Strom innerhalb des Meridians glätten. Ma 36 nährt das Qi des Mittleren Erwärmers und verhindert Verletzung des Magens durch die starke Aktivierung des Blutes innerhalb des Körpers.
Fazit:
Wir können also sehen, auch beim Thema Sport und andere Bewegungen sollte von Anfang an Geist und Körper im Einklang sein, ob man es nun mit Juvenals „Mens sana in corpore sano“ hält, oder mit Pierre de Coubertins „Mens fervida in corpore lacertoso“.
Daß Sport überhaupt beruflich zu solchem Stress ausarten konnte, wie es heute praktiziert wird, mit Doping und Burn-Outs ist ohnehin bedenklich. Doch egal, ob Laien oder Profis Schäden durch flasche psychische oder physische Bewegungsmuster erleiden, unsere chinesische Medizin hat für alle Schäden ein Mittel, sei es durch Aku-Moxa, Tui-Na (die an dieser Stelle leider zu kurz gekommen ist 27) Arzneimitteltherapie, oder Qi-Gong und andere Methoden.
Sogar für Couch-Potatoes wie mich gibt es Ba Duan Jin – Übungen, die auch sitzend auf dem Sofa ausgeführt werden können 28.
Und – wer weiß, vielleicht kann man irgendwann auch das Bauchfett durch Visualisierung reduzieren. Bis dahin versuche ich einfach, das Bauchfett mit dem Feuer zu schmelzen… Es brutzelt schon…
Gunter Neeb, Taunusstein
1 https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2666776223001400?via%3Dihub
2 https://oem.bmj.com/content/78/10/724 und https://academic.oup.com/eurheartjsupp/article/23/Supplement_E/E168/6386352?login=false
3 https://journals.humankinetics.com/view/journals/jcsp/16/1/article-p55.xml
4 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7385689/
5 https://www.bfn.de/sites/default/files/BfN/service/Dokumente/skripten/skript227.pdf, geschrieben von einer philosophischen Kinderbuchautorin (!!!) und einer osteopathischen Tierschützerin. Die Baldrian-Verwandeten wurden hier alle in einen Topf geworfen, ohne die verschiedenen botanischen Varianten zu unterscheiden, und CITES daher natürlich mal wieder den Handel verboten hat, mit allem was irgendwie ähnlich ist. Vielleicht kehrt ja irgendwann die Vernunft ein, und solche Organisationen verlassen sich auf echte Experten dieser Gebiete. Biologen oder gar Botaniker, vielleicht?
6 Dang Gui, Sheng Di Huang, Shou Di Huang je 9 Anteile, Ren Shen, Mai Dong, Suan Zao Ren je 12 Anteile,
Bai Zi Ren, Wu Wei Zi und Fu Shen 6 Anteile, Zhi Gan Cao 3 Anteile
7 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3725842/
8 Gunter Neeb: <Das Blutstasesyndrom - Chinas klassisches Konzept in der modernen Medizin>, Verlag: Bacopa Verlag, „Blutstase durch Verausgabung“ siehe Ss. 75 ff und Blut-Stau Fall auf Seite 438ff.
9 https://www.wissenschaft.de/gesundheit-medizin/sport-ist-gesund-aber-warum/
10 Hier weichen die Lehrmeinungen voneinander ab: Beim Tummo wird visualisiert, beim Nei-Dan nur die Aufmerksamkeit auf die Punkte gerichtet, oder wie Damo Mitchell es formuliert „Intension vesus Attention“.
11 https://www.aok.de/bw-gesundnah/psyche-und-seele/bewusste-bewegung-die-rolle-von-achtsamkeit-beim-sport
12 https://www.swr.de/wissen/1000-antworten/kann-man-bei-menschen-allein-durch-suggestion-brandblasen-hervorrufen-100.html und https://practicaldermatology.com/articles/2020-mar/the-role-of-hypnosis-in-dermatology-more-than-mere-suggestion
13 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3783980/ und https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/14998709/ und https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4974856/, sowie deutsch (leider alt): https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-658-36131-0_8
14 Benson et al., 1982; Cromie, 2002; Richard Davidson 2006
15 Romanovsky 2013: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3612090/
16https://medschool.ucsd.edu/som/fmph/research/centers/integrativehealth/Documents/Overview_of_Yoga_Research.pdf und https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3085832/ sowie https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3707921/ und https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5446600/
17 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3789413/
18 Um es ganz genau zu erklären: Die Photonen der NIR-Strahlung erzeugen in den Mitochondrien NF-kB Proteine (nuclear Faktor 'kappa-light-chain-enhancer' activierter B-Zellen), was widerum das Enzym Serotonin-N-Acetyltransferase (AANAT) erhöht, welches die Umwandlung in zwei Schritten von (subzellulärem) Melatonin aus Serotonin erhöht. In: https://www.melatonin-research.net/index.php/MR/article/view/19
19 NF-κB Drives the Synthesis of Melatonin in RAW 264.7 Macrophages by Inducing the Transcription of the Arylalkylamine-N-Acetyltransferase (AA-NAT) Gene | PLOS ONE https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0052010
20 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2790317/ und https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29164625/
21 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37516673/ , https://www.ninds.nih.gov/health-information/disorders/mitochondrial-myopathies und https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15009163/ , sowie https://www.netdoktor.de/krankheiten/mitochondriopathie/
22 https://www.ifm.org/news-insights/mitochondrial-impairment-in-long-covid-19/ und https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36405232/.
23 https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2666337621000081#sec6
24 z.B. in https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38115589/ und https://journals.lww.com/nsca-scj/Abstract/2021/04000/Does_Acupuncture_Enhance_Muscle_Strength_and.11.aspx
25 Doppelprodukt des Herzens: Systolischer Blutdruck mal Herzfrequenz = Doppel-Frequenzprodukt, eine Schätzung der Belastung, die auf das Herz ausgeübt wird.
26 https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2666337621000081#sec2
27 Ein wenig mehr zu Tui-Na-Therapie bei Fülle und Leere in meiner Homepage https://www.youtube.com/watch?v=Gy_BHpC-h-E&t=0s und https://www.doc-n.de/yong-quan-ueber-tcm-tao-und-thrombozyten
28 https://en.wikipedia.org/wiki/Baduanjin_qigong oder z.B. https://www.youtube.com/watch?v=QvCgrQJlfVk