Ouyang Jianghe (Herr)
- Biografie:
- Ouyang Jianghe
Wenn er auch am Ende seines Lebens eine Honorarprofessur an der Pekinger Hochschule von Peking erhalten hat, so ist Ouyang Jianghe im Gegensatz zu nicht wenigen heute weltberühmten chinesischen Dichtern, die auch schreiben bzw. auch unterrichten, kein klassischer Akademiker. Bedingt durch die Kulturrevolution (1966-1976) und deren Nachwehen ist er Zeit seines Lebens "nur" Poet gewesen. Anfangs hat er sich als Liebhaber klassischer Musik seinen Lebensunterhalt durch Empfehlungen von Schallplatten etc. an Musikverlage verdient. Heute lebt er von seinen Kalligraphien. Pro chinesischem Zeichen werden zehntausend Yuan gezahlt bzw. um ein mehrfaches versteigert.
Ouyang Jianghe gehört nicht zu der Hermetischen Schule, welche die 80er Jahre bestimmte. Er trat eher als Kritiker dieser Richtung in den 90er Jahren hervor, denn er konzentrierte sich mit anderen wie dem früh verstorbenen Zhang Zao auf die Sprache als alleiniges Medium wahrer Poesie. Dabei erweiterte er die Grenzen des Sagbaren so weit, daß er sich selber nicht mehr verstand. Man muß daher in ihm einen “Schamanen” sehen, durch den trotz aller Konkretheit eine metaphysische Dichtung von sich aus spricht.
Ouyang Jianghe wurde 1956 in der Schnapsstadt Luzhou (Sichuan) geboren, zog aber wie viele Verseschmiede Ende der 70er Jahre nach Peking um, wo er seitdem lebt und mit der Filmwelt zusammenarbeitet. Obwohl ohne Hochschulabschluß ist der Poet aufgrund seiner Belesenheit einer der wichtigsten Intellektuellen Chinas, da er öffentlich unerschrocken und eloquent zu denken wagt. Für seine bislang vierzehn Gedichtbände ist er mit zig Preisen in China ausgezeichnet worden, zuletzt mit dem hochdotierten Magnolien Preis von Shanghai. Übersetzungen und Sekundärliteratur zu ihm liegen hauptsächlich auf deutsch vor, seitdem er Ende 90 Jahre auf Schloß Solitude bei Stuttgart für ein halbes Jahr seine Aufwartung mit vielen Lesungen gemacht hatte.
Mittlerweile gehört Ouyang Jianghe zu den angesehensten Dichtern der Welt.
Titel und Beiträge von Ouyang Jianghe, im BACOPA Verlag erschienen